Der Alpenwolf

Leserbriefe / 03.05.2022 • 18:25 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Dass die Arbeit der Vorarlberger Älplerinnen und Älpler wertgeschätzt wird, steht völlig außer Zweifel. Jedoch haben im Weltbild des Kammerpräsidenten offenbar nur zwei Arten von Tieren Platz: nützliche und schädliche. Das ist nicht verwunderlich, schließlich werden Lehrmeinungen wie diese seit Jahrhunderten durch Schulbücher und Alltagsmythen konserviert und tradiert. Tiere in diese zwei Kategorien einzuteilen, ist wenig einfallsreich und mit ‚Natur‘ grundsätzlich nicht vereinbar. Gar nicht einfältig sind hingegen die angewandten Legitimierungsstrategien, z.B. das Erzeugen von Emotionen wie Angst, hypothetische Zukunftsszenarien oder das Bemühen ausgewählter (unilateraler) Expertenstimmen. Das dient hauptsächlich dazu, die anthropogen verursachten Problematiken zu verschleiern, wie etwa die weltweite Zunahme von endemischen Krankheitsausbrüchen, die seit der Industrialisierung exponentiell steigt. Gründe dafür sind MaDessentierhaltung sowie degenerative Krankheiten, die der Tierzucht entstammen. Das Rind ist, gleich nach dem Hund, diejenige Haustierart, die die meisten Defektzuchtmerkmale aufweist. Die Anfälligkeit für Atemwegserkrankungen sowie explizit Tuberkulose beim Rind sind nur zwei von über 600. Beweggründe der Tierzucht, nämlich maximale Leistung aus Körpermaschinen herauszuschlagen, haben mit einer romantischen Älpleridylle eigentlich nichts zu tun. Authentische Älplerarbeiten mit der Natur, nicht gegen sie. Dazu gehört auch, die Herde wirksam gegen Gefahren zu schützen und den Wolf gleichzeitig als wichtigen Teil der Natur zu akzeptieren.

Ulrike Schmid, MA, Götzis