Bürokratie fesselt Betriebe

Markt / 20.05.2013 • 20:30 Uhr
Ein Schweißtechnologe ist nur einer der Beauftragten, die ein Unternehmen braucht. Foto: vn/Steurer
Ein Schweißtechnologe ist nur einer der Beauftragten, die ein Unternehmen braucht. Foto: vn/Steurer

Dass die Bürokratie in Firmen überhand nimmt, zeigt die Flut an „Beauftragten“.

Schwarzach. Die Programmrede von Vizekanzler Michael Spindelegger vergangene Woche ließ nicht viel erwarten. Wahlkampfauftakt. Die üblichen Bekenntnisse zum Standort, für die Wettbewerbsfähigkeit und zur Sicherung der Arbeitsplätze. Doch Hubert Bertsch, Industrieller und Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Vorarlberg, hörte genau zu und will den Spitzenkandidaten der ÖVP bei der Nationalratswahl im Herbst ganz genau beim Wort nehmen.

Spindelegger hat nämlich eine Sache angesprochen, die schon lange auf der Agenda der Industriellen-Interessenvertretung steht: „Die steigende Anzahl von vorgeschriebenen Beauftragten ist für mich zu einem großen Teil eine innerbetriebliche Einmischung des Gesetzgebers und damit standortschädigend.“ Dem „positiven Signal in der Vorwahlkampfzeit“ müssen allerdings auch Taten folgen, fordert Bertsch.

Der Präsident weiter: „Obwohl wir sowieso alle Gesetze einhalten müssen, zwingt uns der Gesetzgeber immer mehr dazu, für deren Umsetzung unzählige inner- und außerbetriebliche Beauftragte für Tätigkeiten jenseits unserer eigentlichen Wertschöpfung zu engagieren. Alleine in unserem Betrieb müssen wir Ressourcen freistellen, um 14 Beauftragte zu finanzieren“, poltert er.

Summe an Beauftragten

Die Spanne reiche vom Beauftragten für „Umwelt“, „Abfall“, „Gift“, „Brandschutz“ bis hin zum Beauftragten für „Aufzugsanlagen“. Ab dem Jahr 2013 kommen in seinem Unternehmen auch noch der Compliance Manager und der Energieeffizienz-Beauftragte dazu. „Diese meist aus Anlassgesetzgebung entstehenden Vorgaben und vor allem die Details, wie wir die gewünschten Ziele zu erreichen haben, erschweren uns das Arbeiten am Industriestandort Österreich und Vorarlberg immer mehr. Es wird uns ja nicht nur der Beauftragte vorgeschrieben, sondern auch wo er im Organigramm des Unternehmens angesiedelt werden muss, zum Beispiel als Stabstelle direkt dem Geschäftsführer zugeordnet“, so der Industriellen-Präsident. Spindelegger habe diese Fehlentwicklung erkannt und auch in seiner „Österreich-Rede“ explizit auf die überbordende Bürokratie anhand der Firma Bertsch hingewiesen. Er habe die „Halbierung der Beauftragten in den Unternehmen bis 2020“ im Rahmen seiner Forderungen für eine Entlastung der Unternehmen gefordert und verspricht wohl entsprechende Schritte, sollte er die Regierungsmacht erlangen.

Vorarlberg wird gehört

„Wir sehen es als ein positives Signal in der Vorwahlkampfzeit, vor allem auch, dass Ideen aus Vorarlberg gehört werden und der Wille besteht, etwas zu bewegen“, so Bertsch zuversichtlich. Er warnt allerdings: „Es darf allerdings nicht nur bei den Worten bleiben, daher werden wir auch dieses Thema konsequent weiterverfolgen. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass endlich weitere Schritte zur Stärkung des Standortes gesetzt werden.“

Alleine in unserem Betrieb müssen wir Ressourcen freistellen, um 14 Beauftragte zu finanzieren.

Hubert Bertsch, IV-Präsident

Achtung Bürokratie!

Ein durchschnittlicher mittelgroßer Metallindustriebetrieb braucht folgende gesetzlich vorgeschriebene Beauftragte (mit Fachausbildung):

» Qualitätsbeauftragter

» Umweltbeauftragter

» A&G-Beauftragter

» SCC-Beauftragter

» Schweißtechnologe

» Stahlbaubeauftragter

» Sicherheitsfachkraft

» Arbeitsmedizinerin

» Abfallbeauftragter

» Giftbeauftragter

» Strahlenschutzbeauftragter

» Brandschutzbeauftragter

» Sicherheitsvertrauensperson

» Beauftragter für Aufzugsanlagen

» Ersthelfer

» weitere gesetzlich vorgeschriebene Beauftragte sollen folgen