„Baubranche erwartet radikale Veränderungen“

Markt / 15.10.2015 • 22:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Geschäftsführer der Rhomberg Gruppe: Hubert Rhomberg und Ernst Thurnher. Fotos: rhomberg
Die Geschäftsführer der Rhomberg Gruppe: Hubert Rhomberg und Ernst Thurnher. Fotos: rhomberg

Rhomberg Gruppe: Zuwachs im Bau kompensiert Rückgang im Bahnbereich. Seequartier-Start 2017.

Bregenz. (VN-reh) Am Bau läuft‘s für Rhomberg gut. In Vorarlberg vor allem im Wohnbau und auch aufgrund der höheren Bautätigkeit verschiedener Unternehmen. So kam die Rhomberg Gruppe im Bereich Bau- und Ressourcen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/15 auf einen Umsatz von 281,4 Millionen Euro, fast neun Prozent mehr als im Jahr zuvor. Und auch aktuell sind die Auftragsbücher voll, wie Geschäftsführer Ernst Thurnher (53) erklärt. Bis Ende März sei man vollbeschäftigt und es gebe bereits Auftragsbestände bis 2016/17. Grund für den Zuwachs am Bau ist vor allem das Tochterunternehmen Goldbeck Rhomberg, Marktführer bei Parkhäusern, dessen Umsatz im vergangenen Jahr um 29 Prozent auf 120 Mill. Euro stieg. Und auch die Beteiligung an Sohm Holzbautechnik entwickle sich positiv. Hier könne man vor allem im Ausland gemeinsam auftreten und dank der Vorfertigung die Wertschöpfung dennoch in Vorarlberg halten.

Bahngeschäft projektbezogen

Beim zweiten Standbein der Gruppe – dem Bahnbereich – sieht die Umsatzentwicklung etwas anders aus. Hier musste die Rhomberg Sersa Rail Group, an der Rhomberg 50 Prozent der Anteile hält, ein Minus von 4,2 Prozent auf 324,1 Millionen Euro verzeichnen. Für Geschäftsführer Hubert Rhomberg (47) ist das aber kein Grund zur Sorge, denn das Geschäft sei stark gekennzeichnet von Projektaufträgen und somit auch von Umsatzschwankungen. Ein Vorteil, dass man in beiden Bereichen – Bau und Ressourcen sowie Bahntechnik – Komplettanbieter ist, liege auch darin, dass man so gegenseitig Schwankungen auffangen könne.

Somit konnte das Umsatzplus im Bau den Rückgang im Bahnbereich mehr als wettmachen. Konsolidiert belief sich der Umsatz von Rhomberg insgesamt auf 444 Millionen Euro, ein Plus von vier Prozent. Diese Zahl beinhaltet von den Tochter- und Beteiligungsunternehmen nur das Geschäftsvolumen in Höhe der Beteiligung. Also 100 Prozent an Rhomberg Bau, zu der wiederum unter vielen anderen die 50-Prozent-Beteiligungen an Sohm Holz Bautechnik und Goldbeck-Rhomberg zählen, sowie 50 Prozent an der Bahn-Sparte von Rhomberg, der Rhomberg Sersa Rail Group.

Dass der Bahnbereich mittlerweile umsatz- und auch mitarbeitermäßig deutlich größer ist als der Baubereich, liegt vor allem an den Zukäufen. So hat allein die Übernahme einzelner Geschäftsbereiche des englischen Infrastrukturunternehmens Balfour Beatty durch Rhomberg Sersa Rail Group per 1. April 2015 den Beschäftigtenstand in der Bahnsparte um 600 Mitarbeiter erhöht. Von den insgesamt rund 3000 Beschäftigten in der Gruppe entfallen jetzt über 2400 allein auf den Bahnbereich.

Veränderungen am Bau

Während im Bahnbereich die Kosten wegen knapper Zeitfenster für Gleisarbeiten aufgrund des dichten Zugverkehrs stetig steigen, sieht Rhomberg am Bau „radikale Veränderungen in den nächsten fünf bis zehn Jahren“. Digitalisierung, geänderte Mobilität und neue Technologien werden dazu führen, „dass es einige Firmen dann nicht mehr braucht“, ist er sicher. Auch die Vorfertigung werde immer wichtiger. Vor allem der vielgeschossige Holzbau wird einen Drive erleben, ist er überzeugt. Wobei diese Gebäude in anderen Ländern viel leichter realisierbar seien. „In Vorarlberg ginge mehr, aber der Holzbau hat zu wenig Lobby“, sagt der Unternehmer. Das nächste Rhomberg-Holzhochhaus soll jedenfalls „in Dornbirn oder Bregenz“ entstehen und auch beim Seequartier versuche man, den Bahnhof in Holz zu bauen. Baustart dafür soll übrigens 2017 sein, unabhängig vom Baubeginn der Seestadt.

„Verhinderungsverfahren“

Beim leistbaren Wohnen sieht Rhomberg zwar eine gewisse Bereitschaft zu Anpassungen, aber wegen steigender Grundstückspreise, geringer Bereitschaft zu höheren Baunutzungszahlen und einer überbordenden Bürokratie müsse man davon ausgehen, dass Wohnen noch teurer wird. Schon ein Baubewilligungsverfahren sei heute eher be- und verhindernd. Dazu kämen die Gestaltungsbeiräte in den Gemeinden, in denen Architekten sitzen, denen es nicht um den wirtschaftlichen, sondern nur um den gestalterischen Aspekt eines Projekts gehe. All diese Kosten müsse am Ende der Wohnungskäufer zahlen.

Rhomberg Gruppe

Geschäftsjahr 2014/15

» Umsatz: Bereich Bau und Ressourcen: 281,4 Mill. Euro (+ 8,9 %); Bereich Bahntechnik: 324,1 Mill. Euro (- 4,2 %); konsolidiert: 444 Mill. Euro (+ 4 %)

» Mitarbeiter: 3000 (davon 581 im Baubereich)

» Eigenkapitalquote: 41 %