„Eine neue Zeitrechnung für die duale Ausbildung im Land“

27.09.2015 • 17:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zielrichtung ist klar: Wallner erwartet sich für die duale Ausbildung eine gemeinsame Perspektive. Foto: Mathis

Zielrichtung ist klar: Wallner erwartet sich für die duale Ausbildung eine gemeinsame Perspektive. Foto: Mathis

Heute, Montag, um neun Uhr treffen sich die Sozialpartner zum Lehrlingsgipfel.

Bregenz. Die duale Ausbildung und Vorarlberg – das gehört zusammen. Noch. Denn in den vergangenen Jahren entschieden sich immer weniger Jugendliche für eine Lehre. Daran mag die demografische Entwicklung ihren Anteil haben, aber nicht nur. „Der Rückgang bei den Lehrstellen ist höher, als es demografisch zu erklären wäre“, sagt Egon Blum (75), der Lehrlingsexperte in Österreich. Und er ist es auch, der zum Start des Gipfels den Status quo der Lehre analysiert und seine Ideen für die Zukunft der dualen Ausbildung vorstellt. Darüber diskutieren dann die Spitzen von Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, von Gewerkschaft und Industriellenvereinigung sowie die Verantwortlichen von Arbeitsmarktservice (AMS) und Landesregierung.

Gemeinsames Ziel

Für Landeshauptmann Markus Wallner (48) gibt es bereits im Vorfeld ein Ziel: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen, um die hohe Lehrlingsquote zu halten. Unsere Wirtschaft braucht gut qualifizierte Fachkräfte und die Jugend éine gute Ausbildung.“ Die Lehre sei ein Vorarlberger Erfolgsmodell, und damit das so bleibe, habe er die Initiative zu diesem Gespräch ergriffen. Er verstehe das heutige Gespräch als Auftakt zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Lehre und erwarte sich deutliche Impulse, erklärt Wallner gegenüber den VN.

Offene Diskussion

Die erwartet sich auch Blum. „Wenn wir Übereinstimmung bei den Kernthemen errreichen und uns auf eine klare Umsetzungsstrategie einigen, dann wird eine neue Zeitrechnung für die duale Ausbildung beginnen“, ist sich der ehemalige Regierungsbeauftragte sicher. Bei den Kernthemen sind sich Wallner und Blum einig. „Wir werden offen über eine Zwischenprüfung zur Hälfte der Lehrzeit diskutieren“, sagt der Landeshauptmann. Ob es wieder einen Bonus für gut ausbildende Betriebe gibt, steht dabei auch zur Debatte. „Ein sehr gutes Beispiel ist die VEM, die seit vielen Jahren eine solche Prüfung durchführt und auch honoriert.“ Die Eigeninitiative der Elektro- und Metallindustrie sei der „Mercedes unter den Modellen“ und ein Beispiel dafür, dass die Wirtschaft für diese Qualitätssicherung auch selbst Geld in die Hand nimmt. Wie und ob das funktionieren könne, müsse man aber von Branche zu Branche eigens beurteilen.

Unterstützung für Kleine

Wichtiges Thema ist am heutigen Vormittag auch die Unterstützung der kleineren Ausbildungsbetriebe. Sogenannte Lehrstellenberater sollen den Unternehmen zur Seite stehen und allfällige Defizite gegenüber den großen Lehrbetrieben ausgleichen. Durch solche Maßnahmen soll das Image bei Jugendlichen, Eltern und anderen Mitentscheidern wie Lehrern gestärkt werden. Ob es weitere Maßnahmen zur Imageaufbesserung geben wird, ist ebenfalls ein Punkt des Gesprächs. Und natürlich wird man am runden Tisch auch auf die schulische Vorbildung der Jugendlichen zu sprechen kommen.

Neben diesen Themen wird die Pflegelehre ebenso wie Ausbildungsmöglichkeiten für junge Asylanten und neue Ausbildungsformen zur Sprache kommen.

Wichtig ist, dass wir uns bei dem Gipfelgespräch auf klare Umsetzungsstrategien einigen.

Egon Blum

Lehrlingsgipfel

Teilnehmer: WKV, AK, ÖGB, IV, AMS, Land Vorarlberg

Themen

» Zwischenprüfung zur Halbzeit der Ausbildung in allen Lehrberufen

» Unterstützung kleinerer Betriebe für die duale Ausbildung

» Qualitäts- und Treuebonus

» Weiters: Lehre und Matura, Image, Pflegelehre, Ausbildung junger Asylanten