Über Ursache und Wirkung
Die Bürger mahnen bei den Parteien eine ehrliche Politik ein, sie fordern von den Volksvertretern Klartext statt Wahlkampf-Geschwätz. Vielleicht deshalb hat sich die Volkspartei just jetzt vor den Wahlen des Themas „Pensionsalter für Frauen“ angenommen. Denn das ist wahr: Die Pension ist ein heißes Eisen, das bei kommenden Generationen für fürchterliche Wunden sorgen wird, wenn jetzt nicht endlich präventiv eingegriffen wird. Und dabei geht es noch gar nicht darum, die Geschlechterfrage zu klären, sondern schlicht und einfach um die langfristige Finanzierung der Alterssicherung.
Mit der Forderung nach der Erhöhung des Pensionsalters für Frauen hat die Volkspartei zwar die Themenführerschaft übernommen, aber keine Stimme gewonnen. Denn auch wenn die Frauen beim Pensionsalter schon 2014 endlich gleichberechtigt wären, fehlt ihnen doch das Wichtigste zur Umsetzung der ÖVP-Idee: Der entsprechende Arbeitsplatz. „Für Frauen über 50 gibt es keine Arbeitsplätze“, erzählt einer der höchsten Vertreter der Vorarlberger Wirtschaft, der selbst versucht hat, für eine Frau in diesem Alter einen Arbeitsplatz zu finden – vergebens. In keiner Branche, in keinem Unternehmen wurde er fündig.
Dass Unternehmen sich davor scheuen, Arbeit suchenden älteren Menschen eine Chance zu geben, hat verschiedene Gründe: Es ist aufwendig und teuer, neu eintretende Mitarbeiter anzulernen. Je länger jemand im Arbeitsprozess bleiben kann, desto eher amortisieren sich die Ausbildungskosten. Frauen gehen derzeit mit rund 57 Jahren in Pension. Man kann es den Unternehmen nicht verübeln, dass sie auf jüngere Arbeitsuchende zurückgreifen. Das hat nichts mit Profitgier zu tun, auch wenn diese bei Arbeitnehmervertretern, Frauenbeauftragten und anderen Politikern immer wieder herhalten muss, um die Arbeitslosigkeit älterer Frauen zu rechtfertigen. Unternehmen müssen einfach wirtschaftlich geführt werden.
Firmen, die Frauen und Männer der Generation 50plus einstellen, zahlen dabei drauf. Bei Entlassungen gelten schärfere Regeln, die Bezahlung ist höher als bei jungen Neueinsteigern. Bevor also die Erhöhung des Pensionsalters für Frauen angedacht wird, müssen sich die Rahmenbedingungen ändern. Ursache und Wirkung sollten auch bei politischen Vorschlägen verpflichtend geprüft werden, denn die Ideen sollten sich auch umsetzen lassen. Was nützt die grundsätzlich notwendige Diskussion, wenn schlussendlich nichts dabei herauskommt. Der hoffentlich ehrliche Ansatz der ÖVP ist zu begrüßen. Probleme werden aber damit nicht gelöst.
andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862
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