Wie Flüchtlinge arbeitsfähig werden

Markt / 03.03.2017 • 19:29 Uhr
Wie Flüchtlinge arbeitsfähig werden

Vom Deutschkurs bis zur Fachkraft: Neues Projekt soll fit für den Arbeitsmarkt machen.

Bregenz. Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut – sagen die einen. Die Wirtschaft dient dem Volk – sagen die anderen. Arbeit ist das beste Mittel zur Integration – sagen die meisten. Auch die Landesregierung vertritt diese Meinung. Wer arbeitet, nimmt am gesellschaftlichen Leben teil und muss nicht von Sozialleistungen leben. Deshalb hat die Vorarlberger Regierung vergangenes Jahr einen Koordinator eingestellt, der helfen soll, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren: Anton Strini, langjähriger Chef des AMS. Gemeinsam mit der Integra und dem Landeshauptmann stellte er am Freitag ein neues Projekt vor, das jungen Flüchtlingen den Weg in die Arbeitswelt ebnen soll. Die Integra will mit dem Programm „Jugendcollege Vorarlberg“ rund 200 Menschen zwischen 15 und 25 Jahren auf einen Pflichtschulabschluss, eine Berufsausbildung oder eine Arbeitsstelle vorbereiten.

Mehr Beschäftigte

Laut Landeshauptmann Markus Wallner leben rund 2000 Asylberechtigte in Vorarlberg, die in den Arbeitsmarkt integriert werden müssen. Das Land rechnet mit weiteren 800, die nach Abschluss des Asylverfahrens dazukommen. Von den 2000 Bleibeberechtigten sind 628 beim AMS vorgemerkt, sie kommen also zu den rund 12.000 Arbeitslosen dazu. „Vorarlberg kann diese Zahl stemmen“, sagt Strini und verweist auf das vergangene Jahr: Die Zahl der Beschäftigten aus den Hauptflüchtlingsgruppen ist von 604 auf 950 gestiegen. Strini gibt aber zu bedenken, dass Flüchtlinge im Durchschnitt weniger gebildet sind, was die Integration in den Markt erschwert. Von den 628 haben zwar 47 einen akademischen Abschluss, es gebe aber große Unterschiede.

Insgesamt haben rund 60 Prozent höchstens eine Pflichtschule abgeschlossen, unter den Flüchtlingen aus Afghanistan und Somalia sind es sogar 90 Prozent. „In den Städten ist die Situation anders. Eine Wiener Untersuchung zeigt, dass dort der Anteil der Niedrigqualifizierten bei 40 Prozent liegt“, fährt Strini fort. Landeshauptmann Wallner stellt fest: „Es gibt aber eine Chance.“ 41 Prozent aller Flüchtlinge seien unter 25 Jahre alt, 47 Prozent zwischen 25 und 45. „Gerade bei den jungen Flüchtlingen ist zu spüren, dass sie bereit sind, sich voll einzubringen“, sagt Wallner. Strini bestätigt: „Die meisten haben richtig Biss.“ Zudem schreie Vorarlbergs Wirtschaft förmlich nach qualifizierten Jugendlichen. Strini formuliert deshalb drei arbeitsmarktpolitische Ziele: „Berufliche Qualifikation nutzen, auf Mangelberufe fokussieren, und darauf achten, den jungen Flüchtlingen den Weg zu einer Fachkräfteausbildung zu ermöglichen.“

Integra-Geschäftsführer Stefan Koch hat bereits Erfahrung sammeln können, was die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt betrifft. Bei „Start2Work“ seien seit Jahresbeginn rund 180 Flüchtlinge betreut worden, 57 Prozent konnten einem Arbeitgeber vermittelt werden. Auch von „Talent Scout“ haben die Verantwortlichen vieles gelernt. Mit diesem Projekt sollten die Eignungen der 15- bis 19-Jährigen beleuchtet werden. Schnell wurde klar, dass die Kultur- und Sprachbarrieren zu groß sind, um solche Tests durchzuführen. „Auch die psychologischen Auswirkungen der Flucht waren nicht abschätzbar“, erzählt Koch. Das Programm wurde geändert, mit dem Ergebnis, dass 146 Personen Deutsch auf A2-Niveau, 55 weitere auf B1-Niveau sprechen. 25 Jugendliche haben einen Lehrvertrag in der Tasche, fast 130 wurden in Projekte und Schulen vermittelt; sie sind damit auf dem Weg zur Fachkraft.