Leserbrief: Die Kasse krankt – und die Politik schaut zu

Leserbriefe / 24.03.2026 • 13:30 Uhr
Leserbrief: Die Kasse krankt – und die Politik schaut zu

Die österreichische Gesundheitskassa steht nicht deshalb unter Druck, weil das System an sich schlecht wäre, sondern weil die Politik seit Jahren zu wenig Mut, zu wenig Weitblick und zu viel Schönrederei zeigt. Während Politiker von sozialer Gerechtigkeit sprechen, erleben viele Menschen längst eine schleichende Zwei-Klassen-Medizin: Wer Geld hat, geht privat und bekommt rasch Hilfe, wer darauf angewiesen ist, Kassenleistungen zu nutzen, wartet oft viel zu lange. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Versäumnisse. Wenn die ÖGK nicht in finanzielle Schieflage geraten soll, muss die Politik endlich aufhören, ständig neue Belastungen aufzubauen, ohne für eine stabile Finanzierung zu sorgen. Es reicht nicht, Reformen anzukündigen und Verantwortung hin und her zu schieben. Notwendig sind mehr Kassenärzte, bessere Arbeitsbedingungen für medizinisches Personal, weniger Bürokratie und eine ehrliche Kontrolle darüber, wohin das Geld tatsächlich fließt. Vor allem aber braucht es politische Ehrlichkeit: Ein gutes Gesundheitssystem kostet Geld. Gesundheit darf in einem sozialen Staat kein Privileg sein. Wenn die öffentliche Kasse schwächer wird, wächst nicht nur das Defizit, sondern auch die Ungerechtigkeit im Alltag der Bürger. Das wäre ein politisches Versagen mit Ansage.

Peter Vaschauner, Feldkirch