„Der bestehende Kunde steht im Vordergrund“

17.04.2015 • 17:22 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Jürgen Wiesenegger ist Geschäftsführer von Scheyer Verpackungstechnik. Stolz ist er vor allem auf seine kompetenten, verantwortungsbewussten Mitarbeiter.  Fotos: VN/Paulitsch
Jürgen Wiesenegger ist Geschäftsführer von Scheyer Verpackungstechnik. Stolz ist er vor allem auf seine kompetenten, verantwortungsbewussten Mitarbeiter. Fotos: VN/Paulitsch

Klaus. Jürgen Wiesenegger ist Geschäftsführer von Scheyer Verpackungstechnik. Im Interview spricht er über Kundenvertrauen, Rohstoffknappheit und wieso eine gute Verpackung für weniger Lebenmittelabfälle sorgt.

Wie schaffen Sie es trotz großer Konkurrenz, stetig zu wachsen?

Wiesenegger: Wir haben das Wachstum in kleinen Schritten, aber es ist ein hartes Brot. Man braucht gute Leute, muss fleißig sein. Im Bereich Lebensmittelverpackung ist es eine starke Vertrauensfrage. Neukunden-Akquisition dauert bei uns zwölf Monate. Das Problem mit dem Hochpreisstandort Vorarlberg ist, dass auf den ersten Blick alle Wettbewerber gleich sind. Alle sind gut und flexibel. Was schwarz auf weiß steht, ist aber der Preis und dort muss man vermitteln, dass der Kunde neben dem Preis mit dem gesamten Dienstleistungspaket das Bessere kauft. Qualität zu wählen, ist die intelligenteste Form, Kosten zu senken. Die Kunden wollen ja nicht billiger einkaufen, sondern mehr verdienen. Und das können sie, wenn man eine gute Verpackung hat und die Produktion störungsfrei läuft. Das schätzen unsere Kunden.

Macht es die Tatsache, dass Sie im sensiblen Nahrungsmittelbereich tätig sind, einfacher, langfristige Kundenbeziehungen aufzubauen?

Wiesenegger: In den Bereichen Nahrungsmittel oder Pharma wird am meisten Kompetenz und Vertrauen vorausgesetzt und man wird nicht so schnell ersetzt. Denn wenn unsere Verpackung nicht läuft, kann der Kunde aufhören, zu produzieren. Unser Problem ist nicht, Kunden zu halten, sondern neue Kunden zu gewinnen. Wenn einmal jemand mit uns zusammenarbeitet, haben wir in der Regel langjährige Partnerschaften, teilweise seit Jahrzehnten. Mit manchen rede ich schon seit 15 Jahren. Wir sind natürlich auch auf die Qualitätsansprüche der Kunden angewiesen. Sie müssen uns fordern. Das bringt uns weiter und so wachsen wir mit ihnen mit.

Dann kommen die Kunden auf Sie zu, wenn sie eine neue Verpackung brauchen?

Wiesenegger: Üblicherweise weiß der Kunde, was er für eine Verpackungsart will. Es gibt natürlich Innovationen. Die Deckelfolien waren früher zum Beispiel fest verschlossen. Heute sind sie wiederverschließbar, abziehbar und haben Mikrowellenventile eingelasert. Es geht immer um die Anforderung an das Produkt, wovor es geschützt werden soll. Das Marketing will dann eine gewisse Haptik und Optik und der Maschinenführer muss es auf seiner Anlage verpacken können. Wir müssen den Spagat schaffen, aber das ist gleichzeitig auch unsere Kompetenz.

Vielfach wird kritisiert, dass es zu viel Verpackung gibt. Wie reagieren Sie darauf?

Wiesenegger: Es gibt eine aktuelle Studie der ARA (Altstoff Recycling Austria), die belegt, dass Verpackung die Umwelt schont. Das klingt zwar auf den ersten Blick komisch, aber die Lebensmittelverpackung schützt ein Lebensmittel. In der EU werden jedes Jahr eine Million Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Und wenn wir es schaffen, dieses wertvolle Gut, das viel Energie und Ressourcen braucht, so zu schützen, dass es länger haltbar ist und daher weniger weggeworfen wird, rechnet sich der Mehraufwand, der für die Verpackung notwendig ist, in der Gesamt-Ökobilanz um ein Vielfaches. Das haben mittlerweile auch die Industrie, unsere Kunden und die Lebensmitteleinzelhändler erkannt.

Wie flexibel müssen Sie in der Belieferung Ihrer Kunden sein?

Wiesenegger: Unsere oberste Prämisse ist es, dass der Kunde nie „out of stock“ ist, also immer genügend Folie vorrätig hat. Die Rohstoffsituation ist aber zurzeit nicht einfach. Die Kunststoffgranulathersteller haben Engpässe. Das bedingt, dass wir, damit unserem Kunden die Ware nicht ausgeht, beispielsweise bei einem Auftrag von 500.000 Laufmeter erstmals einen Teil davon machen, damit er zumindest vier Wochen eine Ruhe hat. Das sind dann zwei Fertigungen und die Kosten tragen wir, aber das gehört dazu. Der bestehende Kunde steht immer im Vordergrund gegenüber dem Neukunden. Dabei ist Neukunden-Akquisition gerade nicht so schwierig. Das darf aber nie zu Lasten langjähriger Partner gehen.

Kürzlich wurde die neue Produktionshalle in Betrieb genommen. Ist damit Platz für die künftige Entwicklung?

Wiesenegger: Zuerst platzen wir aus allen Nähten und dann baut man eine Produktionshalle, die doppelt so groß ist wie man sie aktuell braucht. Quasi eine Art Befreiuungsschlag. Die Halle ist jetzt halb voll und hat noch für weitere vier Maschinen Platz, also für die nächsten fünf Jahre.

Wie klappt die Zusammenarbeit innerhalb der Familie?

Wiesenegger: Das funktioniert sehr gut. Gegründet hat die Firma mein Opa Otto Scheyer. Nach seinem frühen Tod hat meine Mutter übernommen und das Unternehmen groß gemacht. Jetzt macht mein Bruder Gert den Vertrieb in Deutschland und ich die Geschäftsführung, Technik und Personal. Unsere Mutter steht uns beratend zur Seite, oder wenn es eine Weihnachtsfeier oder ein Grillfest zu organisieren gilt.

Wenn ein Kunde bei uns bestellt, weiß er, er bekommt es zur richtigen Zeit in der richtigen Qualität.

Jürgen Wiesenegger mit einem Beispiel einer Verpackungsfolie.
Jürgen Wiesenegger mit einem Beispiel einer Verpackungsfolie.

Kennzahlen

Scheyer Verpackungstechnik

» Gegründet: 1950

» Umsatz 2014: 34 Mill. Euro

» Mitarbeiter: 110

» Geschäftsführung: Jürgen Wiesenegger, Knut Schaper, Ingrid Wiesenegger

» Im Besitz der Wiesenegger GmbH: Arndt Wiesenegger (Anteil: 30 %), Gert Wiesenegger (30 %), Ingrid Wiesenegger (10 %), Jürgen Wiesenegger (30 %)

Zur Person

Jürgen Wiesenegger

Geschäftsführer der Scheyer Verpackungstechnik GmbH in Klaus

Geboren: 01. 4. 1968

Ausbildung: Volksschule, Gymnasium Mehrerau, Beginn des Studiums Elektrotechnik in Graz („war mir aber dann doch zu technisch“), HAK-Kolleg und parallel Lehre bei Scheyer als Elektromechaniker

Laufbahn: verschiedene Stationen bei Scheyer (u.a Ersatzteile, Einkauf, Vertrieb), Geschäftsführer

Familie: verheiratet, drei Kinder