Leserbrief: Naturnahe Waldentwicklung

In ihrem VN-Leserbrief unter diesem Titel vom 2.10.2026 findet es Frau Rickmann lobenswert, wenn der Forststraßenbau und der Uferschutz zukünftig weitgehend ohne naturschutzrechtliche Bewilligung ermöglicht werden. Permanent wird suggeriert, nur ein bewirtschafteter, verjüngter Wald wäre vital und gesund. Dies ist leider nur Propaganda der nutzungsorientierten Forstwirtschaft. Die ökologisch wertvollsten und gesündesten Wälder sind jene, in die der Mensch nicht hineinpfuscht und die er in Ruhe lässt. Die für jeden Waldbesitzer angedachte Möglichkeit, jährlich 400 m Lkw-taugliche Forststraße ohne naturschutzrechtliches Verfahren umzusetzen, ist eine gefährliche Drohung für eine intakte Landschaft, die letzten natürlichen Waldgebiete und die raren Ruhezonen. Damit wird nicht nur viel Wald vernichtet, das innere Waldklima gestört und Angriffsmöglichkeiten für Sturmereignisse und Hangrutschungen geschaffen, sondern nebenbei werden auch noch qualitätsvolle Waldwanderwege eliminiert. Es spricht wenig gegen eine vernünftige Waldnutzung durch Plentern. Es muss deshalb aber nicht jedes Waldgebiet unter die Räder kommen und ausgebeutet werden. Das Holz in großem Stil zu verbrennen, ist sowieso ein Humbug. Nicht alles, was als naturnahe Waldentwicklung angepriesen wird, ist für einen ökologisch intakten Wald auch gedeihlich. Mehr natürliche Wälder statt nur naturnaher wäre ein schönes Ziel.
Franz Ströhle, Alpenschutzverein für Vorarlberg, Dornbirn