Gerold Riedmann

Kommentar

Gerold Riedmann

Stürmische See

Markt / 06.04.2016 • 22:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

82 Meter. Die luxuriöse Yacht wäre sogar zu lang für den Hafen von Saint Tropez. Aktuell kein Problem, heute früh liegt das Prachtstück eines Oligarchen ohnedies im Hafen von Sotschi. Die russische Super-Yacht unter der Flagge der Jungferninseln wird zum Symbol der Offshore-Geschäfte und des Scheidewegs, an dem die Vorarlberger Hypo-Bank aktuell steht. Liegt es im Kerngeschäft der Landesbank, den Bau solcher Luxusobjekte mit Indoorpool und Hubschrauberlandeplatz abzuwickeln?

Als Vorsitzender der Vorarlberger Landes- und Hypothekenbank war es Michael Grahammers Auftrag, das Firmenkundengeschäft auszubauen und für ein Wachstum der Bank zu sorgen. Dabei war man im Offshore-Geschäft in früheren Zeiten wesentlich aktiver als heute: Die Liechtensteiner Hypo-Tochter stieß bereits sein Vorgänger Jodok Simma ab, auch das Volumen der Offshore-Deals wurde reduziert. Doch ganz hat sich die Landesbank von ihren Offshore-Aktivitäten nicht trennen können oder wollen.

Bei der eilends vom Landeshauptmann einberufenen Pressekonferenz am Montag wurde Insidern klar, dass ein Hochkochen der unterschiedlichen Auffassungen wohl nur eine Frage der Zeit war. Wallner distanzierte sich mehr als notwendig von seinem Bankmanager, erklärte öffentlichkeitswirksam, dass die Offshore-Geschäfte beendet werden sollen. Grahammer wiederum betonte, seine Bank habe nichts Unrechtes getan – und verknüpfte zur Überraschung des Landeshauptmanns gleich sein berufliches Schicksal mit dem Ergebnis der anstehenden Prüfung.

Sachlich und fachlich gibt’s bis dato gar nichts: Grahammer gilt nicht nur in Bankkreisen als hervorragender Manager, der konsequent, zielstrebig, aber besonnen agiert.

Hinter den Kulissen gärte es zwischen Haupteigentümer Land und Hypo-Chefetage schon länger. Reibungspotenzial bietet stets der politische Einfluss: Der von der Landespolitik gebremste Vorstoß, Hypo und Sparkasse Dornbirn zu verschmelzen, war das eine. Die endlosen Polit-Diskussionen rund um die Hypo-Alpe-Adria-Haftungen haben Grahammer schon längere Zeit mit dem Gedanken spielen lassen, zurückzutreten.

Zurück bleibt die Hypo, Schatztruhe Vorarlbergs. Im Mittelpunkt muss nun stehen, die Bank zur Ruhe kommen zu lassen; und Landeshauptmann Markus Wallner ist es nun höchstpersönlich, der drohende Beschädigungen im Sinn der Steuerzahler abwenden muss. Dazu gehört auch, klar festzulegen, ob die Hypo Vorarlberg weiterwachsen soll (was sich nicht nur im Bregenzerwald abspielen kann), ob die Einhaltung der Gesetze reicht, oder welche höheren ethischen Standards das Land seiner erfolgreichen Bank vorgibt. Bislang gab es keine Order zur Flucht aus der Karibik. Kapitän Grahammer geht in einem ungünstigen Moment von Bord. Man wünscht der Hypo ruhigere See.

gerold.riedmann@vorarlbergernachrichten.at, Twitter: @geroldriedmann, Tel. 05572/501-320

Gerold Riedmann ist Chefredakteur der Vorarlberger Nachrichten.

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