Über die Quadratur des Kreises

Markt / 16.10.2016 • 19:22 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Andreas Salcher (l.) bei seinem Besuch beim Bauunternehmen Wilhelm+Mayer in Götzis. Foto: WM
Andreas Salcher (l.) bei seinem Besuch beim Bauunternehmen Wilhelm+Mayer in Götzis. Foto: WM

Bildungsexperte Salcher über das versagende Schulsystem und Betriebe, die in die Schulrolle schlüpfen.

Schwarzach. (VN-reh) Ist man mehr Kritiker oder Experte, wenn man aufzeigt und Unbequemes zum Thema macht? „Kritischer Vordenker“ trifft es für Andreas Salcher wohl am besten. Er, der dem Schulsystem ein „Totalversagen“ zuspricht. Ein System, das zwar über ausreichend Ressourcen verfüge, diese aber völlig falsch einsetze. „Die Klassen sind zu groß und das System viel zu teuer“, sagt der Bestsellerautor und Mitbegründer der „Sir Karl Popper Schule“ für Hochbegabte im VN-Gespräch. Die Schule produziere einfach zu viele Nicht-Lerner.

Gerade hat er sich in Vorarlberg in Lehrbetrieben wie Hilti, Grass und Wilhelm+Mayer umgehört. Weil in der ganzen Schuldiskussion das Lehrlingsthema immer zu kurz kommt, wie er sagt, sich aber gerade in der Lehrausbildung zeige, dass die theoretische Welt nicht mehr mit der praktischen Realität zusammenpasse. „Wenn einer nach neun Schuljahren nicht die Fläche eines Quadrates ausrechnen kann, dann stimmt etwas nicht.“ Und das liege sicher nicht daran, dass die Schüler zu „blöd“ für das Schulsystem seien.

Bei seinem Vorarlberg-Besuch zeigte sich eines: Wenn es auf der einen Seite Weltklasse-Unternehmen gibt, die täglich im Wettbewerb stehen, und auf der anderen Seite ein Schulsystem, das nicht wettbewerbsfähig ist, müssen die Betriebe Teile der Schulrolle übernehmen. „Obwohl es nicht deren Aufgabe ist, den Lehrlingen Mathematik beizubringen“, betont Salcher, der kürzlich im Silicon Valley Unternehmen wie Apple oder Cisco besuchte. Dort würden die Firmen ihre Mitarbeiter verstärkt in eigenen „company universities“ nach ihren Anforderungen selbst aus- und weiterbilden.

Mit Lücken arrangieren

Auch in Vorarlberg arrangieren sich die Unternehmen. Von den Gesprächen mit Geschäftsführern, Lehrlingsausbildern und Lehrlingen zeigt sich Salcher „zutiefst beeindruckt“. Zum einen werde sehr viel in die menschliche Entwicklung investiert, zum anderen gehe es heute bei der Lehrlingseinstellung nicht mehr nur um Schulnoten, sondern darum, wer die nötige Motivation mitbringt, denn wenn Grundkenntnisse fehlen, wird das sowieso im Betrieb nachgeholt. Das wird auch beim Bauunternehmen Wilhelm+Mayer bestätigt. Die Jugendlichen sind in der Praxis toll, aber die Schulleistung nimmt ab. Deshalb reagiert man mit externen Nachhilfelehrern, mit einem Lehrlingsbeauftragten, der ganz nah dran an den Jugendlichen ist, kurzum mit einem Engagement, das weit über das normale Maß hinausgeht. Etwas, was Andreas Salcher nur bestätigt.