Mit dem Fuß auf dem Gaspedal

Markt / 20.06.2017 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
LR Karlheinz Rüdisser, LH Markus Wallner und WKV-Direktor Helmut Steurer präsentierten den Wirtschaftsbericht 2016/17. Foto: vlk
LR Karlheinz Rüdisser, LH Markus Wallner und WKV-Direktor Helmut Steurer präsentierten den Wirtschaftsbericht 2016/17. Foto: vlk

Vorarlbergs Wirtschaft soll heuer mit 2,4 Prozent erneut über Österreichschnitt wachsen.

bregenz. (VN-reh) Hervorragend, erfreulich, voll in Fahrt: Der Wirtschaftsbericht 2016/17 von Land und Wirtschaftskammer spart nicht an Superlativen. Positives ist man gewohnt, denn Vorarlbergs Wirtschaft segelt seit 2010 auf stabilem Kurs. Aber zuletzt hat sie noch einmal ordentlich Fahrt aufgenommen. Zwei Prozent Wirtschaftswachstum waren es im vergangenen Jahr, ein Spitzenwert im Österreichvergleich. Für heuer werden sogar 2,4 Prozent prognostiziert. „Ein Wachstum über zwei Prozent schafft neue Arbeitsplätze“, freut sich Landeshauptmann Markus Wallner. Damit könne man die mit Anfang des Jahres eingesetzte Trendwende am Arbeitsmarkt verfestigen. Die Arbeitslosenzahlen gehen seit Monaten zurück. „Danach haben wir alle gestrebt“, so der Landeshauptmann.

Mit dem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent im vergangenen Jahr hob sich Vorarlberg bereits von den anderen Bundesländern ab. „Wenn wir heuer 2,4 Prozent erreichen, werden wir die anderen nur noch im Rückspiegel sehen“, sagt Wallner. Was ihn ebenfalls freut, ist, dass das Wachstum ökologisch gesund erfolge. Also nicht auf Kosten eines höheren Ressourcenverbrauchs. Vielmehr wachse die Wirtschaft im Land durch Innovation.

Investitionsfreude steigt

Schaut man sich die verschiedenen Branchen an, zeigt sich ein sehr einheitliches Bild. Alle trugen ihren Teil zum Erfolgslauf bei. Allen voran die Sachgüterproduktion mit einem Plus von 3,4 Prozent. Für das Gewerbe und Handwerk lief es ebenfalls erfolgreich, der Einzelhandel wuchs auf hohem Niveau um 2,2 Prozent und der Tourismus erzielte im Winter, trotz Rückgang bei den Nächtigungen, immer noch das drittbeste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen. Insgesamt habe auch die Investitionsbereitschaft zugenommen. „Mit einer Eigenkapitalquote von 41 Prozent haben Vorarlbergs Unternehmen die Kraft für Investitionen und sie ist auch ein Indiz dafür, dass die Gewinne im Betrieb bleiben“, so Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser.

Der Kern des Wachstums ist für Helmut Steurer, Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg, dabei der Export. Fast 60 Prozent der im Land erzeugten Waren werden ins Ausland geliefert. Rund 3000 Vorarlberger Unternehmen sind im Export tätig. 2015 wurden Waren im Wert von 9,5 Milliarden Euro exportiert. Im ersten Halbjahr 2016 waren es 4,8 Milliarden. Die Schallmauer von zehn Milliarden ist also in Reichweite.

“Nicht ausruhen”

Es wäre aber die falsche Botschaft, sich nun auf den Lorbeeren auszuruhen, ist Markus Wallner überzeugt. Die heimische Wirtschaft habe zwar enorm Tempo aufgenommen, das Land müsse aber wirtschaftspolitisch mithelfen und dürfe in seinen Anstrengungen nicht nachlassen. Zum einen ist da der Fachkräftemangel. Beim Arbeitsmarktservice Vorarlberg sind zwar über 10.000 arbeitslose Menschen gemeldet, aber dennoch klagen immer mehr Unternehmen über einen Fachkräftemangel. Das Problem sei, dass gut die Hälfte der Arbeitslosen keinen oder nicht mehr als einen Pflichtschulabschluss vorweisen können.

Grund und Boden

Weitere Herausforderungen bleiben der Ausbau der Infrastruktur, der Bürokratieabbau, die Digitalisierung („eine technische Revolution steht an“) und die Raumplanung. Speziell die Thematik Grund und Boden ist derzeit in aller Munde. Das sei allerdings keine Schwarz-Weiß-Geschichte, kritisiert Helmut Steurer. In der Vergangenheit habe man nämlich nur Flächen aus der Grünzone herausgenommen, wenn es unbedingt notwendig war. Großteils sei in gewidmeten Gebieten gebaut worden. „In letzter Zeit hat sich gezeigt, wie schwer es ist, große Investitionsvorhaben zu verwirklichen”, so der Wirtschaftskammerdirektor. Doch gerade diese Projekte seien notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft langfristig zu sichern.

Mit dem Fuß auf dem Gaspedal