„In keiner Relation zur Realität“

Markt / 12.12.2017 • 22:33 Uhr
Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor Georg Pölzl sieht die Post in Vorarlberg gut vertreten. post
Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor Georg Pölzl sieht die Post in Vorarlberg gut vertreten. post

Vorstandschef Georg Pölzl sieht die Post in Vorarlberg gut aufgestellt.

Schwarzach In letzter Zeit gab es zunehmend Kritik an der Postzustellung in Vorarlberg. Georg Pölzl, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der Österreichischen Post AG, sieht hier keine Schieflage.

 

Herr Generaldirektor, die Post schreibt erfreuliche Ergebnisse. Nur in Vorarlberg klingelt der Postmann seltener. Die Post steht derzeit wegen der Zustellung stark in der Kritik. Was läuft denn schief?

Pölzl Die Post ist in Vorarlberg sehr gut vertreten. Zugegeben hatten wir im Sommer personelle Engpässe. Das liegt daran, dass Vorarlberg ein Land mit Vollbeschäftigung ist. Das macht es besonders schwierig, Mitarbeiter für Zustelltätigkeiten zu bekommen. Ich möchte nicht verhehlen, dass Vorarlberg personaltechnisch deswegen das schwierigste Bundesland ist. Aber der Eindruck, der da insgesamt entsteht, steht in keiner Relation zur Realität. Wir haben hier 443 Mitarbeiter. Von allen 276 Rayonen, also Zustellbezirken, ist aktuell nur einer nicht besetzt. Das kann bedingt aus Krankenständen kommen. Das heißt, das gibt es immer wieder und dann springen in der Zeit Kollegen ein.

 

Kritiker sehen das Problem auch darin, dass die Zahl der Zusteller in Vorarlberg in den vergangenen Jahren halbiert wurde.

Pölzl Man darf dabei nicht vergessen, dass sich in der Zeit auch das Volumen der Briefe halbiert hat und dass wir auch viele effizienzsteigernde Maßnahmen gesetzt haben. Das Werbemedium Kuvert spart jedem Zusteller beispielsweise eine Stunde Arbeit am Tag.

 

Das Postgesetz, das Sie dazu verpflichtet, an fünf Werktagen pro Woche zuzustellen, wird also eingehalten?

Pölzl Das Postgesetz wird eingehalten. Mindestens 95 Prozent der Briefe müssen innerhalb Österreichs am ersten auf den Einlieferungstag folgenden Werktag zugestellt werden. Diese vorgeschriebene Quote wird von uns immer übererfüllt. Der Eindruck, dass man nicht jeden Tag Post zugestellt bekommt, mag sogar stimmen, weil man auch nicht jeden Tag einen Brief bekommt. Werbepost stellen wir in einem anderen Rhythmus, heißt nur jeden zweiten Tag, zu.

 

Der Löwenanteil des Post-Umsatzes stammt weiterhin aus dem Briefgeschäft. Wie wichtig ist dieses perspektivisch für Sie?

Pölzl Bei der Briefpost haben wir zwar einen Rückgang um fünf Prozent im Jahr, das ist aber immer noch weniger als in anderen Ländern. Die Österreichische Post macht rund zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Davon macht die Division Brief, Werbepost & Filialen 1,5 Milliarden aus. Im Vergleich: Die Pakete haben einen Anteil von 500 Millionen Euro. Das heißt, Brief ist unser Kerngeschäft und davon leben wir, obwohl das Paketgeschäft stark wächst.

 

In Städten sind Selbstbedienungslösungen oder Roboter immer mehr ein Thema, die Branche träumt von Drohnen. Was ist im ländlicheren Raum an technischen Hilfsmitteln überhaupt umsetzbar?

Pölzl Die Selbstbedienungslösungen sind ein Erfolgsmodell, das uns effizienter gemacht und den Service verbessert hat. Es gibt solche Stationen in den Filialen und wir setzen Empfangsboxen auch am Land ein. Die gesamten Stationen funktionieren sehr gut und wir werden die Kapazitäten in den kommenden zwei bis drei Jahren verdoppeln müssen. Das ist besonders für das Paketgeschäft wichtig und ist auch ein wichtiger Punkt, bei dem wir uns in der Zustellqualität am Kunden deutlich von anderen Wettbewerbern unterscheiden. Der Wettbewerb ist ja in Österreich stärker geworden, aber die Post hat die höchste Zustellqualität. Wir liefern vor Weihnachten 600.000 Pakete am Tag aus. Sonst haben wir eine Tagesleistung von 400.000 Paketen. Auch das zeigt, wie wichtig uns die Zustellqualität ist. Denn 50 Prozent der Pakete werden über unsere Briefzustellorganisation zugestellt.

 

Haben Sie nach der Kündigung durch die BAWAG bereits einen neuen Bankpartner gefunden?

Pölzl Die Geschichte mit der BAWAG ist noch nicht völlig ausverhandelt. Aber wir haben schon bemerkt, dass die BAWAG und die Post unterschiedliche Vorstellungen haben, wie eine künftige Filiale entwickelt werden soll.

 

Hat dies Auswirkungen auf die Zahl der eigenbetriebenen Filialen?

Pölzl In Vorarlberg haben wir 67 Postgeschäftsstellen, davon sind 50 Postpartner. In den 17 eigenbetriebenen Filialen haben wir überall die BAWAG als Partner dabei. Da wird es in den nächsten Jahren zu Veränderungen kommen. Wir sind aber auf jeden Fall bestrebt, eine hohe Anzahl an Geschäftsstellen aufrechtzuerhalten. Mit welchem Bankpartner auch immer. Ich gehe davon aus, dass sich das Filialnetz organisch verändern wird, aber dass wir die Anzahl in die Summe beibehalten, wo wir heute sind. Wir werden also Standorte anpassen, weil wir teilweise in BAWAG-Filialen sind, aber in Summe sind wir mit der Anzahl gut aufgestellt. Gerade in Vorarlberg haben wir die Anzahl ausgeweitet.