„Ein gewisser Grad an Diskretion“

09.05.2018 • 20:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ewald Nowotny,Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, setzt auch weiterhin auf Bargeld: „Schon weil wir das Geld auch produzieren.“ VN/Paulitsch
Ewald Nowotny,Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, setzt auch weiterhin auf Bargeld: „Schon weil wir das Geld auch produzieren.“ VN/Paulitsch

EZB-Rat Ewald Nowotny will im Juli Entscheidung über weitere Geldpolitik in EU.

Dornbirn Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, ist bekannt dafür, dass er die Dinge beim Namen nennt. Eine Eigenschaft, die in der Riege der Noten- und Nationalbanker nicht unbedingt zur Unternehmenskultur bzw. zum Selbstverständnis zählt. Ihm ist das offene Wort aber wichtig, und er betont im Gespräch mit den VN auch, dass im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) durchaus sehr offen diskutiert werde. Nur im Moment halte er sich zurück, denn eine Woche vor Sitzungen des Rates sei ein „stille Phase“ vereinbart. Und ja – „Notenbank-Politik braucht einen gewissen Grad an Diskretion“.

Entscheidung im Juli

Zu offen waren der EZB im April Nowotnys Aussagenn der in einem Interview mit der Nachrichtenagentgur Reuters unter anderem sagte, die EZB werde wohl ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm bis zum Jahresende auslaufen lassen. Und dies werde den Weg bereiten für die erste Zinserhöhung seit dem Jahr 2011. Die EZB distanzierte sich gegen ihre gewohnte Informationspolitik von diesen Aussagen. Im Gespräch mit den VN machte er sie nicht, mahnte aber an, dass spätestens bei der Sitzung im Juli Konsens über die weitere Vorgangsweise gefunden werden müsse. Wie das gehen könnte, habe die US-Notenbank vorgezeigt – zuerst die Beendigung des Aktienankaufprogramms, dann Bewegung in der Zinspolitik und schließlich kein Nachkauf mehr bei auslaufenden Programmen.

EZB und Euro seien aber Erfolgsgeschichten, daran lässt Nowotny keinen Zweifel. Auch wenn sein ehemaliger Professoren-Kollege, der bekannte deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn, gegen den Euro opponiere und sich „als eine Art Untergangsprophet etabliert hat“. Deutschland habe ganz besonders vom Binnenmarkt und vom Euro profitiert, auch wenn das Land Nettozahler sei, hält er ihm entgegen. Auch Vorarlbergs Wirtschaft habe massiv von dem offenen Zugang in den Binnenmarkt und von der gemeinsamen Währung profitiert, fügt er an. Schließlich war der Grund seines Besuchs im Land ein Vortrag zum Thema „Der Euro und die Zukunft der Wirtschafts- und Währungsunion“, der hauptsächlich von Unternehmern gehört wurde.

Die gemeinsame Währung und die gemeinsame Geldpolitik, so Nowotny, hat Europa durch die Krise gebracht. „Die einzelnen Notenbanken wären nicht imstande gewesen, geeignete Gegenmaßnahmen zu setzen.“ Der Euro habe sich als Weltwährung positioniert, sorge für Stabilität in Europa und habe seinen Teil zur derzeit so starken europäischen Wirtschaft beigetragen. „Die guten Prognosen können nur durch politische Verwerfungen gefährdet werden, wenn es durch Maßnahmen und Gegenmaßnahmen zu einer Eskalation kommt“, sagt er mit Blick auf die US-Wirtschaftspolitik. „Das alles bedroht die Freiheit des Handels.“

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny

Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB-Rat) Er studierte Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien und Volkswirtschaftslehre am Institut für Höhere Studien.