Das war es nun mit dem Papier

14.04.2017 • 16:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Künftig geschehen die Auftragsausschreibung wie auch die Angebots­abgabe für öffentliche Aufträge nur mehr papierlos. Foto: VN/Steurer
Künftig geschehen die Auftragsausschreibung wie auch die Angebots­abgabe für öffentliche Aufträge nur mehr papierlos. Foto: VN/Steurer

Öffentliche Aufträge werden bald nur mehr digital ausgeschrieben.

Feldkirch. (VN-reh) Die Digitalisierung erfasst immer mehr Bereiche. Nun auch das Vergaberecht. Denn bald werden alle öffentlichen Aufträge im Oberschwellenbereich, also ab einer gewissen Wertgrenze, in Vorarlberg nur mehr digital ausgeschrieben. „Künftig geschehen sowohl die Auftragsausschreibung wie auch die Angebotsabgabe für öffentliche Aufträge nur mehr papierlos“, erklärt Marco Tittler, Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der Wirtschaftskammer Vorarlberg.

Grund ist die Kosten- und Zeiteinsparung, die die elektronische Lösung mit sich bringen soll. Denn laut einer Schätzung des österreichischen Finanzministeriums könnte die Überarbeitung der Vergabeverfahren dem österreichischen Steuerzahler 590 Millionen Euro an Kosten ersparen.

Wollen tut das die Europäische Union. Mit ihrer Richtlinie 2014/24/EU sieht sie vor, dass die elektronische Vergabe verpflichtend wird. Im Jahr 2017 zunächst für zentrale Beschaffungsstellen, wie im Land zum Beispiel der Umweltverband, wenn er Ausschreibungen für Gemeinden durchführt. Aus diesem Grund stellen das Land und die Gemeinden bereits früher auf die elektronische Vergabe um. Im Jahr 2018 wird die elektronische Vergabe dann für alle öffentlichen Aufraggeber verpflichtend.

Vorteile für Betriebe

Vergabeverfahren des Landes und der Gemeinden im Oberschwellenbereich erfolgen nun bereits ab Mai 2017 nur mehr elektronisch. „Wir erhoffen uns durch die papierlosen Vergabeverfahren nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wesentliche Vorteil für die Unternehmen“, sagt Tittler. Die Teilnahme werde effizienter und günstiger. Und dank transparenter und sicherer Prozesse solle sowohl die Abgabe als auch die Öffnung der Angebote einfacher werden. Denn öffentliche Ausschreibungen werden für Unternehmen immer wichtiger. „Ein Blick auf die Daten zeigt, dass dieses Jahr alleine in Vorarlberg bereits über hundert öffentliche Aufträge bekannt gemacht wurden“, berichtet der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung.

Gemeinsame Plattform

Dafür gibt es ab Mai auf Intention der Wirtschaftskammer eine gemeinsame Plattform von Land und Gemeinden. Für die elektronische Abwicklung der Vergabeverfahren wird die Webapplikation des Vergabeportals der ANKÖ Service Ges.m.b.H. verwendet. Diese konnte im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung als Bestbieter ermittelt werden, sodass in Vorarlberg die Vergabeverfahren über diese Vergabeplattform abgewickelt werden können. „Vor dem Hintergrund einer möglichst effizienten und einfachen Handhabung war es der Wirtschaftskammer Vorarlberg ein großes Anliegen, dass sich Land und Gemeinden auf eine gemeinsame Plattform verständigen und die Unternehmen als Bieter in weiterer Folge nicht unterschiedliche Portale bedienen müssen“, so Tittler.

Dass allerdings noch Informationsbedarf herrscht, zeigte kürzlich eine Veranstaltung der Wirtschaftskammer zum Thema, an der über 300 Interessierte teilnahmen. „Je früher und je besser sich Unternehmer darauf vorbereiten, desto eher gelingt der erfolgreiche Weg zu öffentlichen Aufträgen“, ist Marco Tittler überzeugt.

Die Digitalisierung macht auch vor der Vergabe nicht halt.

Marco Tittler, WKV