Müde Mülltrenner

Markt / 30.05.2018 • 22:21 Uhr
Die Vorarlberger trennen Müll. Doch was in welche Tonne gehört, wissen immer weniger. VN/schwald
Die Vorarlberger trennen Müll. Doch was in welche Tonne gehört, wissen immer weniger. VN/schwald

Studie: Bei der Mülltrennung liegen die Vorarlberger nur noch im Mittelfeld.

Wien, Schwarzach Die Vorarlberger waren einmal die Musterschüler in Sachen Mülltrennung. Betonung auf „waren“. Zwar geben die meisten Vorarlberger immer noch ein Bekenntnis zur Mülltrennung ab, doch das Engagement wie auch das Wissen um die ökologische Kreislaufwirtschaft lässt nach, die einstige Spitzenstellung als Mülltrenner musste definitiv abgegeben werden. Das sind die Ergebnisse einer am Mittwoch in Wien vorgestellten Studie zum Thema Mülltrennung, für die 1500 Österreicher im Auftrag des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB), des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (wie das Umweltministerium jetzt heißt) und des Gemeindebundes befragt wurden. 

Nur die Hälfte

Die Studie zeigt im Falle Vorarlbergs, dass die Trenndisziplin schon einmal höher war. Nur 50 Prozent der Vorarlberger behaupten von sich, beim Müllentsorgen im Haushalt auf die richtige Trennung zu achten. Das liegt vielleicht daran, dass die Vorarlberger unsicher sind, wie was zu trennen ist. Sattelfest sind dabei nur 34 Prozent der Vorarlberger. Im Bundesländervergleich belegen wir damit den letzten Platz. Am besten wissen die Kärntner Bescheid über die Trennung. Die Mülltrennung ist auch nur für 66 Prozent der Vorarlberger sehr wichtig. Für elf Prozent der Befragten ist sie überhaupt nicht wichtig. Am wichtigsten ist Recycling den Oberösterreichern (76 %) und Steirern (72 %). Weniger Interesse an der Wiederverwertung von Abfällen zeigen nur die Wiener (60 %) und die Tiroler (59 %).

Das geringer werdende Interesse mag damit zusammenhängen, dass nur 21 Prozent der im Land befragten Personen um die Bedeutung von Müll für die ökologische Kreislaufwirtschaft wissen und deshalb auch nur 55 Prozent der Vorarlberger bewusst ist, dass sie selbst für die Lösung von Müllproblemen verantwortlich oder zumindest mitverantwortlich sind. Bei den Vorarlbergern scheint es aber auch so, als seien sie nach Jahren als Trennweltmeister „etwas müde geworden“, wie ein Entsorger gegenüber den VN zu bedenken gibt. 

Anders sieht es bei der Jugend aus, die ja noch zu jung ist, um nun müde zu sein. Nur 29 Prozent der unter 30-Jährigen trennen ihren Müll. Und gar nur jeder vierte Jüngere weiß mit Sicherheit, welcher Abfall in welche Mülltonne gehört. Bei den Älteren ist es jeder Zweite. Immerhin: Zum Umweltschutz bekennen sich die Jüngeren. „Würden alle konsequenter Müll trennen, könnten rund 600.000 Tonnen Papier, Glas, Kunststoff und Metall, statt im Restmüll zu vergammeln, wiederverwertet werden“, so VOEB-Präsident Hans Roth bei der Präsentation der Zahlen.

Studie: Zahlen und Fakten

71 Prozent der Österreicher sagen, dass der Müll immer mehr wird.

67 Prozent sind überzeugt, dass Recycling sinnvoll ist, aber nur 30 Prozent wissen, dass aus Abfällen wichtige Rohstoffe gewonnen werden können.

70 Prozent verzichten „so oft wie möglich aufs Plastiksackerl“ und 75 Prozent wollen weniger Lebensmittel verschwenden.

94 Prozent der Österreicher trennen Papier, 89 Prozent Glas vom übrigen Müll. Auch Batterien werden zu 88 Prozent richtig entsorgt.