Blauer Brief für Hoteliers

Markt / 21.08.2015 • 19:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Zimmer frei“ an der Straße auszuweisen genügt im Tourismus nicht mehr, aber mangelhafte Einschaltungen können teuer werden.  DPa
„Zimmer frei“ an der Straße auszuweisen genügt im Tourismus nicht mehr, aber mangelhafte Einschaltungen können teuer werden. DPa

Deutscher Wettbewerbs-Verband klagt Hoteliers und Pensionen in Österreich.

Schwarzach. (VN-gms) Seit Jahrzehnten stellen die deutschen Gäste den Großteil der Buchungen in Vorarlberg. Egal ob Sommer oder Winter, auf unsere nördlichen Nachbarn ist Verlass. Zunehmend betrifft die Gastgeber aber auch eine Ärgernis, das in Deutschland schon lange um sich greift: Abmahnungen wegen unlauteren Wettbewerbs treffen immer mehr Tourismusbetriebe.

Zuletzt bekamen viele Hotels und Pensionen in Österreich Post vom Berliner „Verband Sozialer Wettbewerb“. Der Inhalt ist für die Nächtigungsbetriebe unerfreulich. Denn auf mehreren Seiten wird penibel und mit deutscher Gründlichkeit aufgelistet, welche Verfehlungen gegen das deutsche Wettbewerbsrecht man sich zuschulden kommen ließ. „Die meisten Vergehen gehen auf die Verwendung eines nicht exakten Firmenwortlautes zurück“, erklärt der Lecher Hotelier und ÖHV-Präsident Gregor Hoch (37). Es reicht nämlich nicht, mit Hotelnamen und Ortsangabe zu werben, der Wortlaut aus dem Firmenbuch muss exakt wiedergegeben werden. Denn wer im Ausland wirbt, muss sich an die gesetzlichen Bestimmungen des Ziellandes halten. Allfällige Urteile werden in Österreich vollstreckt. Im Anschluss an die Auflistung folgt die Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Für den Recherche-Aufwand stellt der „Verband Sozialer Wettbewerb“ eine Rechnung aus. „Dabei geht man sehr harsch vor und droht schnell mit Klagen“, bemerkt Hoch, stellt aber auch klar:„Der Verein bewegt sich dabei im gesetzlichen Rahmen.“
Ein Detail sorgt für Verwunderung in der Branche: Beim „Verband Sozialer Wettbewerb“ sind neben vielen anderen Unternehmen auch mehrere namhafte Online-Reisebüros Mitglieder. Diese könnten davon profitieren, wenn sich Betriebe vom Direktvertrieb am deutschen Markt zurückziehen und stattdessen noch stärker auf die großen Plattformen setzen würden, spekulieren Brancheninsider.

Beim „Verband Sozialer Wettbewerb“ zeigt man sich verwundert über die Verärgerung der österreichischen Betriebe. Die Pflichtangaben seien bereits seit sieben Jahren festgelegt. Es handle sich um keine reine Formalie, sondern um wichtige Angaben, an die man sich eben zu halten habe, heißt es aus dem Berliner Büro des Vereins. Es handle sich auch keinesfalls um eine Maßnahme gegen österreichische Betriebe, man habe auch gegenüber deutschen Hotels und Pensionen gleiche Schritte gesetzt.

Reaktion wichtig

Als Betroffener sollte man diese Briefe auf jeden Fall ernst nehmen, um teure Verfahren zu vermeiden, denn die Chancen bei einem Verfahren sind angesichts der klaren Faktenlage äußerst gering. ÖHV-Präsident Hoch rät aber auf jeden Fall, die Unterlassungserklärung zu überprüfen, bevor man sie unterschreibt, um zu vermeiden, dass der Betrieb zu weitgehende oder ungerechtfertigte Klauseln annimmt.

Ansonsten sollte jeder Betrieb, der in Deutschland wirbt, sicherstellen, dass die Werbung auch rechtskonform ist, das vermeidet den späteren Ärger. Zu beachten ist, dass dies nicht nur für Print-Inserate gilt, auch wer per SMS, Newsletter oder Online deutsche Kunden wirbt, ist betroffen. Es reicht im Übrigen nicht aus, auf eine Homepage zu verweisen, auf der der volle Firmenname angegeben ist, wie der „Verband Sozialer Wettbewerb“ ebenfalls festgehalten wissen will. Diese Vorschriften gelten im Übrigen auch für andere Branchen. Denn die deutschen Abmahnanwälte und Vereine wie der „Verband Sozialer Wettbewerb“ werden auch in Zukunft nicht untätig sein.

Man geht harsch vor und droht schnell mit Klagen.

Gregor Hoch, ÖHV-Präsident

Information für Tourismus­betriebe: http://VOL.AT/su37ps