Vorsprung durch Wissen

05.04.2017 • 17:07 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Thomas Jennerwein hatte bereits als Zehnjähriger einen VC20 zu Hause, den damals sogenannten Volkscomputer.  Foto: Marion Hofer
Thomas Jennerwein hatte bereits als Zehnjähriger einen VC20 zu Hause, den damals sogenannten Volkscomputer. Foto: Marion Hofer

Vorsprung durch frühe Digitalisierung. Das ist die Erfolgsgeschichte von Meusburger.

Wolfurt. (cro) Wissen verschafft Vorsprung. Dieser Gedanke dürfte Georg Meusburger durch den Kopf gegangen sein, als ihm bei seinem täglichen Betriebsrundgang an einigen Maschinen verschiedenste handschriftliche Notizen auffielen. Ein Mitarbeiter beispielsweise listete auf, was bei einem bestimmten Fehler zu tun ist, ein anderer, welcher Werkstoff mit welcher Schnittgeschwindigkeit bearbeitet werden kann. Ein dritter wiederum hatte sich die Telefonnummer notiert, die er wählen konnte, falls die Maschine streikte. Insgesamt ein wahrer Schatz an Informationen, der verloren geht, wenn ein Mitarbeiter die Tätigkeit oder gar das Unternehmen wechselt. Der Seniorchef bat daher um das Einverständnis, sie mitnehmen zu dürfen und ließ sie von seiner Assistentin ins Reine schreiben. Zudem gab sie jedem entstandenen Dokument einen Titel und eine Nummer, die dann in Ordnern gesammelt wurden. Das war im Jahr 1995.

Von analog auf digital

Als vier Jahre später, 1999, Guntram Meusburger in die Firma kam, waren bereits über 200 solcher „Info-Blätter“ im Umlauf. Doch die Anzahl der Wissensdokumente stieg ständig weiter an und das ursprüngliche papierbasierte System stieß an seine Grenzen. Dem technikaffinen Nachfolger war schnell klar, dass eine Software her musste. „Das war damals ein Quantensprung“, erklärt Thomas Jennerwein, IT-Spezialist und Mitglied der Geschäftsleitung; er ist überzeugt: „Das gelebte Wissensmanagement half, das rasante, enorme Wachstum zu managen und die Innovationskraft voranzutreiben.“

So ist seit der Entstehung des ersten Infoblatts bis heute die Mitarbeiterzahl der Meusburger-Gruppe von 107 auf 1400 angestiegen und der Umsatz entwickelte sich von 23 auf 270 Millionen Euro im Jahr 2016. Übrigens ist auch die Zahl der WiDoks rasant auf 4600 angewachsen und längst ein unverzichtbarer Teil der Unternehmenskultur.

CD-Katalog

Ebenso vorausschauend und ein Garant für den großen Erfolg war außerdem die Einführung des CD-Katalogs im Jahr 1996. Dieser besteht bis heute und wird ständig erweitert. „Auch das war revolutionär“, zeigt sich der 44-Jährige noch heute vom ersten E-Commerce im Hause Meusburger begeistert.

Dem Wolfurter Betrieb ist es gelungen, richtungsweisende Funktionen zu realisieren, die echte Erleichterungen für alle Werkzeug-­ und Formenbauer darstellen. Auch die 2D- und 3D­-Modelle von mittlerweile über 85.000 Produkten im Meusburger Lieferprogramm sind auf der CD vorhanden und können problemlos in alle gängigen CAD­-Systeme und als neutrale Daten exportiert werden.

Vorbeugende Instandhaltung

Meusburger gehört seit 2013 offiziell zu den „Besten Arbeitgebern Vorarlbergs“. Nicht nur wegen des familiären Umfelds. Viel interessanter für Bewerber ist das Wissen um die Digital-Affinität und die Vorreiterrolle, die das Unternehmen seit jeher einnimmt. Deshalb bereitet man sich bereits seit einiger Zeit auf das Thema Industrie 4.0 vor. „Gearbeitet wird derzeit intensiv an der Vernetzung der Maschinen, mit dem Ziel, effizienter zu werden und die Produktivität zu steigern“, sagt Jennerwein. „Predictive Maintenance“ lautet dabei das Zauberwort.

Gemeint ist das vorbeugende Instandhalten mittels intelligenten Datenaustauschs. „Durch den Einsatz von Sensoren können diese Verknüpfungen nun genutzt werden, um Zustandsdaten von Maschinenkomponenten zu erfassen und sie mit Informationen aus Drittsystemen (ERP-, CRM-Systeme) zu kombinieren“, erklärt der Fachmann eines der Merkmale des Internets der Dinge.

Ausfälle vermeiden

Der Vorteil: Drohende Stillstandszeiten und unvorhergesehener Ausfall werden rechtzeitig erkannt, die entsprechende Wartung eingeleitet und Produktionsausfälle vermieden. An den Abbau von Mitarbeitern wird bei Meusburger dabei gar nicht gedacht. „Im Gegenteil“, sagt Jennerwein, „wir wollen aufstocken und sind ständig auf der Suche nach Fachkräften.“ Denn Wissen schafft Vorsprung, und bei Meusburger weiß man das auch.

Seit Jahren setzt Meusburger in der Branche die Trends bei digitalen Katalogen.  Foto: Meusburger
Seit Jahren setzt Meusburger in der Branche die Trends bei digitalen Katalogen. Foto: Meusburger

Meusburger Gruppe

» Geschäftsfeld: Werkzeug-, ­Formen- und Maschinenbau

» Produkte: Normalien und Werkstattbedarf, Heißkanaltechnik und Regeltechnik

» Stahlverbrauch: 37.000 Tonnen pro Jahr

» Headquarter: Wolfurt

» Niederlassungen: China, Türkei, USA, Indien, Mexiko

» Mitarbeiter: 1400

» Umsatz Meusburger Gruppe: 270 Millionen Euro (Plus 25 Prozent zum Vorjahr)

» Exportanteil: 93 Prozent

» Über 17.500 Kunden weltweit