Leserbrief: Versöhnung

Im April ging ein verstörendes Foto um die Welt. Ein israelischer Soldat schlägt in einem christlichen südlibanesischen Dorf mit einem Hammer auf eine Christusfigur ein. Ein anderer Soldat filmte das. Wie ging es weiter? Die beteiligten zwei Soldaten erhielten dreißig Tage Militärhaft. Das israelische Militär erklärte, das Verhalten der Soldaten sei in keiner Weise mit den Werten vereinbar, die von Soldaten erwartet würden. Auch Netanjahu sagte, er sei “fassungslos und traurig.” Die Statue wurde inzwischen in Abstimmung mit den örtlichen Christen von Israel ersetzt. Viele fürchteten um die jüdisch-christlichen Beziehungen. Da geschah etwas Außergewöhnliches: 250 Rabbiner und jüdische Führungspersönlichkeiten unterzeichneten innerhalb von Stunden einen Brief, verurteilten die Tat, bezeichneten sie als Entweihung des Namens Gottes und entschuldigten sich aufrichtig bei der gesamten Christenheit. Daraufhin schrieb eine Jerusalemer Christin, die im christlich-jüdischen Dialog tätig ist, einen Brief an Israels Präsident Herzog und bat ihn um Gnade für die schuldigen Soldaten. Sie sagte: “Wir als Christen vergeben ihnen, wie es Jesus tun würde.” Sie spielte damit die Tat nicht herunter, sagte aber, Bestrafung ohne Barmherzigkeit ist keine Gerechtigkeit, sondern nur Gesetz, und die beste Antwort auf eine Entweihung ist nicht die fortgesetzte Bestrafung, sondern Verwandlung. Dieser Brief wurde von christlichen Leitern weltweit unterzeichnet.
Dr. Wolfgang Hämmerle, Lustenau