“Wir machen spannende Veränderungen mit”

Markt / 29.08.2014 • 20:53 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Helmut Schweighofer startete seine Karriere am Schenker-Standort in Vorarlberg, heute ist er in der obersten Chefetage in Wien für ganz Südosteuropa zuständig.  Fotos: VN/Steurer
Helmut Schweighofer startete seine Karriere am Schenker-Standort in Vorarlberg, heute ist er in der obersten Chefetage in Wien für ganz Südosteuropa zuständig. Fotos: VN/Steurer

Röthis. „Karriere mit Lehre“ wird oft als Schlagwort verwendet. Beim Hörbranzer Helmut Schweighofer ist der Slogan allerdings Programm und keine leere Worthülse. Er hat das Geschäft von der Pike auf gelernt. Er ist heute Vorstandsmitglied von DB Schenker Austria und für 5500 Mitarbeiter verantwortlich.

Sie waren vermutlich 15 Jahre, als Sie Ihre Ausbildung bei Schenker begannen. Haben Sie damals daran gedacht, dass Sie Jahrzehnte später in der Chefetage Ihres Unternehmens in Wien sitzen werden?

Schweighofer: Nicht ganz. Ich bin zuerst noch in die HAK gegangen, hab’ diese dann aber abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass sie mir nicht viel bringt und ich ihr auch keine Aufmerksamkeit schenke. Danach war es für mich klar, dass ich in den Bereich Spedition gehe. Dass ich in der Chefetage lande, war nicht vorhersehbar, ich konnte mir das damals auch nicht vorstellen. Mein Traumberuf war immer Lkw-Disponent. Nachdem ich aber die Lehre mit Auszeichnung bestanden hatte, habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich mich weiterbilden muss, um Karriere zu machen. Danach habe ich mich schulisch sehr engagiert und auch vom Unternehmen immer tolle Möglichkeiten bekommen, mich weiterzubilden. Ich wusste: Wenn ich Karriere machen will, muss ich aus der Komfortzone heraus.

Im Vorstand von DB Schenker Österreich sind Sie für Bahn, Luftfracht, Zoll und Messen zuständig. Was sind Ihre großen Herausforderungen?

Schweighofer: Wir befinden uns gerade in einem spannenden Veränderungsprozess, der direkten Einfluss auf die Logistik hat. Nehmen wir die Produktionsstätte Asien her. Wir haben wahnsinnige Booms hinter uns. Es hat mit dem Telefon angefangen, ging über die Handys zum Smartphone, dann kamen die Tablets. Das hat uns extrem beflügelt in der Luftfracht. Bei neuen Produktlaunches haben wir ganze Flugzeugcharters gemacht, um termingemäß die ganzen Produkte in den einzelnen Shops zu haben. Seit 2008 finden nicht mehr diese ganz tollen Innovationssprünge statt. Im Gegenteil, es wird alles immer kleiner. Früher gab’s den großen Laptop, jetzt gibt es noch ein Tablet. Die Fernseher waren früher mit der Verpackung Riesen-Trümmer, das haben wir alles befördert. Man kann sich vorstellen wie die Volumina schrumpfen. Das sind extreme Veränderungen, die auf uns wirken.

Wenn sich der Markt rapide verändert, kann man sich überhaupt langfristig strategisch auf die Zukunft vorbereiten?

Schweighofer: Davon bin ich überzeugt. Ich habe immer versucht Strategien zu entwickeln. Ich muss wissen, wovon man ausgeht und wohin sich die Dinge entwickeln, oder zumindest versuchen, es zu erahnen, wie zum Beispiel beim Kaufverhalten. Uns ist nicht so bewusst, dass sich das Kaufverhalten der Leute längst verändert hat. Wenn ich auf eine Internetseite gehe, will ich mit einem Klick bestellen. In diese Richtung geht auch unser Geschäft. Wir werden die Unternehmen dann mit entsprechenden Technologien unterstützen. Das E-Commerce macht momentan neun Prozent des Einzelhandels aus. Das hat einen großen Einfluss auf den Einzelhandel und das Kaufverhalten.

Und in weiterer Folge auf die Logistik …

Schweighofer: Genau. Im urbanen Bereich werden sich unsere Lieferketten verändern. Man wird in Zukunft vielleicht in den Laden gehen, einen Sportschuh probieren, der aber nicht mehr lagernd sein wird. Wenn wir nach Hause kommen, ist das Paket bereits zugestellt. Oder es wird intelligente Systeme geben, mit denen das Paket dorthin geliefert wird, wo ich gerade bin. Das System erkennt, wo mein Auto steht und hinterlegt das Paket im Kofferraum. Das klingt jetzt etwas fantastisch, aber technisch ist das alles heute schon umsetzbar und in diese Richtung wirds gehen.

Die Transportbranche steht unter kritischer Beobachtung der Öffentlichkeit, Lastwagen und Schiffe verursachen Emissionen, machen Lärm: Wie stellt man sich diesen Problemen?

Schweighofer: Bei uns im Firmennamen gibt es zwei Buchstaben: DB. Wir achten immer darauf, lange Strecken möglichst mit der Bahn zu machen, das ist auch umweltfreundlicher. Die Umweltbilanz der einzelnen Unternehmen verbessert sich sehr stark. Das gelingt uns immer besser. Die Bahn wird auch immer flexibler. Das hängt mit der Containerisierung zusammen. Diese Büchse gibt es zwar schon lange, aber die Systeme, die Bereitschaft dafür ändern sich.

Wie beobachtet man von Wien aus die Entwicklung des Güterbahnhofs Wolfurt?

Schweighofer: Der Ausbau ist für die hier ansässigen Exporteure extrem wichtig. Da geht es genau darum, dass sie mit der Bahn mit intermodalen Lösungen an die Häfen gelangen. Der Lkw ist gut für die kurzen Strecken. Die langen Wege sollte aber die Bahn erledigen.

Beobachten Sie Ihren ersten Arbeitsplatz in Vorarlberg, wie sind Sie mit dem Standort zufrieden?

Schweighofer: Ich bin durchaus zufrieden. Aber man darf nie zu zufrieden sein. Wir haben in Vorarlberg noch sehr viel Potenzial, auch was den Standort betrifft. Ich bin auch der Meinung und überzeugt, dass im Bereich Outsourcing, Logistik-Dienstleistung, Warehousing, Distribution in Vorarlberg noch vieles möglich ist und so für uns ein interessanter Markt werden wird. Weil Unternehmen sich immer mehr auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und die Logistik einem Spezialisten geben, der dann auf die saisonbedingten Volumensunterschiede eingeht. Wenn ich mir den Marktanteil in Vorarlberg anschaue im Vergleich mit anderen Regionen, dann hat Vorarlberg noch Potenzial.

Fernseher und Computer werden immer kleiner. Das hat auf uns enorme Auswirkungen.

Im Gespräch - Schweighöfer DB Schenker Röthis Wirtschaftspark
Im Gespräch – Schweighöfer DB Schenker Röthis Wirtschaftspark
Im Gespräch - Schweighöfer DB Schenker Röthis Wirtschaftspark
Im Gespräch – Schweighöfer DB Schenker Röthis Wirtschaftspark

Kennzahlen

DB Schenker international

von Gottfried Schenker 1872 in Wien gegründet

» 95.000 Mitarbeiter

» 2000 Standorte

DB Schenker Österreich & Südosteuropa

» 5500 Mitarbeiter

» 1,4 Mrd. Euro Umsatz

» 80 Mitarbeiter in Vorarlberg

Zur Person

Helmut Schweighofer

seit 2013 Mitglied des Vorstand im Headoffice für Südosteuropa in Wien

Geboren: 17. Jänner 1969

Ausbildung: Ausbildung zum Speditionskaufmann, Studienberechtigungsprüfung am Studienzentrum Bregenz, Studium Internationale Unternehmensführung an der FH Vorarlberg

Laufbahn: Auslandsaufenthalt Schenker Ltd London (96/97), Prokurist für die Geschäftsstelle Vorarlberg (1998-2007), Landesleiter für Bulgarien (2008-2012)

Familie: verheiratet, zwei Kinder

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