Die Messe Dornbirn hat einige offene Baustellen

65. Generalversammlung der Messe Dornbirn. Mit einer Reihe ungeklärter Fragen.
Dornbirn. Obwohl die Messe Dornbirn 119 Gesellschafter hat, rechnet Noch-Geschäftsführer Stefani für die heutige 65. Generalversammlung nicht mit vollzähligem Erscheinen: Für die Versammlung wurde der übersichtliche Meeting-Raum K 1 vorbereitet. Die wichtigsten sind das Land Vorarlberg mit 21,6 Prozent und die Stadt Dornbirn mit 15,8 Prozent Anteil an der Gesellschaft, gefolgt von der Wirtschaftskammer Vorarlberg mit 10,3 Prozent. Bei Investitionen bleibt die Kammer außen vor, aber die Gesellschafter Land und Stadt sollten in den nächsten Jahren rund 25 Millionen Euro an Investitionen stemmen.
Baustelle 1: Infrastruktur
Die Messe Dornbirn muss dringend in die Hallen investieren, die rund ums Jahr nur wenige Wochen für Messen genutzt werden. Die Gebäude auf dem Messegelände beherbergen Schul- und Trainingsräume sowie eine Eishalle. In den Hallen finden Konzerte und Eishockeyspiele statt. Aufsichtsratsmitglied Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein: „Eigentlich ist die Messegesellschaft eine Veranstaltungsfirma, die halt auch einige Messen im Programm hat.“ Die Infrastruktur dient nicht den Messen, sondern dem Ganzjahresbetrieb.
Baustelle 2: Einnahmen
Trotz eines Umsatzplus schreibt die Messegesellschaft auch heuer rote Zahlen. Heute werden die wenigen Gesellschafter, die erscheinen, ein Minus von rund 1,8 Millionen Euro absegnen. Gleich viel wie im vergangenen Jahr. Dass die Rentabilität eine vernachlässigbare Größe ist, wird nicht von allen Gesellschaftern so entspannt gesehen wie vom scheidenden Geschäftsführer.
Baustelle 3: Besucher
Immer weniger Menschen besuchen die Messe. Knapp über 72.800 Menschen besuchten die Frühjahrsmesse, die in dieser Form letztmals stattgefunden hat. Dafür, so die Messe, seien Aussteller und Besucher überdurchschnittlich zufrieden gewesen. Im Jahr zuvor besuchten noch gut 75.000 Menschen die Messe. Die Technologiemesse „InterTech“ wurde von lediglich 4500 Interessierten besucht – pro Aussteller und Tag sind das gezählte zehn Besucher. Zu wenig, um für neue Aussteller attraktiv zu sein.
Baustelle 4: Die Messen
Dietmar Stefani habe gute Arbeit geleistet, da sind sich die Aufsichtsräte einig. „Doch wenn man glaubt, über den Status einer lokalen Messe hinauszukommen, würde man sich anlügen“, so Wirtschaftskammer-Präsident Manfred Rein. Die Auswahl der neuen Messen tut nichts dazu, sich international zu etablieren. Hochzeitsmessen, Kinder- und Lifestyle-Ausstellungen werden auch von privaten Anbietern bereits seit Jahren im Land durchgeführt, ein Befreiungsschlag ist von neuen Formaten wie der „Gustav“ nicht zu erwarten. Ein Experiment mit ungewissem Ausgang auch die Zweiteilung der Frühjahrsmesse. Die „Art Bodensee“ erhält mit neuem Konzept eine letzte Chance. Sie steht aber auf der „kritischen Liste“ einiger Aufsichtsräte.
Baustelle 5: Geschäftsführer
Bei der heutige Generalversammlung wird die Position des Geschäftsführers noch nicht zur Debatte stehen, so Aufsichtsratschef Otto Mäser. Doch Fachleute werden sich hüten, sich für den Job zu bewerben. Die Ziele sind abgesteckt, es gilt die in den letzten Jahren von Dietmar Stefani entwickelte Strategie umzusetzten. Und bis zur Herbstmesse ist der jetzige Geschäftsführer Stefani auch noch an Bord.