Baunutzungszahl erhöhen

Die Analyse zum Vorarlberger Wohnbau in den gestrigen VN sorgt für heftige Diskussionen.
Schwarzach. Die Schlussfolgerungen, die der aus Vorarlberg stammende Leiter des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen aus seinen österreichweiten Untersuchungen zum Thema Wohnbau gezogen hat, sorgten für politische und fachliche Reaktionen. Die Vorarlberger Bauwirtschaft sieht sich, so Bau-Geschäftsführer Thomas Peter, in ihrer Kritik an den Vorgaben und Vorschriften bestätigt. Auch die Forderung nach einer höheren Baunutzung, die zuvor schon von Jeannot Fink im Namen der Bauwirtschaft erhoben wurde, unterstrich Amann in seinem Gespräch mit den VN.
Höhere Baunutzungszahl
Die Forderung des Immobilienexperten nach Steuern für „blockiertes“ Bauland wird von den Grünen unterstützt. Klubobmann Johannes Rauch: „Seine Forderungen decken sich vollinhaltlich mit den Vorschlägen, die wir zur Bekämpfung der Baulandhortung gemacht haben: Höhere Steuern für gewidmete, aber nicht genutzte Grundstücke.“ Auch die Forderung nach höheren Baunutzungszahlen, so Rauch, werde von den Grünen unterstützt. Er hofft, dass im Herbst bei Gesprächen mit den anderen Parteien „endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden“.
Eine fundierte Untersuchung will Rauch, was die hohen Preise im Wohnbau betrifft: „Schaut man über die Grenze, müssen wir uns fragen, wieso die Anreize, die wir über die Wohnbauförderung geben, statt zu einer Verbilligung des Wohnraums zu einer „automatischen“ Verteuerung der Bauteile und Gewerke führt. Hier wäre eine fundierte Untersuchung dringend angebracht.“
Eine Evaluierung aller Kosten, die dazu führen, dass in Vorarlberg das durchschnittliche Häuschen 310.000 Euro kostet und in Kärnten für ein ebensolches Haus nur 180.000 Euro bezahlt wird, wird von Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer im sozialpartnerlichen Einklang verlangt und soll, so Landeshauptmann Markus Wallner gegenüber den VN, auch erfolgen. Die Wohnbauförderung werde überhaupt vereinfacht, „die Menschen sollen auf einen Blick sehen, was sie bekommen“, kündigt der Landeshauptmann an. Ob dadurch auch für Entspannung in den Geldbörsen der Wohnungskäufer beziehungsweise Häuslebauer gesorgt ist, ist indes noch nicht ausgesprochen.
Lukrative Anlagemöglichkeit
Anderer Meinung als seine grünen Partner ist übrigens „Emsigen“-Chef und Hohenemser Wohnungsvergabe-Stadtrat Bernhard Amann, der dem Immobilienexperten und Namensvetter Wolfgang Amann „bürgerfeindlichen Neoliberalismus, der die Wohnungspekulation anheizen und den überschüssigen privaten Vermögen lukrative Anlagemöglichkeiten geben soll“, unterstellt. Und auch die Forderung nach einer höheren Verdichtung sieht der streitbare Hohenemser als Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen, wiewohl er die selben Motive für sich in Anspruch nimmt. „Die Verdichtung zentraler Siedlungsbereiche ist etwas ganz anderes. Damit wird mehr Energie gespart, als es alle Passivhausstandards zusammen tun können. Denn der Hauptaufwand an Energie und Ressourcenverbrauch sind nicht Heizung und Beleuchtung, sondern der Mobilitäts- und Infrastrukturaufwand für ein zersiedeltes Land“, sagt auch der „Emsige“.
In einem ist er mit seinem grünen Partner völlig uneins. Während Johannes Rauch dem Immobilienexperten in seinem Vorschlag beipflichtet, „dass die Kompetenzen der Bürgermeister bei Bau- und Widmungsfragen beschnitten gehören“ zugunsten der Bezirkshauptleute, interpretiert der Wohnungsstadtrat diese Forderung völlig anders: „Damit verlangt der Experte nichts Geringeres als die Abschaffung der kommunalen Demokratie. Ein nicht gewählter Bezirkshauptmann soll statt gewählter Mandatare zuständig sein.“
Dass die Baukosten heruntergeschraubt werden müssen, darüber herrscht Einigkeit über alle Ideologie hinweg. AK, WKÖ, Grüne, Emsige und Wallner wollen die Preise senken.