Lidl hätte gerne noch mehr

06.04.2017 • 20:33 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Lidl-Chef Christian Schug in der Filiale in der Lustenauer Kaiser-Franz-Josef-Straße mit Filialleiterin Sabrina Heine.  Foto: VN/Steurer
Lidl-Chef Christian Schug in der Filiale in der Lustenauer Kaiser-Franz-Josef-Straße mit Filialleiterin Sabrina Heine. Foto: VN/Steurer

Lebensmittelhändler sieht noch Potenzial im Land. Dafür braucht es aber neue Konzepte.

Lustenau. Zwölf Filialen hat Lidl in Vorarlberg und es könnten durchaus noch mehr werden, geht es nach den Plänen von Christian Schug, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Lidl Österreich. Für den Lebensmittelhändler gibt es also noch weiße Flecken. Nur: Grund und Boden ist im Land bekanntlich rar gesät. „Vorarlberg ist restriktiv bezüglich Genehmigungen für zusätzliche Filialen. Somit ist es schwer, neue Standorte zu eröffnen“, sagt Schug im VN-Gespräch. Die Lösung liegt für Lidl daher in neuen Konzepten. „Stand-Alone-Filialen sind kein Zukunftskonzept. Es geht darum, die Fläche optimaler zu nutzen. Erste Projekte dazu gibt es von uns im Raum Wien“, so Schug, der in Richtung „Metropolfilialen“ denkt. Das bedeutet, einen Lebensmittelhandelstandort mit Wohnen, Kinderbetreuung, Studentenheimen oder gewerblichen Flächen zu kombinieren und die Parkplätze unter die Filiale zu legen.

Insgesamt laufen die Geschäfte für den Lebensmittelhändler gut. Österreichweit konnte Lidl den Umsatz im Geschäftsjahr 2016/2017 um 100 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro steigern. Zu den 220 Standorten kamen 13 neue Filialen hinzu. Zudem standen 20 Modernisierungen an.

Detaillierte Zahlen für Vorarlberg gibt es nicht. Nur so viel: „Mit den Standorten in Vorarlberg sind wir sehr gut unterwegs. Die betriebswirtschaftlichen Zahlen sind gut und wir werden von den Kunden sehr positiv angenommen“, erklärt Christian Schug, für den ein Erfolgsfaktor im Preis-Leistungs-Verhältnis liegt. „Wir sind ein Discounter und stehen dazu. Unser Job ist die Frische. Dabei setzen wir auf langfristige Produzentenbeziehungen“, bekräftigt er seine Philosophie. Genauso wird Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das gilt für die Standorte wie für die Produkte. So wird beispielsweise die billigste Schokolade mit Fairtrade-zertifiziertem Kakao hergestellt.

Freiwillig mehr Lohn

Stolz ist Schug auch auf die Auszeichnung vom unabhängigen „Great Place to Work“-Institut als bester Arbeitgeber Österreichs. „Unternehmenskultur ist ein Langzeitprojekt, das uns sehr wichtig ist. Wir sind aber auch ein Wirtschaftsunternehmen, in dem es um Leistung geht“, betont er. Dieser Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Mitarbeiterbedürfnissen gelingt augenscheinlich gut. Bei Lidl Österreich legt man Wert darauf, dass die Mitarbeiter Berufliches und Privatleben noch besser verbinden können. Es gibt familienfreundliche Teilzeitmodelle, den Papa-Monat oder die Möglichkeit auf ein dreimonatiges Sabbatical. „Wir schauen auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter und versuchen einen Weg zu finden, auf diese einzugehen“, erklärt Schug. Zudem zahlt Lidl besser, als man gesetzlich müsste. Bereits in der Vergangenheit wurde über Kollektivvertrag bezahlt. Aktuell bekommen die Mitarbeiter in Vorarlberg umgelegt auf eine monatliche Arbeitszeit von 167 Stunden ein Gehalt von mindestens 1921 Euro. „Mehr zu bezahlen, muss man sich leisten, aber wir verlangen einen guten Job und ein Teil der Wertschätzung dafür ist neben der guten Unternehmenskultur eine gute Bezahlung“, erklärt der Geschäftsführer.

Kein leichter Job

Dass der Job im Handel kein leichter ist, ist ihm bewusst. Auch weil das Management bei Lidl Wert darauf legt, nicht aus dem Elfenbeinturm heraus zu agieren, saß Schug unlängst bei einem Filialtag selbst an der Kasse und räumte die Regale ein. „Ich war nicht so schnell, aber durch Freundlichkeit kann man vieles wettmachen“, so der Lidl-Chef zu seinem Einsatz an der Front. Denn im Handel sei es letztlich so: „Die Herausforderung fängt jeden Tag um 7.40 Uhr von Neuem an. Man kann sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen.“

Lidl Österreich

Umsatz Geschäftsjahr 2016/17: 1,2 Milliarden Euro (+9,1%)

Filialen: 220, davon 12 in Vorarlberg

Mitarbeiter: 4800, davon 250 in Vorarlberg

Sortiment: 1500 verschiedene Artikel (ein Drittel davon
aus Österreich), jährlich rund 5000 zusätzliche Aktionsartikel