Europäische
Sicherheit
Dass die „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ die Wiege der EU ist, dürfte bekannt sein. Die Zusammenlegung der Hauptindustrie- und Rüstungsrohstoffe hatte zwar einen starken militärischen und damit friedensstiftenden Hintergrund, aber darüber hinaus gab es parallel die Idee einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft. Diese stammte von mehreren Seiten nationenübergreifend und hätte auch das besiegte Deutschland eingeschlossen. Italiens Ministerpräsident De Gasperi, ein europäischer Gründervater, soll geweint haben, als sie letztlich nicht zustande kam. Sie fehlt uns bis heute, wenngleich daraufhin die transatlantische NATO als überlebenswichtiger Ersatz diente. Österreich konnte wegen der Sowjets nicht beitreten, und der Einzige, der das nachträglich ändern wollte, war ein gewisser Jörg Haider 1996. Bemerkenswert für die Rolle der Sicherheit waren auch die Abstimmungen in den 2004 beigetretenen ostmitteleuropäischen Ländern. Dort wurde die Zustimmung des Volkes zu NATO und EU separat eingeholt. Sie werden es erraten, verehrte Leser, welche Organisation noch mehr Stimmen erzielte. Man sollte sich gerade heute, nach Jahrzehnten sicherheitspolitischer Träumereien, der zentralen Rolle der europäischen Einigung bewusst sein. Parteien, die Putins Propaganda unterstützen, sind deswegen brandgefährlich, was auch immer ihre sonstige Rolle im Gleichgewicht des vielstimmigen Konzerts der Parteien sein mag. Im Angesicht der Sicherzeit verblasst alles andere.
Gerald Grahammer, Lustenau