Leserbrief: Provinz-Posse

Es ist schön langsam peinlich, ja unerträglich, täglich über eine Nicht-Verlängerung eines Vertrages der Intendantin der kleinsten Länderbühne Österreichs (VLT) zu lesen oder zu hören. Ich bin 76, seit zehn Jahren in Pension, habe mit der aktuellen Theatersituation nichts mehr zu tun, aber ich weiß, wovon ich rede, denn ich war jahrzehntelang als erfolgreicher und preisgekrönter Regisseur an Wiener Großbühnen und deutschen Staatstheatern künstlerisch tätig. Mir wurde als Theaterdirektor in Kassel auch der Vertrag nicht verlängert (trotz 94 Prozent Auslastung), dem berühmten Filmregisseur R. W. Fassbinder am TAT Frankfurt auch nicht, und der Kollege Martin Kušej (Burgtheater Wien) wurde von einer Grün-Politikerin eliminiert, obwohl er das Theater heil über Corona brachte. Kušej und ich sind Absolventen der Grazer Theater-Universität. Ein Recht eines Intendanten auf Vertragsverlängerung bis zur Pensionierung trotz erfolgreicher Tätigkeit gibt es nicht und kann nicht eingefordert werden. Ein neuer Intendant (in) wird auch ein neues Ensemble mitbringen, deshalb die Angst der Schauspieler, arbeitslos zu werden, was irgendwie verständlich ist, aber in der heutigen Weltlage, wo so viele Betriebe schließen, scheint mir der Theater-Donner (VLT) übertrieben. Vor zehn Jahren hat man eine Schweizer Dramaturgin, die nicht inszeniert, dafür höchste Management-Qualitäten aufweisen konnte, als Intendantin ans VLT geholt?
Mag. Eduard Steininger, Bürs