Strahlkraft in luftiger Höhe

30.08.2016 • 20:23 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Mit der Seilbahn vom Bregenzerwald nach Dornbirn: Wälderbahn als Chance für den öffentlichen Verkehr.

Lustenau. (VN-reh) Bei Strategien stellt sich immer die eine Frage: Bleibt es bei Ankündigungen oder folgen Taten? Die Industriellenvereinigung beantwortet dies Stück für Stück und hat nun einen weiteren Puzzlestein präsentiert. Ein Leuchtturmprojekt – ganz nach dem Motto der Industriestrategie „Vom Mittelmaß zur Exzellenz“ –, das, sollte es realisiert werden, für ordentlich Furore sorgen würde.

Die „Wälderbahn der Zukunft“ soll den Bregenzerwald mit dem Rheintal verbinden, und das auf eine ganz spezielle Art und Weise. Dazu hat Doppelmayr eine Weltneuheit entwickelt. Das City Cable Car ist ein kurvenfähiges Seilbahnsystem für die Stadt. Um überhaupt in den Bregenzerwald zu gelangen, können die Kabinen zudem von der Fahrbahn auf Seile wechseln und so beliebige Höhenunterschiede überwinden. „Diese Kombination gibt es in der Form nirgends auf der Welt“, präzisiert Hanno Ulmer, Vorstand der Doppelmayr Holding. 5500 Personen pro Stunde könnten mit dieser Verkehrsverbindung transportiert werden. Neben Pendlern und Touristen eigne sich die Bahn aber auch als Transportmittel für Güter. 2,5 Tonnen pro Kabine wären möglich. 40.000 Technikerstunden stecken hinter dieser Entwicklung. Denn die Haupt­herausforderung war das Kurvenfahren.

Für IV-Präsident Martin Ohneberg ist die Wälderbahn „ein exzellentes Projekt, das Kreativität, Know-how und Technologie aus Vorarlberg verbindet und nach außen in die ganze Welt strahlt.“ Er sieht in der Kombination aus Seilbahn und Stadthochbahn mit allen möglichen Kurvenradien eine „gewaltige Chance“. Auch hinsichtlich der Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024.

Entwickelt wurde dieses Leuchtturmprojekt zusammen mit Kairos. Für Geschäftsführer Martin Strele wäre eine solche Bahn als Verkehrsverbindung ein wichtiger Baustein des öffentlichen Verkehrs. Im Konzept, das nun als Diskussionsgrundlage dienen soll, verbindet die Wälderbahn den Bahnhof Dornbirn mit der Station Sägerbrücke und der Talstation der Karrenseilbahn. Von dort geht es auf das Hochälpele und zum Bahnhof Bersbuch in Andelsbuch. Eine Strecke von elf Kilometern, die die Wälderbahn in gut 20 Minuten hinlegen könnte. Die Vorteile liegen für Strele auf der Hand. Neben der hohen Leistungsfähigkeit und dem elektrischen Antrieb wickle die Bahn Alltags- und Freizeitwege ab und sei eine optimale Anbindung an das hochrangige Schienennetz im Rheintal.

„Wir sollten in eine offene Diskussion dazu einsteigen und uns auf den Weg machen“, ist IV-Präsident Ohneberg überzeugt. Hanno Ulmer schätzt die Kosten für die Bahn auf einen „hohen zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“. Dazu kommen noch die Bauten. Die entsprechende Finanzierung könnte sich Ohneberg über ein „Privat Public Partnership“-Modell vorstellen. Neben dem Land Vorarlberg könnten so Infrastrukturanteile für Unternehmen und die Bevölkerung platziert werden.

Positive Vorgespräche

Ob die Wälderbahn realisiert wird, hängt von vielem ab. 340 Grundstücke wären vom Projekt betroffen, Natur- oder Landschaftsschutzgebiete werden aber keine tangiert. Der frühestmögliche Baustart könnte in rund sieben Jahren sein. „Es hat im Vorfeld einzelne Vorgespräche mit dem Land, der Stadt Dornbirn und der Regio Bregenzerwald gegeben. Natürlich stehen aber die entscheidenden Gespräche noch aus und viele Fragen sind noch zu klären. Insgesamt haben sich aber noch keine unüberwindbaren Hindernisse aufgetan und die positiven Stimmen überwiegen. Mit der öffentlichen Präsentation startet jetzt eine offensive Diskussion“, erklärt IV-Geschäftsführer Mathias Burtscher im VN-Gespräch.

Die ersten Reaktionen zeigen zumindest positives Feedback. Gerald Loacker, Neos-Nationalrat und Stadtvertreter in Dornbirn, ist begeistert: „Dieses Zukunftsprojekt soll schnell in Angriff genommen werden.“ Für Landeshauptmann Markus Wallner ist es ein Projekt mit viel Innovationskraft. „Und das brauchen wir im Mobilitätsbereich.“ Allerdings gebe es noch viele offene Fragen. Der grüne Landesrat Johannes Rauch kündigt an, die Machbarkeit der Wälderbahn im Zuge der Überarbeitung des Verkehrskonzepts zu prüfen. „Danach werden wir sehen, ob es Chancen für das Projekt gibt. Wir brauchen zuerst einmal Daten, Zahlen, Fakten.“