Andreas Scalet

Kommentar

Andreas Scalet

Neue Spieler für Team Österreich

30.09.2015 • 20:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Standort Österreich leidet. In den Hitparaden der besten Plätze für die Wirtschaft sind wir auf dem absteigenden Ast. Die Ursachen sind hinlänglich bekannt: hohe Arbeitskosten, überbordende Bürokratie und auch sonst eine Verwaltung, die nicht unbedingt immer darauf schaut, was für den Standort wichtig ist.

In den vergangenen Jahren haben die guten Exportzahlen den Blick auf die Probleme zumindest vernebelt, so die Schlussfolgerung des Wirtschaftsministers. Und überhaupt: Man habe jetzt eh eine Wirtschaftsoffensive geplant. Dazu gehört wohl auch, dass man neues Personal an entscheidenden Stellen plaziert. Zum Beispiel einen Unruhestifter, der seinen Finger auf die scheinbaren Probleme legt und damit Aufbruch signalisiert.

Einer, der auch in Vorarlberg zur Gründeroffensive aufruft und gerade im VN-Interview alle Schuld den Sozialpartnern zugewiesen hat, ohne dabei rot zu werden. Wie ernst man die starken Worte nehmen kann, ist zweifelhaft. Denn wie fast das gesamte Personal wurde auch der dynamische Staatssekretär an der Brust des Wirtschaftsbundes gesäugt. Aber wer seit Jahren am bestehenden System mitgewirkt hat, ist wohl die falsche Person, um das Steuer herumzureißen. Dazu hätte er zuvor die Möglichkeit gehabt: schon damals an den Schalthebeln der Macht.

Doch der mutige Staatssekretär ist natürlich nicht der einzige, der das System, der die Sozialpartnerschaft und ihre Institutionen benutzt hat, um auf der Leiter hinaufzuklettern. Die Ministerien sind alle gut genährt aus den Kinderstuben der Sozialpartner. Trainee-Programme und Personalspenden von Industriellenvereinigung, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und ÖGB sind in fast allen Ministerbüros zu finden.

Als Gründer hätte ich größte Bedenken, wenn genau jene, die seit Jahren den Wildwuchs an Bürokratie nicht in den Griff bekommen, jene, die auch bei den letzten Steuererhöhungen auf die Melkkuh Unternehmer zurückgegriffen haben, mir nun erklären, wie wichtig unternehmerische Freiheit ist, wie elementar Gründungen sind und wer schuld ist, dass Österreich mit dem Unternehmertum ein Mentalitätsproblem hat.

Das politische Kastensystem, das sich im Land breitgemacht hat, wird zu einer echten Erneuerung, zu einem Durchbruch in der Wirtschaftspolitik nichts beitragen. Dafür braucht es einen neuen Zugang und ja, auch neue Spieler für das Team.

Die politische Kaste, die sich in Österreich breitgemacht hat, wird nichts zur Erneuerung beitragen.

andreas.scalet@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-862