Bau-Karriere: Vom Maurer zum Chef

22.07.2016 • 08:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Gemeinsam gestalten: Teamgeist wird bei Müller Wohnbau ganz großgeschrieben.  Foto: VN/Paulitsch
Gemeinsam gestalten: Teamgeist wird bei Müller Wohnbau ganz großgeschrieben. Foto: VN/Paulitsch

Fachliches Kapital und Know-how: Das sind die Nachwuchskräfte bei Müller Wohnbau.

Christine Mennel

Derzeit lernen sieben Lehrlinge den Beruf des Maurers oder des Bürokaufmanns/frau. Das Unternehmen bildet seit 1979 Lehrlinge aus, Sie seit 1997. Wie wichtig ist der Nachwuchs für den Unternehmenserfolg?

Müller: Von den von Anfang an eingestellten Lehrlingen (von insgesamt ausgebildeten 136) haben 80 erfolgreich abgeschlossen, viele mit Auszeichnung und jetzt arbeiten immer noch 23 bei uns. Das sagt alles aus. Lehrlinge sind wichtiges Wissenskapital und fachliches Kapital.

Wie finden Sie Ihr „fachliches Kapital“?

Müller: Durch diverse Aktionen (Lehrlingsmessen etc.) – es redet sich auch herum, dass wir eine etwas andere Firma sind. Sei es im Umgang mit den Mitarbeitern oder bei unseren Wohnprojekten. Wir garantieren unseren Lehrlingen eine optimale Entwicklung im Unternehmen und die Möglichkeit, Führungskraft zu werden. Vier Poliere (von sechs) haben sich im Betrieb zur Führungskraft entwickelt.

Warum sind Sie ein guter Arbeitgeber?

Müller: Wir sind Ausgezeichneter Lehrbetrieb seit 1997 und „Gemeinwohl Betrieb“ seit 2012. Ich sehe die Mitarbeiter als Mitunternehmer und als Partner. Ich stehe hundertprozentig hinter ihnen, verlange aber auch gleichzeitig 100 Prozent Unterstützung.

Was müssen künftige Lehrlinge haben?

Müller: Ehrlichkeit, Teamfähigkeit und die Bereitschaft, etwas lernen zu wollen.

Wie leicht geht Ihnen die Zusammenarbeit mit Jugendlichen von der Hand?

Müller: Die Begleitung im Lehrzeitraum liegt hauptsächlich in der Persönlichkeitsentwicklung. Fachlich werden sie mit viel Einsatz von unseren Polieren begleitet. Ein wichtiger Bestandteil liegt in der Lehrlingsausbildung Schule und MAZ in Hohenems sowie intern mit einem Mentor.

Wie wohl fühlen Sie sich mit
Ihrer Aufgabe als Lehrlingsleiter?

Müller: Sehr wohl, obwohl sie auch sehr fordernd ist. Es ist aber schön, wie sich die jungen Menschen entwickeln, und wenn ich dazu was beitragen kann.

Welche Eigenschaften helfen Ihnen dabei, damit das Verhältnis Ausbilder/Lehrling harmoniert?

Müller: Man muss Verständnis aufweisen, den Lehrlingen zuhören können, sie ernst nehmen und die nötige Empathie entwickeln und merken, wenn es mal klemmt. Wichtig ist, dass man nicht autoritär auftritt, sondern sich durch fachliches Wissen und sozialem Umgang den nötigen Respekt verschafft.

Wo brennt es den jugendlichen unter den Nägeln?

Müller: Sie wollen, dass man sie ernst nimmt, sie auf fachlicher und persönlicher Ebene fördert, aber ihnen auch Grenzen aufzeigt.

Laut der letzten Umfrage sagen zwei von fünf Lehrlingen, dass sie ihre Ausbilder kaum sehen und Überstunden machen müssen. Was sagen Sie dazu?

Müller: Wäre echt schlimm, wenn das so wäre.

Wie binden Sie die Eltern mit ein?

Müller: Wichtig ist uns, beim ersten Kennenlerngespräch Lehrling und Eltern in unsere Firma einzuladen. Heute sind ja nicht mehr überall Familienstrukturen vorhanden, wie es sie noch vor zwanzig Jahren gab.

Wie schneiden Ihre Lehrlinge bei Lehrlingsleistungswettbewerben ab?

Müller: Wir sind überall vorne mit dabei wie beispielsweise bei den Lehrlingsleistungswettbewerben. Polier Martin Mittelberger wurde 2013 bei den World Skills in Leipzig Vizeweltmeister der Maurer. Das war schon cool.

Welche besondere Laufbahnen gibt es?

Müller: Es gibt viele. Ein Beispiel: Harald Sohm leitet die Abteilung Sanierung komplett selbstständig und ist Bereichsleiter (Beratung, Verkauf, Planung). Er legte die Gesellenprüfung 1992 erfolgreich ab.

Ich sehe die Mitarbeiter als Mitunternehmer und als Partner.

Gerhard Müller

Zur Person

Gerhard Müller

Ausbildung: Pflichtschule, Lehre, Bauhandwerkerschule in Rankweil, Studium an der Uni Liechtenstein, Bereich Architektur, Baumeisterprüfung, Landwirtschaftlicher Facharbeiter;

Laufbahn: wie oben

Alter: 49

Familie: zwei erwachsene Töchter Eva und Isabelle, Partnerschaft mit Alexandra

Hobbys: Mountainbiken, Wandern, Skifahren

www.muellerwohnbau.at