Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Man wird ja noch fragen dürfen . . .

Markt / 03.04.2013 • 21:14 Uhr

„Die Lust an der Zukunft“ ist heute Thema des Eröffnungsreferates zur 38. Frühjahrsmesse, und vielleicht soll dieser Titel auch der Messegesellschaft Mut auf Kommendes machen. Denn so klar sind die Aussichten nicht, wie sich die „größte Wirtschaftsveranstaltung“ Vorarlbergs weiterentwickeln soll und wird.

Keine Frage: Messe-Geschäftsführer Dietmar Stefani und sein Team arbeiten engagiert und werden gerade dieser Tage vor lauter Stress kaum Luft holen können. Geht es aber um die strategische Ausrichtung der Messegesellschaft, und ihrer Veranstaltung erinnert das Projekt oft an die sinnlose Arbeit des Sisyphos. Wie dieser den Stein immer wieder vergebens den Berg hinaufschleppt, so mühen sich die Dornbirner Messe-Strategen um neue Konzepte und Fachmessen ohne die nötige Fortune. Das Glück des Tüchtigen bleibt ihnen am hart umkämpften Fach­messenmarkt meist verwehrt, sind doch alle attraktiven Nischen längst besetzt. Da wird auch „Gustav“ (die neue Genussmesse im Herbst) nichts daran ändern.

„Die Messe ist gelesen“. Die Entwicklung der Dornbirner Messe wird wohl nicht sehr progressiv sein, die beiden großen Publikumsmessen sind etabliert und spielen in einer Liga mit Wieselburg und Wels – ohne den Erfolg aller drei Ausstellungen schmälern zu wollen. Seien wir ehrlich: Die Dornbirner Messe ist ein Volksfest mit angeschlossener Verkaufsausstellung. Wer einen neuen Grill braucht, nutzt den Besuch ebenso wie jene, die auf der Messe Bekannte und Freunde treffen und dann noch eine Bratwurst essen. Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit dieses Konzeptes seien erlaubt.

Man wird doch noch fragen dürfen … Wie soll es
weitergehen in Dornbirn? Braucht es tatsächlich über
30 Beschäftigte für zwei Topevents und zur Verwaltung des überschaubaren Veranstaltungsangebotes auf dem Messegelände? Ja, braucht es überhaupt ein Messegelände dieses Ausmaßes in einer der besten Lagen Vorarlbergs? Wäre es nicht zielführender, wenn statt immer neuer
Konzepte und Strategien die Gesellschafter, von denen
es neben den drei ganz Großen – Land Vorarlberg, Stadt Dornbirn und Wirtschaftskammer – 116 gibt, einmal in sich gehen und ein klares Wort zur Zukunft sagen? Denn eines ist sicher: Der Zweck, zu dem die Dornbirner Messe im Jahr 1951 gegründet wurde, nämlich zur Präsentation der „Textilien und Muster“ – ist schon lange nicht mehr relevant.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862