„Wir spielen in der Champions League“

28.04.2017 • 16:11 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Der Erweiterungsbau wird 25 Millionen Euro kosten.
Der Erweiterungsbau wird 25 Millionen Euro kosten.

Feldkirch. Raimund Wachter ist Geschäftsführer von Vorarlberg Milch. Im Interview spricht er über das Dauerthema Milchpreis, ein Millionenprojekt und darüber, was sich Konsumenten erwarten.

Der Milchpreis ist ein Dauerthema. Wie erleben Sie die Situation in Vorarlberg? Schließlich wollen auch Ihre Gesellschafter einen Milchpreis, mit dem sie zufrieden sind.

Wachter: Das ist eine sehr herausfordernde Situation und ein wichtiges Kriterium in unserer Strategie. Es ist ein gewisses Spannungsfeld zwischen Eigentümer, Unternehmen und Kunden. Grundsätzlich sind wir aber auf einem guten Weg. Gerade 2016, das ein schwieriges Jahr war, haben wir es geschafft, wesentlich bessere Preise auszuzahlen als Mitbewerber. Im Gegensatz zu Mitbewerbern aus Deutschland lagen wir 30 Prozent höher, in Österreich um zehn Prozent. Das ist aus unserer Sicht ein großer Erfolg. Es freut uns, dass der Kunde uns versteht und uns folgt.

Vorarlberg Milch investiert gerade 25 Millionen in die Erweiterung. Wie konnten Sie die Eigentümer von so einem Großbauvorhaben überzeugen?

Wachter: Es geht uns darum, in die Zukunft zu blicken. Der ganze Entwicklungsprozess zu diesem Generationenprojekt dauerte eineinhalb Jahre. Dadurch ist das gereift und fand eine hohe Qualität der Zustimmung. Der Beschluss ist einstimmig getroffen worden. Es ist uns auch wichtig zu betonen, dass wir keine Filiale sein wollen. Wir sind nicht irgendein Produktionsstandort, sondern ein Kompetenzzentrum. Wir treffen die Entscheidungen in Feldkirch mit den Eigentümern gemeinsam. Das hat das Projekt klar verdeutlicht. Wir leben heute leider sehr oft nur von Zurufen. Von dem halten wir nichts. Eine Genossenschaft geht über Generationen. Unser Geschäftsmodell ist die Nachhaltigkeit, das sind wir vom Kern aus und wird bei uns gelebt.

Das Projekt ist auch ein klarer Schritt in Richtung Export. Ist Vorarlberg als Markt zu klein, um betriebswirtschaftlich erfolgreich zu sein?

Wachter: Bei der Investition geht es darum, eine höhere Wertschöpfung zu erzielen. Dabei ist ein attraktiver Bauernmilchpreis unser zentrales Thema. Nachdem Vorarlberg geografisch und von der Bevölkerung her Begrenzungen hat, werden wir in den nächsten Jahren vor allem über unsere Käsekompetenz verstärkt in den Export gehen. Vorarlberg ist ein Käseland mit einer extrem hohen Wahrnehmung von außerhalb. Das wurde über zig Generationen erarbeitet. Das gilt es weiter zu nutzen und auszubauen. Vorarlberg wird immer unser zentraler Kernmarkt und unsere Heimat bleiben. Aber es ist wichtig, gesund zu wachsen. Nicht durch Übernahmen oder Fusionen, sondern mit neuen Vertriebsstrategien. Unser Schwerpunkt wird dabei auf Deutschland, Skandinavien, Benelux, Italien und Spanien liegen.

Wie kann man sich als kleiner Anbieter angesichts eines riesigen Mitbewerbs überhaupt sichtbar machen?

Wachter: Der Wettbewerb ist da und sehr intensiv. Er beflügelt und motiviert. Beim EU-Beitritt hat man uns alle belächelt und gesagt, die Milchwirtschaft wird es in Österreich genau noch drei, vier Jahre geben und dann gibt es bei uns nur noch Milchprodukte aus dem Ausland. Heute ist es genau umgekehrt und unsere Produkte findet man im Ausland. Allerdings nicht im Billig-, sondern im Premiumsegment. Diese Strategie werden wir vorantreiben, weil es darum geht, dass die Käsequalität top sein muss. Wir trauen uns zu sagen, wir spielen in der Champions League und messen uns international mit den Topanbietern.

Inwieweit helfen die vielen nationalen und internationalen Auszeichnungen bei Ihrer Strategie?

Wachter: Die Auszeichnungen sind sehr wichtig, weil sie unseren Weg bestätigen. Zwölf Mal Käsekaiser in zehn Jahren zeigt, dass wir kein Zufallstreffer sind. Auch bei internationalen Wettbewerben sind wir immer vorne dabei. Uns geht es darum, den Kunden zu vermitteln, was hinter unseren Produkten steckt.

Ist diese Nachvollziehbarkeit auch das, was sich der Konsument heute erwartet?

Wachter: Jeder Kunde hat eine andere Erwartungshaltung. Aber unsere Kernzielgruppe will sehr viel wissen über ein Produkt. Darum ist uns die Produktehrlichkeit so wichtig. Wir sind 100 Prozent Vorarlberg. Das ist die klare Botschaft. Da geht es weniger darum, ob Bio- oder Heumilch. Es muss die Qualität der Inhalte passen. Nur gut zu sein reicht nicht, das muss schon nachweisbar und dokumentiert sein. Und letztlich muss es einfach schmecken.

Wie hoch ist die Erwartungshaltung bezüglich neuer Geschmacksrichtungen?

Wachter: Grundsätzlich tendiert der Kunde immer wieder zum Ähnlichen. Nach wie vor sind Erdbeere und Vanille die Klassiker. Wir sind auch nicht die Firma, die groß experimentiert. Für uns geht es darum, die Natürlichkeit und die Qualität der Milch zu vermitteln, nicht darum, die neueste Kreation zu bringen. Da wären wir auch nicht glaubwürdig.

Wie geht es beim Milchpreis weiter? Soll die Europäische Union die Milchmengen wieder regulieren?

Wachter: Da sind wir ganz klar dagegen. Wir halten nichts von Regulierungen. Der Markt ist das Entscheidende. Man muss seine Begebenheiten kapieren und akzeptieren. Wir wollen ja keine Museumslandwirtschaft. Das heißt, die Landwirtschaft muss aktiv sein und sich weiterentwickeln. Da haben wir einen guten Weg gefunden. Der Markt ist nicht böse, aber auch nicht gerecht. Er reagiert auf Angebot und Nachfrage und dem müssen wir uns stellen. Darum sind wir heute auch auf einem Niveau, auf dem wir vor dem EU-Beitritt nicht waren. Heute können wir uns mit allen Käsequalitäten anderer Länder messen. Das haben wir uns vor dem EU-Beitritt nicht getraut.

Regulierungen führen meist nicht zum erhofften Ziel. Man muss den Weg nach vorne gehen.

Raimund Wachter im hauseigenen Laden der Vorarlberg Milch in Feldkirch. Der Rahmkäse ist die neueste Kreation. Fotos: VN/hartinger
Raimund Wachter im hauseigenen Laden der Vorarlberg Milch in Feldkirch. Der Rahmkäse ist die neueste Kreation. Fotos: VN/hartinger

Kennzahlen

Vorarlberg Milch eGen

» Gegründet: 1940

» Eigentümer: 502 Vorarlberger Landwirte

» Geschäftsführung: Raimund Wachter

» Umsatz 2016: 50 Millionen Euro (2015: 46,5 Mill. Euro)

» Exportanteil: 30 Prozent, hauptsächlich Deutschland

» Aktuelle Investitionen: 25 Millionen Euro

» Mitarbeiter: 120, davon 9 Lehrlinge

Zur Person

Mag. Raimund Wachter

Geschäftsführer der Vorarlberg Milch eGen

Geboren: 26. März 1969 in Schruns

Ausbildung: VS und HS in Schruns, Handelsakademie Bludenz, Wirtschaftsstudium in Innsbruck, Schwerpunkt Marketing und Unternehmensführung

Laufbahn: 1996 bis 1998 Verkaufs- und Marketingleiter Vorarlberg Milch, seit Ende 1998 Geschäftsführer

Familie: Partnerschaft, eine Tochter