Ziffernnoten

Leserbriefe / 04.02.2020 • 17:59 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Ich bin seit 29 Jahren Volksschullehrer mit Leib und Seele und gebe aus Überzeugung Ziffernnoten. Die Proteste der Kollegen aus Lustenau und Frastanz seien ihnen unbenommen und ich möchte mich auch auf keine Diskussion zur Ziffernnote einlassen. Mir geht es um zwei Dinge: Erstens entsteht durch den momentanen medialen Aufschrei ein völlig falsches und verzerrtes Bild. Die überwiegende Mehrheit von Politikern, Lehrern, Eltern und Schülern in diesem Land sind nämlich für die Ziffernnote. Und wir wissen auch ganz genau warum. Zweitens wird unberechtigterweise der Eindruck vermittelt, dass nur diejenigen recht haben, die am lautesten schreien. Die anders denkende Mehrheit wird, angefangen vom meiner Meinung nach besten Bundesminister meiner gesamten Dienstzeit abwärts, als rückständige Verstehnixe dargestellt. Ich bedanke mich wohl im Namen von vielen beim Bildungsministerium für das Bekenntnis zur Ziffernnote. Meine Schüler freuen sich auf ihr Zeugnis und können die Welt hinter diesen Zahlen sehr gut und selbstkritisch einschätzen. Ich glaube, unsere Kinder brauchen beides, wenn wir sie auf die Zukunft vorbereiten sollen: den immensen Leistungsanreiz einer Ziffernnote und die begleitende verbale Beurteilung und Erklärung derselben in welcher Form auch immer. Es ist also kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als- auch angebracht.

Thomas Drexel,

Lehrer Volksschule
Nenzing