Provinzler aus dem wilden Westen

Markt / 15.05.2013 • 19:23 Uhr
Rupp: „Wurden vom kleinen Bänkle zur Nr. 1.“ Foto: VN/Hofmeister
Rupp: „Wurden vom kleinen Bänkle zur Nr. 1.“ Foto: VN/Hofmeister

46 Jahre war Kurt Rupp für die Hypo Vorarlberg tätig. Vor Kurzem schloss er das Kapitel.

Bregenz. Am 18. April 2013 trat Kurt Rupp als Aufsichtsratsvorsitzender der Hypo Vorarlberg zurück. Als Kurt Rupp am 1. April 1967 bei der Hypothekenbank des Landes Vorarlberg seinen Schreibtisch in Besitz nahm, war er sich nicht ganz sicher, ob die Entscheidung richtig war. Denn dem (damaligen) Raucher wurde beschieden, dass im Großraumbüro der Bank keine Zigarette angezündet wird. Zuvor arbeitete der Bregenzer in der Textilindustrie, Dienstort Feldkirch. Als sich die Gelegenheit bot, wechselte er in die Landesbank als Assistent des Direktors Max Wilhelm Hämmerle. Er kam zu einer spannenden Zeit.

Die Bank stellte sich neu auf, das Privatkundengeschäft begann. „Wir haben die neuen Satzungen nächtelang diskutiert, Dr. Hämmerle hat weder mich noch sich geschont.“ Die Satzungen, die ausgearbeitet und durchgesetzt wurden, waren auch für andere Landeshypos richtig, berichtet Rupp im Gespräch mit den VN: „Wir sind von einem kleinen Bänkle zur Nummer eins geworden.“ Ob er auch den richtigen Assistenten gefunden hat, wollte Hämmerle übrigens ganz genau wissen: „Eines Tages stand er um 7 Uhr früh vor der Tür. Er wollte sich ein Bild machen von der Ehefrau, vom Haushalt.“

Die vielen Überstunden forderten ihren Tribut. Hämmerle starb plötzlich, Rupp wurde sein Nachfolger. Und führte das Haus über Jahrzehnte als Vorstandsvorsitzender, anschließend stand er dem Aufsichtsrat der Vorarlberger Bank vor. Er hat die Entwicklung der Bank vorangetrieben, hat „sehr gute und auch einige sehr schwere Zeiten gehabt“, sieht er sein Lebenswerk aber im Rückblick positiv. Mit Recht: 1968 wurde in Riezlern die erste Filiale gegründet, heute hat die Hypo 25 Bankstellen und rund 700 Mitarbeiter, die Bilanzsumme beträgt 14 Milliarden Euro. Die Ratings für das Haus sind auf höchstem Niveau.

Rupp wagte den Schritt in die Bundeshauptstadt, heute die größte Dependance außerhalb Vorarlbergs. Aus seiner Eröffnungsrede findet sich heute noch dieses Zitat im Internet: „Ich freue mich, dass ich heute hier sein kann. Für einen Provinzler aus dem wilden Westen ist das etwas Besonderes.“ Lieber nicht wäre er, nachträglich betrachtet, nach Italien gegangen: Ein Betrugsskandal erschütterte die Bank. Die Hypo Vorarlberg Liechtenstein fiel dem politischen Willen zum Opfer. Sie wurde verkauft. Und 1998 suchte er einen strategischen Partner: Das baden-württembergische Bankenkonsortium ist bis heute an Bord.

Und was tut der 79-Jährige nun mit seiner freien Zeit? „Im Garten arbeiten, rund ums Vorsäß, das meine Frau geerbt hat, den Wald betreuen, ein bisschen golfen …“

Zur Person

Komm.-Rat Dr. Kurt Rupp

Vorstandsvorsitzender der Hypo Vorarlberg, danach Aufsichtsratsvorsitzender, Verbandspräsident der Hypothekenbanken

Geboren: 15. April 1934

Ausbildung: Jurist

Familie: verheiratet mit Ilse, 3 Kinder