Leserbrief: Solidarität ist keine Einbahnstraße

Landwirtschaftliche Betriebe erhalten zu Recht erhebliche öffentliche Unterstützung. Gerade jetzt, in Zeiten der Trockenheit, werden wieder rasche Hilfen erwartet und bereitgestellt. Andere Branchen müssen Schlechtwetter, Umsatzrückgänge und wirtschaftliche Risiken weitgehend selbst tragen. Umso mehr irritiert mich die Situation in Schetteregg. Bei der Alpe Gemeine Brongen hat eine klare Mehrheit für die ausgehandelten Verträge gestimmt. Eine Minderheit verhindert aufgrund der notwendigen Zweidrittelmehrheit die Umsetzung – und gefährdet damit Sommer- und Winterbetrieb sowie die wirtschaftliche Grundlage zahlreicher Betriebe und Familien in Schetteregg. Gleichzeitig hätte die Alpe selbst aus der Zusammenarbeit erhebliche laufende Einnahmen und zusätzliche Investitionen erhalten. Wer öffentliche Solidarität und hohe Förderungen in Anspruch nimmt, muss sich auch die Frage nach der eigenen Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit gefallen lassen. Das gilt umso mehr, wenn auch der Bewirtschafter selbst in erheblichem Umfang von öffentlichen Agrarförderungen profitiert. Es geht nicht um Landwirtschaft gegen Tourismus. Beide brauchen einander. Gerade deshalb erweist jene Minderheit in Brongen, die diese Entwicklung verhindert, aus meiner Sicht auch der Landwirtschaft selbst einen Bärendienst. Denn ein solches Verhalten gefährdet das Verständnis und die Solidarität der Öffentlichkeit gegenüber einem Berufsstand, der in besonderem Maße auf öffentliche Unterstützung angewiesen ist. Die Alpgenossenschaft Brongen hat hier gegenüber der zahlenden Öffentlichkeit erheblichen Erklärungsbedarf.
Hubert Ober, Lustenau (Ferienhausbesitzer in Schetteregg)