Teil des sozialen Lebens der Gemeinde

Markt / 02.11.2015 • 18:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Harald Weiß führt den Adeg-Markt in Gaißau bereits seit 15 Jahren. Foto: Stiplovsek
Harald Weiß führt den Adeg-Markt in Gaißau bereits seit 15 Jahren. Foto: Stiplovsek

In 50 Vorarlberger Gemeinden gibt es nur einen Lebensmittelladen. So wie in Gaißau.

GAISSAU. (VN-dh) Seit über 15 Jahren führt Harald Weiß den Adeg-Markt in Gaißau. Das Lebensmittelgeschäft im hintersten Winkel von Vorarlberg ist die letzte Bastion der Nahversorgung für die Gemeinde. Ohne den umtriebigen Kaufmann müssten die Konsumenten in andere Kommunen ausweichen. Das Geschäft erfüllt also den markeneigenen Slogan, dass das Gute so nah liegt, vollends. Des Stellenwerts, den der Laden für die 1800 Einwohner zählende Randgemeinde hat, ist sich Weiß durchaus bewusst. „Wir sind mehr als bloß ein Lebensmittelladen, wir sind ein Teil des sozialen Lebens in unserer Gemeinde“, ist für den gelernten Koch „sein“ Adeg-Markt auch zum Botschafter für Regionalität geworden.

Lieferanten aus Umgebung

Er fühlt sich den Lieferanten der Umgebung verpflichtet. Davon profitieren auch kleine landwirtschaftliche Betriebe, für die der Lebensmittelhandel einen wichtigen Abnehmer darstellt. Je nach Saison bietet der unmittelbar an der Schweizer Grenze liegende Laden eine breite Palette an frischen Produkten. Seien es Eier, die vom Stall wenige Straßen weiter kommen, Erdbeeren, die im gemeindeeigenen Ried wachsen oder herzhafter Käse aus dem Bregenzerwald. Das Wissen, woher die Produkte kommen und wer dahinter steht, schafft beim Konsumenten Vertrauen. Und der Chef selbst hat hier auch noch Zeit für einen kurzen Plausch, immer einen Tipp in Sachen Zubereitung auf Lager oder er erfüllt auch besondere Kundenwünsche.

Risiko des Erfolges

Anders als so manch anderer kleiner Dorfladen, kann Harald Weiß mit Rewe auf eine Konzernstruktur zurückgreifen. Das macht ihn zum Vollsortimenter, so dass er neben dem regionalen Sortiment und etwas höherpreisigen Waren auch eine günstige Schiene anbieten kann. Das Prinzip beruht darauf, dass er als selbstständiger Kaufmann zwar die Marke nach außen verkörpert, aber aus dem großen Produktsortiment selbst auswählen kann und die volle Verantwortung trägt. „In Vorarlberg wird zum Teil anderes nachgefragt als in Niederösterreich“, nennt er ein Beispiel. So wurde etwa die Bregenzerwälder Heumilch in das Großhandelsangebot gelistet, die den rund 50 Adeg-Märkten im Land damit zur Verfügung steht. Das Risiko des Erfolges trägt aber letztlich der Kaufmann. Er muss auch entschieden, ob und wie viel er etwa in den Um- oder Ausbau eines Geschäftes investiert. Der Gaißauer, der mit seiner Frau Karin und Sohn Niklas unweit seines Geschäftes lebt, hat vor rund zehn Jahren den Laden an der Rheinstraße 1 komplett erneuert und damit die Weichen für die Zukunft gestellt. Im November 2006 wurde der modernisierte und erweiterte Laden eröffnet.

Viel Energie investiert

So wie in Gaißau gibt es in weiteren 49 Vorarlberger Gemeinden lediglich einen Lebensmittelladen. Nicht alle davon können jedoch ein solches Vollsortiment und durchgängige Öffnungszeiten anbieten wie Harald Weiß. In kleineren Auspendler-Gemeinden besteht zudem das Problem, dass die Geschäfte oft kaum bis gar nicht rentabel sind und ohne Förderungen nicht überleben könnten. So wird etwa in Kleingemeinden viel Energie investiert, um die Lebensmittelversorgung vor Ort zu sichern. Die Dorfläden arbeiten dabei vielfach mit Partnern wie etwa Spar zusammen. Um den Fortbestand von Geschäften in exponierten Lagen zu sichern, unterstützt das Land Vorarlberg deren weiteren Erhalt insbesondere mit Betriebskostenzuschüssen. „Vor diesem Hintergrund wird seitens der Fachgruppe Lebensmittelhandel sehr begrüßt, dass in den letzten Jahren für Anliegen der Lebensmittel-Nahversorgung verstärkt politische Verantwortung auf Gemeinde- und Landesebene übernommen wird“, betont Fachgruppenobmann Franz-Josef Gächter.

Überversorgung

Sind es auf der einen Seite die kleinen Dorfläden, die verhindern, dass es noch mehr weiße Flecken auf der Lebensmittellandkarte Vorarlbergs gibt, ist es auf der anderen Seite die Häufung
von Geschäften, die es den Betreibern nicht einfach macht, profitabel zu wirtschaften. Als Beispiel dient dafür etwa Lauterach, das innerhalb von einem Radius von nur zwei Kilometern ganze acht Lebensmittelmärkte zählt.