Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Nur am Rande von Interesse

Markt / 18.09.2013 • 22:13 Uhr

Für die Politik ist die Lehre offenbar ein Randthema. Bei allen Diskussionen ob der Bildung in Österreich war nämlich wenig bis gar nichts über die duale Ausbildung zu hören. Das Wenige, das zu hören war: Kanzler Werner Faymann besuchte einen Vorarlberger Paradebetrieb und verkündete, das Vorarlberger Lehrlingsmodell auf ganz Österreich ausweiten zu wollen. Viel Applaus bekam er dafür nicht, denn das Modell aus dem Ländle basiert auf Freiwilligkeit, und der Kanzler dachte an einen verpflichtenden Solidarbeitrag aller Betriebe, die – aus welchen Gründen auch immer – keine Lehrlinge ausbilden.

Das Geplänkel war kurz, seither herrscht Schweigen, was „Österreichs erfolgreichsten Beitrag zur Ausbildung“ betrifft. Es scheint, das bildungspolitische Stiefkind Lehre ist nur dann für Politiker attraktiv, wenn sie sich selbst ins Rampenlicht
z. B. von Berufsweltmeistern drängen können. Erst vor einer Woche dann die zweite Wortmeldung zur Ausbildung: Minister Reinhold Mitterlehner verkündete, dass Unternehmen, die einen Lehrling aus einer überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung übernehmen, dafür ab sofort einen einmaligen Bonus von 1000 Euro bekommen. Immerhin.

Doch das ist es nicht, was das Kraut fett macht: Prämien für Lehrerfolge bzw. Übernahme von Lehrlingen mögen eine nette Geste sein, doch waren sie für Betriebe nie wirklich die Motivation, um junge Menschen auszubilden. Denn qualifizierte Mitarbeiter – das ist Unternehmern im Gegensatz zu vielen Politikern wirklich bewusst – sind das wichtigste Kapital für Unternehmen. Deshalb hätten sie gerne gewusst, wie es mit der Lehre weitergeht, was man zu tun gedenkt, dass die duale Ausbildung im Konzert der Bildungsmöglichkeiten eine gleichberechtigte Rolle neben der höheren schulischen Ausbildung bekommt. Durch moderne, praxisgerechte Konzepte, aber auch durch gesellschaftliche Wertschätzung, die dringend nottut.

Die Lehre hat bei Eltern und Jugendlichen nämlich ein Akzeptanzproblem. Nicht nur das: Auch die geburtenschwachen Jahrgänge, die bereits heuer bei den Einstellungen deutlich wurden, lassen Unternehmer um den dringend nötigen Fachkräftenachwuchs bangen. Verschärft wird das Problem durch deutliche Mängel im Basiswissen der Schüler – beim Lesen, Schreiben und Rechnen. Und da wären wir wieder bei der Bildungsdebatte. Denn, das sei den Politikern ins Stammbuch geschrieben: Auch für die duale Ausbildung ist eine gute Schule Voraussetzung.

andreas.scalet@vn.vol.at, 05572/501-862