„Unsere Strategie ist, Spezialist zu sein“

Markt / 23.06.2017 • 18:13 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
 Am 6. Jänner erfolgte der Einzug ins neue Firmengebäude.
 Am 6. Jänner erfolgte der Einzug ins neue Firmengebäude.

Lustenau. Karin Fink-Loos hat mit der Firma Kugelfink Anfang des Jahres ein neues Betriebsgebäude im Lustenauer Millennium Park bezogen. Im Interview spricht sie über Wachstumschancen, warum ein Produkt allein nicht mehr reicht und warum Frauen oft Berührungsängste mit der Technik haben.

Anfang des Jahres hat Kugelfink das neue Gebäude in Lustenau bezogen. Was war die größte Umstellung für Sie und Ihr Team?

Fink-Loos: Es gab eigentlich nur positive Umstellungen. Vor allem genießen wir den Platz, den wir jetzt haben. Wir haben im Vergleich zum alten Standort in Dornbirn nun das Zweieinhalbfache an Fläche. Insgesamt hat es sich sehr schnell als selbstverständlich angefühlt. Wir haben uns auch sehr gut aufgenommen gefühlt, von der Gemeinde und vom Umfeld im Millennium Park.

Sie haben fünf Millionen Euro in den Standort investiert. Das deutet auf weiteres Wachstum hin. Welche Strategie und Pläne verfolgen Sie mittel- und langfristig?

Fink-Loos: Wir sind ein Unternehmen, das sich Schritt für Schritt weiterentwickelt, das wird auch hier im Neubau so sein. Die vergangenen Jahre gab es ein kontinuierliches Wachstum. Wir haben uns die letzten zehn Jahre bei Umsatz und Mitarbeiterzahl fast verdoppelt. Mit dem neuen Gebäude haben wir viele Möglichkeiten. Wir könnten das Bürogebäude aufstocken, das Lager erweitern oder auf der Fläche des Parkplatzes später einmal eine Tiefgarage errichten, um darauf eine weitere Lagerhalle zu bauen. Wir haben also Reserven für die Zukunft, je nachdem in welche Richtung es künftig geht.

Wie optimistisch sind Sie?

Fink-Loos: Wir hoffen natürlich, dass wir uns auch die kommenden Jahre so positiv entwickeln wie in den vergangenen Jahren. Wir machen stark die Veränderungen mit der Wirtschaft mit. Unsere Kunden kommen aus Industrie und Gewerbe, und wenn es den Betrieben gut geht, geht es uns auch gut, und umgekehrt. Aber durch die Tatsache, dass wir Erstausrüster sind und zugleich Reparaturen bieten, wiegt sich das in schwierigen Zeiten gegen.

Seit dem Jahr 1934 ist die Firma Kugelfink als Spezialist für Wälzlager, Antriebstechnik und Linearsysteme ein Begriff im Land. Was sind die besonderen Herausforderungen in Ihrer Branche?

Fink-Loos: Eine der größten Herausforderungen in der Zukunft ist mit Sicherheit, wie wir als stationärer Händler genauso auch im Onlinebereich ein Angebot bieten können. Da sind wir gerade in Vorbereitung. Ab Herbst ist dies das große Thema bei uns. Dann sind erste Schritte geplant. Was wir jetzt schon haben, ist ein elektronischer Datenaustausch mit größeren Unternehmen. Das bedeutet, Auftragsbestätigungen, Lieferscheine und Rechnungen werden nur noch elektronisch abgewickelt.

Reicht es aus, Händler zu sein oder muss man mehr bieten, um sich am Markt zu behaupten?

Fink-Loos: Das Produkt an sich ist nicht ausreichend. Es ist vielmehr die Gesamtleistung, die man als Unternehmen bietet. Da gehören Faktoren wie die Kompetenz dazu. Da haben wir dank vieler langjähriger Mitarbeiter eine gute Position. Wir konnten das Wissen über Jahre aufbauen. Wir legen auch sehr viel Wert auf Schulungen während des Jahres. Wir möchten einfach ein Mehr an Dienstleistungen anbieten. Unsere Mitbewerber sind teilweise sehr groß und decken ein sehr breites Spektrum an Produkten ab. Unsere Strategie ist es, Spezialist zu sein. Wir möchten daher den Fokus auch in Zukunft eng halten, was die Produkte betrifft, denn eine klare Position am Markt ist für den Kunden ganz wichtig. Zudem bieten wir gemeinsam mit unseren Partnern Reparaturen sowie Zustandsüberwachungen an und haben einen Notfallservice, sind also 24 Stunden erreichbar. Das ist ganz entscheidend für die Zukunft.

Sie arbeiten seit 2001 im Betrieb, den Ihr Großvater gegründet hat, seit 2006 sind Sie Geschäftsführerin. War es für Sie klar, dass Sie den Familienbetrieb übernehmen?

Fink-Loos: Nein, das war es nicht. Ich habe, genauso wie viele andere Mädchen auch, den Plan gehabt, Tierärztin oder Architektin zu werden. Vor der Matura hat sich dann herauskristallisiert, dass ein starkes betriebswirtschaftliches Interesse da ist. Ich habe in Innsbruck Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Handel und Marketing studiert. Da ging es schon ganz klar in die Richtung. Ich habe es auch nie bereut. Sicherlich ist es eine Herausforderung. Als Frau mit Familie muss man immer wieder den Spagat machen. Aber das Entscheidende ist dann doch die Leidenschaft und die Freude, an dem, was man tut.

Es ist nach wie vor selten, dass Frauen Betriebe mit technischem Fokus führen. Braucht man als Frau insgesamt mehr Durchsetzungskraft oder ist das nur eine falsche Außenwahrnehmung?

Fink-Loos: Das kann man gar nicht so klar beantworten. Ich denke, am Anfang ist es vermutlich schon so, dass man sich mehr beweisen muss in der Männerdomäne. Das ist aber ein natürlicher Prozess, den viele junge Menschen, die in einem Betrieb anfangen, durchmachen. Aber ab dem Moment, wenn man sich bewiesen hat, ist es dann auch kein Thema mehr. Ab dann zählt nur noch die Leistung und nicht, ob man Frau oder Mann ist.

Viele Frauen haben immer noch Berührungsängste mit der Technik. Wie kann man dem Ihrer Meinung nach entgegenwirken?

Fink-Loos: Voraussetzung ist, dass Berührungen mit der Technik da sind, dass man also Mädchen schon früh in Betriebe mit technischen Berufen hineinschnuppern lässt. Das nimmt die Scheu und so kann sich Interesse entwickeln. Denn Fakt ist, dass wir Frauen in der Wirtschaft beziehungsweise in der Technik stark benötigen.

Als Unternehmerin und Frau mit Familie muss man immer wieder den Spagat machen.

Karin Fink-Loos setzt bei Kugelfink auf eine hohe Fachkompetenz, denn das Produkt an sich ist heute nicht mehr ausreichend. „Wir wollen Spezialisten sein“, sagt die Geschäftsführerin im VN-Interview. Fotos: VN/Stiplovsek
Karin Fink-Loos setzt bei Kugelfink auf eine hohe Fachkompetenz, denn das Produkt an sich ist heute nicht mehr ausreichend. „Wir wollen Spezialisten sein“, sagt die Geschäftsführerin im VN-Interview. Fotos: VN/Stiplovsek

Kennzahlen

Kugelfink GmbH, Lustenau

» Gegründet: 1934

» Geschäftsführerin und
Gesellschafterin (100 %):
Karin Fink-Loos

» Portfolio: Wälzlager, Antriebstechnik, Lineartechnik, chemische Produkte der Weltmarktführer SKF, THK, Optibelt

» Mitarbeiter: 16

» Umsatz 2016: 5,8 Mill. Euro

» Investition Neubau:
ca. 5 Mill. Euro

Zur Person

Karin Fink-Loos, Eigentümerin/GF Fa. Kugelfink

Geboren: 9. März 1974

Ausbildung: Handelsakademie in Lustenau, Universität Innsbruck, Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing und Vertrieb, diverse Weiterbildungen, z. B. am Wifi Vorarlberg

Laufbahn: 2001 Eintritt ins Familienunternehmen, seit 2006 Geschäftsführerin

Familie: verheiratet, zwei Söhne