Neueste Biogastechnik ist weltweit im Einsatz

Markt / 16.06.2017 • 18:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Peter Arbeiter von EnvironTec entwickelte eine energieeffiziente und einfach installierbare Hygienisierungsanlage für Bioabfälle. EnvironTec 
Peter Arbeiter von EnvironTec entwickelte eine energieeffiziente und einfach installierbare Hygienisierungsanlage für Bioabfälle. EnvironTec 

EnvironTec konzipierte ein völlig neuartiges Verfahren zur Hygienisierung von Bioreststoffen.

Fussach. Die 2005 gegründete Fußacher EnvironTec GmbH ist auf die Reinigung, Speicherung und Verwertung von Faulgasen spezialisiert, die in Bio-, Klär- und Deponiegasanlagen entstehen. Das Unternehmen entwickelt und projektiert dafür gastechnische Ausrüstungskomponenten für Faulgasreaktoren sowie Gasaufbereitungsanlagen, die Schmutzpartikel oder Feuchtigkeit aus dem Gas abscheiden, Gasspeichersysteme und Gasverwertungsanlagen, um überschüssiges Gas sicher zu verbrennen, oder um Wärme und Strom zu erzeugen. Beliefert werden Kommunen, Unternehmen im Großanlagenbau und Privatkunden auf der ganzen Welt. „Durch unser internationales Netzwerk können wir rasch in jenen Ländern punkten, in denen regenerative Energien forciert werden“, erklärt Geschäftsführer Walter Bilgeri. „Aufholbedarf besteht dabei insbesondere in osteuropäischen und südostasiatischen Staaten.“ Mit sechs Mitarbeitern werden pro Jahr 30 bis 40 Projekte von China über das Baltikum bis Südamerika abgewickelt.

Biogas mit Zukunft

Organische Abfälle aus der Lebensmittelindustrie oder aus Haushalten werden zunehmend gemeinsam mit Gülle oder Klärschlamm in Biogas- bzw. Kläranlagen vergoren. Das ermöglicht eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit der Anlagen und trägt zur nachhaltigen Wirtschaftsweise bei. Laut EU-Verordnung 142/2011 müssen biogene Abfälle vor der Verwertung von Keimen befreit werden, weshalb immer öfter eine Hygienisierungsanlage benötigt wird. „Speisereste und Industriebabfall müssen für eine Stunde bei einer Temperatur über 70° C pasteurisiert werden. Das von uns entwickelte Verfahren garantiert exakt die Einhaltung dieser Verordnung“, erläutert Projektleiter Peter Arbeiter. Neu ist, dass die Anlage statt einem oder mehreren Behältern einen Rohrreaktor besitzt. Dieser Rohrreaktor wird durch Trennkörper, die mit dem Material mitwandern, in gleichmäßige Abschnitte unterteilt, sodass eine genaue Verweilzeit von einer Stunde gemessen und eingehalten wird. Die Trennkörper werden beim Durchlauf jeder Charge mittels Sensorik überwacht und im Kreislauf gehalten. Aufgrund der kontinuierlichen Arbeitsweise ist der elektrische Energieverbrauch um mehr als 75 Prozent geringer als bei herkömmlichen Anlagen. Ebenso sind die Investitions- und Wartungskosten erheblich günstiger, da die Anlage dem Kunden „Plug & Play“ geliefert wird. Vor Ort braucht es nur noch wenige Anschlussarbeiten. Die neue Anlage ist außerdem platzsparend, geräuscharm und durch die Trennkörper selbstreinigend.

Weltweiter Markt

Das richtungsweisende Projekt wurde von der FFG gefördert, die aws gewährt eine Schutzrechtsförderung und unterstützt die Errichtung der Pilotanlage. Vor Kurzem wurde das Patent vom Österreichischen Patentamt erteilt. „Die Entscheidung, in welchen internationalen Ländern patentiert wird, hängt primär von der jeweiligen Gesetzgebung zur Hygienisierung ab. Wir gehen jedenfalls von einem weltweiten Marktpotenzial aus.“ Die erste Anlage wird aktuell von Wagner in Nüziders aufgebaut und anschließend in der Nähe von Ulm in Betrieb genommen.

Schutzrechtstipp

Die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) bietet ein Bündel an Finanzierungs- und Beratungsprogrammen, auch im IP-Bereich. Unternehmen und F&E-Einrichtungen werden bei der Bewertung ihrer Schutzrechtssituation, der Erlangung von Schutzrechten und Lizenzen sowie der Vermarktung von Innovationen unterstützt. Aktuelle Programme sind u. a. discover.IP (IP-Beratung), License.IP (Technologie-Lizenzierung) und aws tec4market (Schutzrechtsscreening, Pilotanlagen). Die WISTO ist regionaler Partner der aws und begleitet die Förderabwicklung.