1000 Techniker dringend gesucht

Markt / 03.02.2017 • 22:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mathias Burtscher, Georg Comploj und Michael Amann. Foto: wkv
Mathias Burtscher, Georg Comploj und Michael Amann. Foto: wkv

Vorarlbergs Industrie schlägt sich sehr gut. Wenn da nicht eine Pensionierungswelle anstünde.

Dornbirn. (VN-reh) Das politische Umfeld ist aktuell nicht gerade sehr erfreulich. Es werden Kriege geführt, US-Präsident Donald Trump setzt auf Protektionismus, wichtige Wahlen in EU-Ländern stehen an und Großbritannien vollzieht seinen Brexit. Dennoch sehen die Konjunkturforscher weltweit gute Wachstumschancen. In dieser „enormen Diskrepanz“, wie es Industrie-Spartenobmann Georg Comploj umschreibt, schlägt sich die Vorarlberger Industrie sehr gut. „Die Betriebe halten sich im harten internationalen Wettbewerb ausgezeichnet.“

45 Industrieunternehmen mit insgesamt 22.000 Beschäftigten beurteilen in der aktuellen Konjunktur­umfrage ihre Geschäftslage deutlich besser, und das quer durch alle Branchen. Gut zum Ausdruck kommt das im Geschäftsklimaindex, dem Mittelwert zwischen der aktuellen Geschäftslage und jener in sechs Monaten. Dieser befindet sich aktuell auf dem besten Wert seit zehn Jahren.

Dass auch der Ausblick auf die kommenden Monate positiv ist, liege vor allem an der Exporttätigkeit, betont Industrie-Spartengeschäftsführer Michael Amann. Hier seien der Auftragsbestand und die Auslandsaufträge sehr zufriedenstellend. Positiv wird auch die Ertragssituation beurteilt; ein Drittel der Unternehmen will mehr Mitarbeiter einstellen.

Das Ach unter dem Dach

Weil aber sprichwörtlich unter jedem Dach ein Ach ist, gibt es auch Wermutstropfen. Zum einen ist da die Pensionierungswelle, die in den Industriebetrieben bevorsteht. Dadurch werden qualifizierte Mitarbeiter mehr denn je gesucht, weil somit auch Unternehmen ohne Wachstum auf Spezialisten angewiesen sind. Schon heute könnte die Industrie in Vorarlberg sofort 1000 zusätzliche Techniker einstellen, wenn es diese denn gäbe. Zwar werden in der Industrie knapp 1500 Lehrlinge ausgebildet. Man benötige aber zusätzliche Fachkräfte, die man oft nur außerhalb des Landes bekomme, so Amann. Die im Regierungsprogramm angepeilte Beschränkung des Zuzugs ausländischer Arbeitskräfte wird daher mit Sorge beurteilt. „Wir brauchen die notwendigen Fachkräfte auch in Zukunft“, sagt Spartenobmann Comploj.

Preisdruck bleibt

Auch die Verkaufspreise sind weiter massiv unter Druck, erklärt Mathias Burtscher von der Industriellenvereinigung. Die international vorhandenen Überkapazitäten bringen die Preise unter Druck. Nur selten könne man die Mehrkosten in Form von Preiserhöhungen an Kunden weitergeben. „Das bedeutet, man muss weiter die Produktivität steigern und flexibel sein“, so Burtscher.

Das Regierungsprogramm bewertet Comploj ansonsten „überwiegend positiv“. Vor allem die Erhöhung der Forschungsprämie, die vorzeitige Abschreibungsmöglichkeit für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern oder die Lohnnebenkostenförderung seien erfreulich. Er hofft darauf, dass die Umsetzung nun zügig erfolge. An das Freihandelsabkommen TTIP hat er dank Trump indes keine Erwartungen mehr. „Das haben wir vorerst abgehakt.“

1000 Techniker dringend gesucht

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