Leserbrief: Wehrdienstreform – aufwendiges, teures Modell

Die Wehrdienstkommission, bestehend aus unabhängigen Experten verschiedener Fachbereiche, hat das Modell „acht Monate Wehrdienst plus zwei Monate Milizübungen“ vorgeschlagen. Die parteipolitischen Wehrexperten der Dreierkoalition haben jedoch ein anderes, teureres Modell durchgesetzt. Der Grundwehrdienst bleibt bei sechs Monaten, zusätzlich kommen drei Monate verpflichtende Milizübungen hinzu. Es freut mich, dass der monatliche Sold für wehrpflichtige Soldaten auf 1000 Euro erhöht wird. Als ehemaliger Bataillonskommandant und Kommandant von FlA-Kampfgruppen bei Einsatzübungen muss ich jedoch feststellen, dass sechs Monate Grundwehrdienst zu kurz sind, um die Einsatzfähigkeit auf Kompanie- und Bataillonsebene zu gewährleisten. Fast alle Aufgaben erfolgen im Verbund eines eingespielten Teams, wofür ein achtmonatiger durchgehender Grundwehrdienst nötig ist. Spätere Milizübungen dienen primär der Erhaltung militärischer Fähigkeiten. Beim 6+3-Kompromissmodell wirken sich drei Monate Milizübungen negativ auf die Berufslaufbahn der Soldaten sowie auf die Wirtschaft aus. Zudem entstehen insgesamt höhere Kosten. Das Bundesheer soll jetzt aus dem faulen Kompromiss eine einsatzfähige Truppe bilden. Die Hoffnung ruht auf Soldaten, die acht Monate durchdienen und später einen Monat Milizübungen absolvieren. Damit könnten acht Monate Grundwehrdienst ersetzt werden.
Oberst i.R. Kurt Gärtner, Wels (OÖ)