Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Urlaub und Überstunden

Markt / 17.04.2013 • 21:08 Uhr

Die österreichischen Arbeitsmarktdaten haben derzeit eine Tendenz: nach unten. In Vorarlberg geht das Angebot zwar auch zurück, aber lange nicht so stark wie im Rest der Republik. Das zeigen die monatlich veröffentlichten Zahlen des AMS. Dass sich diese Woche Politiker und Sozialpartner im Landhaus treffen und die Situation analysieren, ist gut und zeugt von Weitblick, zumal das Treffen bereits vor Monaten terminisiert wurde.

Derselbe Weitblick ist den Teilnehmern beim Gipfeltreffen zu wünschen. Denn das, was derzeit an Vorschlägen die Schlagzeilen zu diesem Thema in den ­Medien beherrscht, wird nicht zur Besserung der Lage beitragen. Wenn Spitzen-Arbeiterkämmerer die Umverteilung der Arbeit als Heilmittel gegen die Arbeitslosigkeit propagieren, zeigt das einmal mehr, dass die Herrschaften in den Betrieben nicht die Arbeitsplätze, sondern eher die Sitzungszimmer (wenn überhaupt) kennen. Hoch spezialisierte Fachkräfte werden immer Überstunden machen müssen, wenn die Auftragslage dies gebietet. Ihre Arbeit kann einfach nicht jemand anderer machen. Hubert Hämmerle und Norbert Loacker werden dies wissen und auch richtig einschätzen, denn sie kommen von der Basis, sind selbst an der Werkbank gestanden.

Und auch der Ruf nach mehr Urlaub wird in Vorarlberg eher verhallen, denn der Realitätssinn soll im Ländle ähnlich hoch sein wie in der Schweiz. Dort haben die Arbeitnehmer selbst einen längeren Urlaub abgelehnt. Man kann im globalen Wettbewerb einfach nicht punkten, wenn man weniger arbeitet. Das leuchtet jedem ein, der eins und eins zusammenzählen kann. Gefordert sind aber auch die Vertreter der Arbeitgeber. Es wird keine Entlastung der Arbeit geben – zumindest vorerst nicht. Erstens gibt es große Belastungen auch in anderen Ländern und zweitens muss das hohe Niveau, auf dem unser gesellschaftliches System fußt, finanziert werden. Diese Belastungen sind Standortfaktoren, und damit muss man als Unternehmer rechnen.

Es ist zu wünschen, dass die Dogmen der Sozialpartner in Vorarlberg nicht die Gespräche bestimmen. Vernünftige Forderungen, vielleicht neue Ansätze und das große Thema Bildung sollten im Mittelpunkt des Vorarlberger Sozialpartnergipfels stehen. Das wünschen sich jene an den Werkbänken und jene, die ihre Firmen zukunftsfit positionieren müssen. Und sie bauen darauf, dass in Vorarlberg jeder weiß, wann Überstunden wichtig sind und der Urlaub zu lange dauert.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862