Im Montafon fliegen die Schneebälle derzeit tief

Zum Saisonende herrscht im Montafon alles andere als eitel Sonnenschein.
Schruns. „Im Grunde ist alles recht einfach“, sagt der Geschäftsführer der Gargellener Bergbahnen, Thomas Lerch. „Wir wollen nur, dass eingehalten wird, was ausgemacht wurde.“ Klingt logisch, ist aber Ergebnis eines tiefen Frusts in der Beziehung der Montafoner Skiliftbetreiber.
Seit Jahren bietet die südlichste Talschaft des Landes ihren Gästen die Möglichkeit, mit einer Karte alle Skigebiete des Tales zu benutzen. Ein Superservice, der es den Touristikern leichter macht, ihre Destination zu verkaufen. Die Skifahrer sind begeistert und wedeln vom Hochjoch genauso wie vom Golm, vom Schwarzköpfle ebenso wie vom Schafberg. Die Erlöse aus dem Kartenverkauf wurden bislang gerecht verteilt. Nämlich so, dass alle zufrieden waren. Doch die Abrechnungsmodalitäten sind zumindest seit zwei Jahren infrage gestellt. „Im letzten Jahr ist überhaupt kein Geld geflossen“, klagt Lerch, dessen Bergbahnen das schwächste Glied in der Kette sind. Heuer sei immerhin ein vorläufiger Geldfluss vereinbart, aber so könne das nicht weitergehen. „Man soll uns lassen, was uns zusteht“, sagt er im Gespräch mit den VN.
„Nur Verlierer“
Die Verhältnisse in der Partnerschaft scheinen klar. Die Silvretta Montafon ist der größte Partner mit 75 Prozent, Illwerke Tourismus und Gargellen haben zusammen 25 Prozent Anteil am Pool, gering beteiligt ist außerdem die Kristbergbahn. „Der Pool hab schon gut funktioniert, bevor die Silvretta Montafon ins Tal kam“, stellt Lerch fest. Was er nicht wolle, sei, dass der Pool auseinanderbreche: „Das gibt nur Verlierer, zuerst unsere Gäste.“
Er wolle nicht, dass immer alles infrage gestellt werde, dass jede Sitzung Stress bedeutet und „jegliche Anstandsregeln aus Kraft gesetzt seien“, lässt er seinem Frust über den Pool freien Lauf. Der Geschäftsführer des Illwerke Tourismus, Werner Netzer, sagt gleich gar nichts zum Konflikt. „Wir sind übereingekommen, dass das von unserem Vorstand kommuniziert wird“, stellt er dennoch klar, dass das Thema wichtig für die Illwerke VKW ist. Stellung nimmt Vorstand Christoph Germann, der im Gespräch grundsätzlich bestätigt, was Lerch sagt. „Es gibt eine Vereinbarung, und wir erwarten, dass diese Vereinbarung eingehalten wird“, sagt Germann auf VN-Anfrage. Und weiter: „Wir gehen davon aus, dass wir auf Augenhöhe und fair miteinander umgehen.“ Illwerke Tourismus habe jedenfalls die Vereinbarungen immer eingehalten.
Georg Hoblik, Vorstand der Silvretta Montafon, sieht die Sache jedenfalls ganz anders. „Wenn die Partner unzufrieden sind, sollen sie mir das persönlich sagen“, nimmt er den Fehdehandschuh auf. Dass es derzeit keine Gesprächsbasis gebe, liege nicht an ihm. „Wir warten schon lange auf den Vorschlag zum Abrechnungsschlüssel, aber es kommt nichts, kein einziger Termin“, spielt er den Ball zurück. Aber er höre, dass die Partner rege Gespräche über eine Vorarlberg-Skikarte führen. „Das haben wir bisher nicht gemacht.“ Derzeit herrscht in der Montafoner Schneeballschlacht jedenfalls ein Patt. Tourismusfachleute aus dem Tal fordern ein klares Wort der Politik, die sich bislang jedoch nicht rührt. Und obwohl alle Beteiligten versichern, zum Wohle des Gastes den Pool nicht infrage zu stellen, scheint das Klima dauerhaft vergiftet.
Es gibt Vereinbarungen, und die müssen eingehalten werden.
Christoph Germann
Ski Montafon
Silvretta Montafon Bergbahnen
» Michael Doppelmayr (15 %)
» Franz Markowski (36 %)
» MPR Holding GmbH (49 %), gehört zu 100 Prozent der Bank für Tirol und Vorarlberg
Illwerke Tourismus
» VKW Illwerke (100%)
Gargellener Bergbahnen
» rund 85 Gesellschafter
Montafoner Kristberg-Bahn Silbertal
» Gemeinde Silbertal (32,2917 %)
» Land Vorarlberg (32,2917 %)
» Seilweggenossenschaft Silbertal-Kristberg, Silbertal (3,125 %)
» Silvretta Montafon Bergbahnen AG (32,2917 %)