Leserbrief: Ein unsicherer Kantonist!

Im Staat Preußen, Keimzelle des Deutschen Reiches im 19. Jahrhundert, bezeichnete man einen unzuverlässigen Menschen mit diesem Ausdruck. Jemanden, dem man nicht ganz trauen kann. Anfangs nur militärisch gebräuchlich, fand er in Deutschland Aufnahme in den allgemeinen Sprachgebrauch – bis heute. Wie schlimm muss es für die führenden politischen Köpfe Europas sein, mit einer Person zusammenarbeiten zu müssen, auf die dieser (alte) Begriff 100-prozentig passt? Mit Donald Trump! Bei allen Nato-Planungen, bei Planungen der 27-EU-Verantwortlichen. Im Vorfeld jeder weitreichenden Entscheidung müssen sie bedenken, ob sie dem mächtigsten Mann der Welt noch trauen können, ob sie sich auf sein Wort noch verlassen können oder ob er sie nicht gerade wieder einmal zielstrebig hintergeht. Aus persönlicher Eitelkeit, aus Eigennutz oder aus krankhaftem Narzissmus. Oder weil es ihm gerade einfach gefällt, andere zu beleidigen, sie zu verletzen, zu hintergehen, um den dicken Mann zu markieren, vor dem jeder Angst haben sollte!? Wie lange hält man das aus? Wie lässt es sich mit so einem Menschen zusammenarbeiten? Über Monate und Jahre? Obwohl man ihn am liebsten achtkantig rausschmeißen möchte, sobald er einen Raum betritt, in dem man sich selbst mit seinen Vertrauten befindet!? Ich empfinde Hochachtung vor denen, die das mit Würde aushalten!
Jürgen Gerdes, Mellau