„Es sind viele Dinge, die das Bauen teuer machen“

Markt / 25.07.2013 • 21:20 Uhr
Wohnraum wird immer teurer. Einfamilienhäuser ohne vorhandenes Grundstück für die meisten Vorarlberger unleistbar. Foto: VN
Wohnraum wird immer teurer. Einfamilienhäuser ohne vorhandenes Grundstück für die meisten Vorarlberger unleistbar. Foto: VN

Gutachten, Normen, Vorschriften. Der Wohnbau wird durch viele Faktoren teuer.

Schwarzach. „Wenn eine mittelständische Familie nicht mehr in der Lage ist, sich eine passende Wohnung zu leisten, dann läuft was schief“, sagt Wolfgang Amann vom Wiener Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen, und er unterstreicht: „In Vorarlberg läuft etwas schief.“ Leistbares Wohnen wird immer mehr zu einem Thema für den soliden Mittelstand. „Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft Vogewosi konzentriert sich auf die einkommensschwachen Familien. Dabei kommen die Familien mit mittleren Einkommen immer mehr in Bedrängnis.“ Eine Beobachtung, die auch Jeannot Fink vom Bregenzer Wohnimmobilien-Spezialisten Atrium macht. „Ein Ehepaar, beide mit guter Ausbildung und guten Arbeitsstellen, kann nur noch schwer eine Wohnung finanzieren.“ Wenn man kein eigenes Grundstück habe, so der aus Koblach stammende Institutsleiter Amann und Immobilienentwickler Fink unisono, sei Bauen für weite Teile der Bevölkerung nicht mehr leistbar.

Berater, Gesetze, Normen

Die Vorschriften zur Energieeffizienz sind aber beileibe nicht die einzigen Kos­tentreiber, das wäre zu kurz gegriffen: Fink, der für die Wirtschaftskammer an den Gesprächen zur Wohnbauförderung teilnimmt, betont: „Es sind viele Mosaiksteine, die das Bauen teuer machen.“ Gutachter sonder Zahl seien heute in ein Bauvorhaben involviert, angefangen vom Gestaltungsbeirat bis zum Energieberater, die Honorare für ihre Dienste wollen. In jeder Gemeinde, berichtet er aus Erfahrung, sind mehrere Ausschüsse mit jedem Projekt beschäftigt und haben Wünsche an die Bauherren. Die österreichische Bautechnikverordnung habe zu einem riesigen Kostenschub geführt. Und entgegen der Intention, so Fink, sei eine österreichweite Regelung weiter entfernt als je zuvor. „In jedem Bundesland gelten andere Vorschriften. Vorarlberg hat die Verordnung eingeführt, aber auch mit Ausnahmen“, berichtet er.

Es muss was passieren

Jeannot Fink nennt auch konkrete Beispiele: Nassräume müssen beispielsweise zu 100 Prozent perfekt abgedichtet werden, was zwischen 1000 und 2000 Euro Mehrkosten verursacht. „Es tropft dann nicht in eine andere Wohnung. Ob das Wasser durch den Gang rinnt, ist allerdings egal.“ Massive Mehrkosten entstehen auch durch die Hygienevorschriften. Die waren in der ersten Fassung auf öffentliche Gebäude beschränkt, um die Legionellengefahr einzudämmen. „In der zweiten Fassung war die Vorschrift auf den Wohnbau ausgedehnt.“ Und solche Beispiele gibt es noch viele: Stellplatzverordnung, Fahrradräume, Geschoss­höhe, Deponieabgabe, Bau­bemessung, Naturschutzabgabe …

Fink und Amann sind überzeugt, dass was passieren muss: „Ein Schulterschluss aller Beteiligten ist notwendig, um den Wohnbau wieder leistbar zu machen.“

Leistbarer Wohnraum ist in Vorarlberg ein brennendes Thema.

Wolfgang Amann

Zehn Gründe für Nullenergie-Gebäude

Nullenergie kostet. Aber es gibt natürlich auch etliche Argumente für ein Nullenergie- oder Fast-Nullenergie-Gebäude. Die VN bat das Energieinstitut Vorarlberg um Auskunft:

1. EU schreibt für Neubauten ab 2020 Fast-Nullenergiegebäude im Neubau vor.

2. Es muss viel CO2 eingespart werden, um den Klimawandel zu verlangsamen. Gesamt sind das 80% bis 2050, um das 2-Grad-Erwärmungsziel nicht zu überschreiten. 30% davon können Gebäude beisteuern.

3. Es ist allemal intelligenter, den Verbrauch zu reduzieren, als aufwendig erneuerbare Energie bereitzustellen.

4. Null/Fast-Nullenergiegebäude sind heute technisch mit Standardtechnologie möglich.

5. Null/Fast-Nullenergiegebäude können in fast allen Baustilen errichtet werden.

6. Null/Fast-Nullenergiegebäude bieten den gleichen oder großen Komfort.

7. Heizen ist unnötige Energieaufwendung, wenn ein Gebäude nicht auskühlt.

8. Null/Fast-Nullenergiegebäude bieten Krisensicherheit bei Energieversorgung.

9. Die Ideen im Bauen bieten innovativen Firmen neue Geschäftsfelder.

10. Bei der langen Lebenszeit eines Gebäudes sollte daher bereits zu Beginn neueste Technologie eingesetzt werden.