„Investitionen in Aktien sind alternativlos“

Markt / 08.06.2016 • 22:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schoellerbank Vorarlberg-Direktor Peter Scherbaum, Felix Düregger (Asset Management), Christian Fegg (Schoellerbank Invest). Paulitsch
Schoellerbank Vorarlberg-Direktor Peter Scherbaum, Felix Düregger (Asset Management), Christian Fegg (Schoellerbank Invest). Paulitsch

Herausforderung Nie­drigzinsen. Schoellerbank sieht in Aktien langfristig Stabilität.

Schwarzach. Was vor ein paar Jahren noch unvorstellbar war, ist heute Realität. Wir leben in einer Welt von Niedrigzinsen. Und diese Situation wird anhalten, ist Christian Fegg, Vorstand der Schoellerbank Invest, überzeugt. Grund sei unter anderem die hohe Verschuldung. So liege beispielsweise die Gesamtverschuldung (Staatsschulden plus Privatschulden) in der Eurozone bei 460 Prozent der Wirtschaftsleistung. Man könne sich also nicht leisten, dass die Zinsen steigen, weil sonst diese Schulden nicht mehr vollständig bedient werden können. Und wenn, dann gehe das nur über eine Umverteilung oder Steuererhöhungen. Zwar werden die Zinsen nicht auf Dauer auf Null bleiben, allerdings auch nicht auf mehr als zwei Prozent steigen, erklärt Fegg im VN-Gespräch.

Negativ wirkt sich die Zinssituation auf die Staatsanleihen aus. Bekam man noch vor ein paar Jahren Erträge von über fünf Prozent pro Jahr, wenn man in deutsche Staatsanleihen investierte, liegen sie aktuell nur knapp über Null. Damit ist auch die lange damit verbundene Sicherheit Geschichte. Denn sobald Inflation oder Zinsen steigen, schadet das dem Portfolio. „Mit einer reinen Zinsveranlagung lockt man heute niemanden mehr hinter dem Ofen hervor“, sagt Felix Düregger, Direktor Asset Management bei der Schoellerbank, die derzeit über zehn Milliarden Euro an Kundenvermögen verwaltet. Deshalb aber auf Unternehmensanleihen geringer Qualität auszuweichen, sei gefährlich. Bei sogenannten High Yield Anleihen sei das Risiko einfach zu hoch. Heißt im Umkehrschluss: Aktien sind derzeit alternativlos. Allerdings nur, wenn man auch auf dementsprechende Qualität der Titel achte. Das bedeutet auch, das Geschäftsmodell des Unternehmens zu verstehen.

Im Vergleich billig

Allerdings heißt es in der letzten Zeit vielfach, die Bewertungen der Aktien seien zu hoch. „Es kommt darauf an“, merkt Christian Fegg an. Historisch betrachtet seien sie 20 bis 30 Prozent über der historischen Norm. Stelle man aber den Vergleich mit alternativen Veranlagungsformen an, seien Aktien billig. „Sechs Prozent Rendite sind am Aktienmarkt historisch betrachtet nicht viel, im Vergleich mit anderen Veranlagungen aber schon“, so Fegg.

Historisch billig seien zurzeit asiatische Qualitätspapiere. „Asien gefällt mir gut“, sagt der Experte. Auch weil der Kontinent in der Fondsbranche unbeliebt sei, sei es eine günstige Zeit, um Aktien zu kaufen. Amerika würde er indes eher untergewichten sowie Rohstoffe nur klein beimengen. Europäische Banken habe die Schoellerbank nicht im Portfolio. Sie seien zwar günstig bewertet, aber durch die ganzen Regulatorien sei die Aktivseite nicht einschätzbar, ein fairer Wert also nicht beurteilbar.  Insgesamt, und auch wenn die weitverbreitete Meinung gegenteilig ist, bringen Aktien langfristig Stabilität, sagt Fegg. Mit Schwankungen müsse man sich anfreunden. Gar nicht ratsam sei es, bei einer Korrektur sofort auszusteigen, „da muss man das Unternehmen schon plötzlich überhaupt nicht mehr mögen“.

Sollte das Referendum in Großbritannien zugunsten eines Verbleibes in der EU ausgehen, ist für Felix Düregger sogar eine Sommerrally möglich. Denn Unsicherheiten wie die aktuelle Brexit-Diskussion möge die Börse überhaupt nicht.