„Die österreichische Effizienz ist gefragt“

21.07.2016 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wirtschaftsdelegierter Mag. Karl Hartleb.
Wirtschaftsdelegierter Mag. Karl Hartleb.

Heimische Produkte können Australien helfen, das Ausbaupotenzial zu verbessern.

SYDNEY. Österreichische Effizienz und Innovationskraft sind für den australischen Markt interessante Faktoren. Wer die Wirtschaftsmechanismen in „Down Under“ wirklich kennenlernen will, sollte sich jedoch nicht scheuen, dem fünften Kontinent einen Besuch abzustatten.

Seit 1992 erlebt Australien eine Phase kontinuierlichen Wachstums. Welche Chancen bieten sich für Unternehmen aus Österreich?

Hartleb: Australiens Wachstum basierte in den vergangenen Jahrzehnten Großteils auf der großen Rohstoff-Nachfrage der asiatischen Nachbarländer. Nicht zuletzt aufgrund der hohen Preisschwankungen soll und wird sich diese Tendenz in den nächsten Jahren diversifizieren. Der Dienstleistungs- und Finanzsektor, vor allem die Bereiche Bildung und Tourismus, bekommen neben der Landwirtschaft immer wichtigere Stellenwerte. Ein weiterhin stark wachsender Sektor ist die australische Bauindustrie, wo österreichische Unternehmen in den Bereichen Energieeffizienz, Technologie und Know-how (z. B. Fertigteilhäuser) punkten können. Der Privatverbrauch in Australien bringt auch eine Nachfrage an österreichischen Konsumgütern mit sich. Während die Industrie, normalerweise ein Hauptpfeiler österreichischer Exporte weltweit, in Australien eher schwächelt, sehen wir für heimische Betriebe auch im Bereich der Verteidigungsindustrie große Chancen: Hier sind in den nächsten 10 Jahren Investitionen im Umfang von 115 Mrd. Euro geplant.

Österreichische Exporte nach Australien wuchsen bereits während des letzten Jahrzehnts meist zweistellig. Welches ungenutzte Potenzial gibt es noch?

Hartleb: Wenngleich Österreich auch im fernen Australien ein Begriff für „high tech“, „high quality“ und „high efficiency“ ist, gehen wir davon aus, dass österreichische Produkte Australien beim Ausbau des enormen Verbesserungspotenzials unterstützen können. Sowohl Produktions- als auch Energiekosten stehen dem Wachstum der australischen Industrie stark im Wege; da kann man der österreichischen Effizienz und unseren Innovationen (erneuerbare Energien, Automatisierung) schon was abschauen. Marktchancen sehen wir auch bei Gesundheitsdienstleistungen, Abfallverwertung und beim Ausbau der qualitativen Tourismusinfrastruktur.

Ist die Distanz ein Hindernis für österreichische Firmen?

Hartleb: Auch wenn man den Großteil der Distanz mit heutigen Technologiestandards überbrücken kann, merkt man spätestens nach der ersten Australienreise, dass 20 Stunden Flugzeit nicht wenig sind. Auch der Zeitunterschied setzt Flexibilität bei der Telekommunikation und bei den Arbeitszeiten voraus. Die Australier sind diese Umstände jedoch gewöhnt; auch in Österreich stellen sie unserer Erfahrung nach für die Unternehmen kein wirkliches Hindernis dar. Umso mehr wird es allerdings von der hiesigen Geschäftswelt geschätzt, wenn man sich in den Flieger setzt und persönlich vor Ort auftaucht – die Entfernung führt manchmal dazu, dass man erst durch das Vorhandensein einer lokalen Vertretung (oder einer Person, auf die man dort zurückgreifen kann) ins Geschäft kommt. Die Kosten für einen Container-Transport von Europa nach Sydney sind übrigens gleich hoch wie von Österreich nach Spanien via Lkw.