So wird das Wohnen günstiger

Damit der Traum Wirklichkeit wird: Land dreht an der Wohnbau-Kostenschraube. Foto: Fotolia
Durch ein Bündel von Maßnahmen soll Wohnen günstiger werden, sagt LSth. Rüdisser.
Schwarzach. Eigentlich sei das Wohnen gar nicht viel teurer geworden in den letzten Jahren, stellt Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser fest und belegt seine Ansicht anhand von Zahlen. Allerdings war Wohnen auch vor zwei Jahren schon teuer in Vorarlberg. Genau genommen ist Vorarlberg das drittteuerste Bundesland nach Wien und Salzburg, wenn es ums Wohnen geht. Pro Quadratmeter zahlen die Vorarlberger 6,02 Euro für das Zuhause, in Salzburg sind es 6,62 Euro. Im Durchschnitt wendet die Vorarlberger Familie 26 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen auf. Wenn der Landesstatthalter Sprechstunde hält, dann ist Wohnen das beherrschende Thema. „90 Prozent der Bürger haben ein Anliegen in Sachen Wohnen und Bauen“, erzählt Rüdisser aus seiner politischen Praxis.
Aus diesen Bürgergesprächen weiß er, dass Handlungsbedarf herrscht. Schon vor Monaten hat er anlässlich der Verleihung des Holzbaupreises angekündigt, dass überzogene Vorschriften und Vorgaben zurückgestutzt werden sollen. Und daran arbeitet derzeit ein Expertenteam aus der Wirtschaft zusammen mit Landesbeamten. „Wir gehen die technischen Bestimmungen Punkt für Punkt durch, um die wirklichen Kostentreiber zu eruieren.“ Eine Sisyphusarbeit, die aber echte Ersparnisse bringen wird. Beispiele gibt es schon jetzt: „Wir brauchen nicht für jede zweistöckige Kleinwohnanlage einen barrierefreien Zugang. Das sollen die künftigen Bewohner entscheiden.“ Und auch die Verpflichtung zur Ausstattung von Tiefgaragen egal welcher Größe mit einer technischen Belüftung wurde als Kostentreiber ausgemacht. 15.000 Euro kostet, was früher gar nichts kostete, weil man einfach den Durchzug nutzte. „Muss nicht sein, spart Kosten“, so der Wohnbau-Landesrat.
Ein Thema ist die höhere Baunutzungszahl, die er voll und ganz befürworte, weil es keine Frage sei, dass dadurch die Kosten niedriger werden. Übertreiben soll man es allerdings nicht. In einem dörflichen Umfeld müsse man Rücksicht auf die Umgebung nehmen.
Entschlackte Förderung
Die Wohnbauförderung ist ein Kernstück für günstigeren Wohnbau. Sie soll radikal entschlackt werden, derzeit laufen die Gespräche, im Herbst gibt es die neuen Richtlinien. „Es wird einen Basisfördersatz geben und dazu entsprechende Zuschläge für die Familiensituation oder das Maß der Verdichtung. Auch bei den Energiekosten wird an der Förderschraube gedreht. „Primärenergieverbrauch, CO2-Ausstoß und Heizwärmebedarf sind künftig die Parameter bei der Förderung“, verspricht Rüdisser. Und die Grundstufe der Förderung soll „vernünftiges Bauen“ ermöglichen. Motto: „Ambitioniert, aber leistbar.“
Als weitere wichtige Maßnahme wird der gemeinnützige Wohnbau in den nächsten Jahren ordentlich Wohnungen schaffen. „Statt derzeit rund 300 werden wir in den nächsten Jahren jährlich 500 Wohnungen bauen“, das sei bereits paktiert. Vor allem im ländlichen Raum werden dann genug Wohnungen für junge Familien zur Verfügung stehen, ist er sicher. „Die Mieter können die Zeit in der günstigen Wohnung nutzen, um Geld für den Traum vom Eigenheim anzusparen“, so die politische Strategie, „die es möglich machen sollte, dass sich die Vorarlberger auch in Zukunft ein eigenes Heim errichten können.“
Mit diesen Maßnahmen sollte es möglich sein, dass Familien Wohneigentum erwerben können.
LSTh. Karlheinz Rüdisser
Maßnahmen-Paket
» Bautechnische Vorschriften
Ein Expertenteam forstet derzeit alle Vorschriften und Normen auf ihre Sinnhaftigkeit durch. Es gibt bereits erste Maßnahmen, die umgesetzt werden. Erhöhung der Baunutzungszahlen. Ergebnisse im Herbst.
» Änderung Wohnbauförderungsrichtlinien
Vereinfachung – Basisfördersatz plus Zuschläge, z. B. je nach Familiensituation, dem Maß der Verdichtung, dem Energieverbrauch. Wohnbauförderung neu wird im Herbst präsentiert.
» Forcierung des gemeinnützigen Wohnbaus
Jährlich sollen 500 neue Wohnungen entstehen. Günstige Mieten sollen die „Möglichkeit bieten, für Wohneigentum Geld anzusparen“ (LSth. Rüdisser). Deckelung der Mieten. Mit den gemeinnützigen Wohnbauträgern bereits vereinbart.
» Basisforschung
In mehreren Projekten wird derzeit die Rentabilität und Sinnhaftigkeit der Energieeffizienzmaßnahmen untersucht. Die Ergebnisse werden Grundlage für künftige Fördermaßnahmen bzw. Richtlinien sein.