Shoppingcenter schlägt „Dorflädele“

Markt / 05.02.2013 • 23:02 Uhr
In der Nische kann man noch erfolgreich sein: Detlev Schiener vom Bregenzer Biostore. Foto: VN/Steurer
In der Nische kann man noch erfolgreich sein: Detlev Schiener vom Bregenzer Biostore. Foto: VN/Steurer

Die Nahversorgung ist ein Liebkind der Politik, doch immer mehr kleine Händler schließen.

Schwarzach. Im Hintergrund herrscht zwischen den Großen ein harter Kampf um die begehrten Standorte mit Massenpublikum. Ob es eine brauchbare Strategie der Landesraumplanung in diesem Wettstreit gibt, wird sich weisen müssen. Julius Moosbrugger, Geschäftsführer der Fachgruppe Lebensmittelhandel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, sieht nach der letzten Landesraumplanungsnovelle 2006 die Nahversorgung im Land auf guten Beinen. Es gebe leistungsfähige Geschäfte und auch in fast allen Dörfern des Landes noch Nahversorger. Lediglich neun Gemeinden seien ohne Lebensmittelgeschäft. Kritisch sei höchstens, dass mehrere kleine Nahversorgermärkte nur wegen der Landes- und Gemeindeförderungen überleben könnten.

Auf die Handelslandschaft in Vorarlberg kommen aber gleich mehrere Herausforderungen zu. Einerseits legt der Internethandel weiter zu, andererseits wird der Kampf um den Kunden vor Ort immer härter, sagt Kurt Bereuter vom Vorholzinstitut, der die aktuelle Situation im Einzelhandel untersucht hat. Das zeigt sich besonders an den Plätzen, wo noch Geld zu verdienen ist: In Bludenz-Bürs beim Zimbapark, in der Marktgemeinde Rankweil mit der Nähe zu Feldkirch, in Dornbirn mit der Innenstadt und dem Messepark. Die Innenstädte sollen lebendig erhalten werden, gleichzeitig siedeln aber am Rand von Bludenz, Feldkirch und Dornbirn die Einkaufszentren an den Stadtgrenzen und werden mit dem Pkw besucht. Verkehrsprobleme sind eine der Folgen.

Teure Infrastruktur für EKZ

Wie die VN im Dezember berichteten, gibt es in Bludenz rund um den Zimba- und Lünerseepark Pläne zur Errichtung von drei Kreisverkehren und neuen Anschlussstellen an die Walgauautobahn, um die Blechkolonnen zu beseitigen und die Verkehrssitua­tion zu verbessern. Kosten soll das Projekt 24 Mill. Euro, zu berappen von der ASFINAG, dem Land und den Gemeinden. Neben Zimba- und Lünerseepark befindet sich dann auch ein Hofer-Markt und ein XXX Lutz an einem dieser Kreisverkehre. Der Feldkircher Verkehrsplaner Besch soll derweil die Situation nochmals prüfen, ob die ASFINAG-Lösung zum räumlichen Entwicklungskonzept der drei Gemeinden Bludenz, Bürs und Nüziders passt oder ob es Alternativen gäbe.

In Feldkirch und Rankweil tobt schon länger ein Kampf um den Verkehr und die damit einhergehenden Belastungen. Während die Stadt Feldkirch auf ihren Gründen direkt an der Gemeindegrenze zu Rankweil von den Einnahmen profitiert, wird die Situation in Rankweil als Belastung empfunden.

In Dornbirn gibt es Pläne zur Erweiterung des Messeparks. Die Messeparkkreuzung und der Kreisel zählen zu den am stärksten belasteten Verkehrsknoten in Vorarlberg. Die Kolonnen stauen sich bis auf die Autobahn oder ins Stadtgebiet zurück. Eine geplante Erweiterung des Messe­parks wird die Situation weiter verschärfen und nach Infrastruktur­anpassungen verlangen. Einen anderen Weg sind bisher nur die Wälder gegangen. Beim Kreisverkehr in Egg finanzierte neben Land und Gemeinde auch Marktbetreiber Sutterlüty mit. Das im Vergleich bescheidene Kaufhaus der Wälder musste immerhin 250.000 Euro beisteuern.

Mächtiger und internationaler

In Vorarlberg gibt es gerade noch 16 Lebensmittelhandelsbetriebe mit Vollsortiment ohne Firmenschild eines der großen Player. Auch existieren noch 131 selbstständige Kaufleute mit Vollsortiment, die mit einem der großen Handelskonzerne verbunden sind. Über 85 Prozent der Lebensmittelgeschäfte mit Vollsortiment befinden sich in der Hand der drei großen Ketten Spar (89 Geschäfte), Rewe mit Merkur, Billa und Adeg (69 Geschäfte) und, als Sonderfall in Vorarlberg, noch Sutterlüty mit 22 Geschäften. Außer Sutterlüty sind alle anderen Vollsortimentsanbieter wie auch die Diskonter Hofer und Lidl international tätige Konzerne und fahren ihre eigenen Strategien, die sich mehr oder weniger unterscheiden. Österreichweit werden 85 Prozent des Lebensmittelumsatzes von Rewe, Spar und Hofer bewältigt. Regionale Familienbetriebe wie Sutterlüty gibt es sonst nur mehr in Tirol mit der M-Preis-Gruppe und in Oberösterreich mit den Unimärkten.

Immer weniger Platz

Was in Vorarlberg auffällig ist, ist der Umstand, dass die großen EKZ alle der Spar gehören: der Zimbapark, der Messepark und auch das EKZ in Feldkirch-Altenstadt. Auch in Bregenz hat sich
die Spar-European-Shopping-Center-Gesellschaft mit der Prisma-Gruppe das Seestadtareal gesichert. Für regionale Anbieter mit einer regionalen Vielfalt bleibe immer weniger Platz, stellte Bereuter bei seiner Untersuchung fest. Eine gewisse Zwiespältigkeit in der Landesraumplanung ist für Ernst Wirthensohn vom Selbsthilfeverein Thal offensichtlich. Einerseits ziehen die großen EKZ die Kaufkraft aus dem umliegenden Land, aber ganz besonders auch aus den umliegenden Innenstädten ab, auf der anderen Seite gibt es von Landes- und Gemeindeseite große Anstrengungen, die Nahversorgung zu erhalten und auch zu finanzieren. So muss etwa Thal, eine Teilgemeinde von Sulzberg mit rund 380 Einwohnern, seinen Adeg-Markt im eigenen Gebäude des Selbsthilfevereins von Land und Gemeinde mit jährlich über 15.000 Euro stützen lassen. Das Land übernimmt den größten Teil von 13.000 Euro. Ähnlich ist die Situation in Buch, Laterns und Marul. Pro Betrieb gibt es maximal 25.000 Euro jährlich. 54 solcher Läden stehen auf der Förderliste des Landes. Mit Dezember 2012 mussten die Beträge bis zur doppelten Höhe gewährt werden, um diese Kleinstgeschäfte zu erhalten.

Einerseits ziehen die EKZ Kaufkraft ab, andererseits fördert das Land Dorfläden.

Ernst Wirthensohn, Selbsthilfeverein Thal

Nahversorger

» 16 Lebensmittelmärkte in Vorarlberg gehören einer Handelskette an

» 131Kaufleute sind mit einem großen Anbieter verbunden

» 89 Spar-Märkte

» 69 Rewe-Märkte (Merkur, Billa und Adeg)

» 22 Sutterlüty-Märkte

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