Ite missa est … hä?

Leserbriefe / 21.10.2022 • 17:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ite missa est … hä?

Morgen, Sonntag, ist der sogenannte Missionssonntag, Sonntag der Weltkirche. Den allermeisten Zeitgenossen ist dies völlig fremd! Das ist bitte keine Kritik, sondern Tatsache! Mission? Was soll das überhaupt?

Willst du nicht mein „Bruder“ sein . . .

Stimmt! Die Geschichte zeigt auf, wie in der Vergangenheit „missioniert“ wurde. Da war die Missachtung der Menschenwürde oft an erster Stelle! „Im Namen des gütigen und barmherzigen Gottes . . .“ Nein, es macht nicht viel Sinn, grundsätzlich nur auf das Vergangene zu blicken. Hätten wir, wenn wir zu jenen Zeiten gelebt hätten, anders gehandelt? Vermutlich nicht, denn Menschen sind immer mit ihrem (vorläufigen) Lebenswissen Kinder ihrer Zeit mit all den Prägungen, die diese Zeit mit sich bringen kann. Und zudem: Auch heute noch werden Menschen ermordet, gefoltert, misshandelt – nur weil sie nicht der „richtigen“ Religion angehören! Hast du gewusst, dass die am meisten verfolgte Glaubensgemeinschaft in der Welt die Christen sind?

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Diese drei Worte wurden vor dem 2. Vatikanischen Konzil (also vor 60 Jahren) durch den Priester am Ende des Gottesdienstes den Leuten zugerufen. Und die Leute haben geantwortet: „Deo gratias!“ Da aber die wenigsten Gottesdienstbesucher der lateinischen Sprache mächtig waren, wurden die drei Worte des Priester so übersetzt: „Ite missa est = d’Mäss isch us“ (auf gut Vorarlbergerisch). Kein Wunder, dass die Antwort der Leute war: „Deo gratias“ = Gott sei Dank! Zumal dann auch noch die Menschen aus der Kirche kamen, im „Bewusstsein“, für heute, Sonntag, ihre Pflicht getan zu haben!

Aber:

Dieses „Ite missa est“ hat die Bedeutung: „Geht, ihr seid gesendet!“ Oha! Das klingt ja ganz anders! In der Kirche bin ich Christ und fromm und in der Alltäglichkeit ist mir die Botschaft Jesu und deren Anspruch völlig fremd! Mir, als getaufter und gefirmter Christ? Habe ich das richtig verstanden, begriffen? Ich soll gesendet sein, gleichsam als Missionarin oder Missionar, um den Menschen beim Leben zu helfen? Ihre Menschenwürde achtend, ohne Rücksicht auf Hautfarbe, Sprache, Herkunft, Lebensweise? Dadurch diesen Jesus Christus deutlich machend, der mitten unter uns lebt? Für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden einzutreten, im Wissen, dass dieser Gott, an den ich glaube, das Leben für alle will? Das heißt aber doch, dass ich in meinem eigenen Umgang mit dem Menschen immer auf „Missionsreise“ bin. Nein, ich verkünde keinen rächenden Gott, keinen Fundamentalismus, sondern einen, der mitten unter uns lebt. Brot und Wein, biblische Symbole für das Leben (Brot, für alles, was Leben schwer macht; Wein, für alles, was Lebensfreude bringt), sind durch Jesus Christus selbst Garanten dafür, dass er bei uns ist, mit uns das Leben teilt – so wie wir selber unser Leben mit anderen teilen, vor allem mit jenen, die dies brauchen! Es geht ja nicht darum, wie es in einem alten Gebet geheißen hat: Lieber Gott, mach MICH fromm, dass ICH in den Himmel komm! Frömmigkeit ist zuallererst eine Lebenshaltung, die die Schöpfung und den Mitmenschen wahrnimmt, als lebendiges Zeichen der Anwesenheit Gottes unter uns! Also, wenn ich mir das so überlege: dieser Weltmissionssonntag ist anspruchsvoll – für mich und für dich! Dank allen, die sich heute bemühen, in der weiten Welt und bei uns dieses „Ite missa est“ umzusetzen!

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