Den Pensionseintritt selbst bestimmen

Markt / 16.11.2015 • 22:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
AK-Präsident Hämmerle will mit einer Korridorpension für mehr Gestaltungsfreiraum und Gerechtigkeit sorgen.  Foto: VN
AK-Präsident Hämmerle will mit einer Korridorpension für mehr Gestaltungsfreiraum und Gerechtigkeit sorgen. Foto: VN

Arbeiterkammer Vorarlberg hat ein neues Pensionsmodell aus­gearbeitet.

Feldkirch. (VN-sca) „Arbeitnehmer sollen selbst entscheiden, wann sie die Pension antreten“, fordert AK-Präsident Hubert Hämmerle (54). Es sei an der Zeit, das System einfacher und gerecht zu machen. „Das gilt besonders für berufstätige Frauen“, so Hämmerle.

Wie sieht der Vorschlag der Arbeiterkammer konkret aus? „Statt an dem gesetzlich normierten Pensionsalter von 65 Jahren krampfhaft festzuhalten, wäre es weit sinnvoller, einen Korridor zwischen 60 und 70 Jahren einzurichten, innerhalb dessen Rahmens jeder Versicherte selbst entscheiden kann, wann er in den Ruhestand tritt“, erläutert der Präsident den Plan der Vorarlberger Kämmerer. Das wäre aus seiner Sicht leicht realisierbar und auch für die Betroffenen verständlich, wenn – und das sei eine der Voraussetzungen – gleichzeitig ein verstärkter Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer aufgebaut werde. Eine Forderung, die auf Arbeitgeberseite sicher skeptisch betrachtet wird.  Für ihn aber habe das Modell nur mit diesem Kündigungsschutz eine  Chance und die Arbeitgeber nur damit eine echte Entscheidungsfreiheit bezüglich des Pensionsantritts. Gleichzeitig muss über Abschläge bei einem Ruhestandsantritt vor dem Regelpensionsalter gewährleistet sein, dass diese nicht auf Kosten der Steuerzahler gehen.

Teilzeit besser bewerten

Durch die letzten Pensionsreformen sei das soziale Pensionssystem stärker
mit Versicherungselementen durchsetzt worden. Das habe zum einen insgesamt mehr Gerechtigkeit gebracht, zum anderen aber berufstätige Frauen benachteiligt, die nach der Geburt ihrer Kinder überwiegend teilzeitbeschäftigt sind. Aus den geringeren Bezügen aus diesen Jahren ergeben sich zum Pensionsantritt deshalb in der Hauptsache bei Frauen – trotz langjähriger Berufstätigkeit extrem niedrige Pensionen. Für Hubert Hämmerle ein unhaltbarer Zustand. Er fürchtet schon in absehbarer Zeit eine starke Zunahme von Altersarmut bei Frauen. Das sei nicht nur seine Vermutung, sondern durch Untersuchungen belegt. Deshalb fordert die Arbeitnehmervertretung für die an die Kindesgeburt anschließende Teilzeitphase bis zum Ende der Elternteilzeitbeschäftigung einen Steigerungsbetrag von 2,5 Prozent oder einen Zuschlag auf die Bemessungsgrundlage während dieser Jahre. Zudem will Hämmerle über ein verpflichtendes Pensionssplitting diskutierten.

„Abschlagsfrei“

Geht es nach dem Modell, sollen Zulagen für Schwerarbeit künftig in das einheitliche Pensionssystem einbezahlt werden, was die Bemessungsgrundlage für diese Arbeitskräfte verbessere und ihnen so den Pensionsantritt erleichtere. „Diese auf dem Pensionskonto zu erfassenden Ansprüche sollten abschlagsfrei zur Auszahlung gelangen.“ Damit könnten betroffene Dienstnehmer ab 60 ohne große finanzielle Einbußen in Pension gehen, preist  der Präsident den von seinen Fachleuten ausgearbeiteten Vorschlag.

Korridorpension

Der Vorschlag sieht vor, dass der jährliche Steigerungsbetrag für die ersten 40 Versicherungsjahre 1,75 Prozent beträgt. Das führt zu einer Pension von 70 Prozent der Bemessungsgrundlage. Wer weiterarbeitet, soll mit einem jährlich höheren Steigerungsbetrag (pro Jahr um 0,25 Prozent steigend)  belohnt werden. Ein Pensionsantritt unter 65 Jahren soll erst möglich sein, wenn die Pension zumindest die Höhe der Ausgleichszulage erreicht.