Chef und Mitarbeiter

08.05.2019 • 16:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Zahl der Ein-Personen-Unternehmen in Vorarlberg steigt weiter an. Sie werden immer weiblicher und verzeichnen steigende Umsätze.

Bregenz Viele unternehmerische Erfolgsgeschichten beginnen mit einer Person und einer guten Idee. Und der Wirtschaftsstandort Vorarlberg ist längst nicht mehr nur von großen Industriebetrieben geprägt.

Aktuell sind nämlich 12.512 Unternehmen in Vorarlberg und damit um 381 mehr als noch im Vorjahr Ein-Personen-Unternehmen, das heißt, sie beschäftigen keine Mitarbeiter und bestehen nur aus der Person des Unternehmers. In Relation zu allen Unternehmen im Land beträgt der EPU-Anteil 56 Prozent und ist damit seit drei Jahren relativ konstant.

Aber wer ist der klassische Ein-Personen-Unternehmer? Susanne Rauch-Zehetner ist Mentalcoach in Bregenz und zugleich Sprecherin der EPU in Vorarlberg. Sie passt gut ins Profil, denn die Mehrheit (55,4 Prozent) der Ein-Personen-Unternehmen wird mittlerweile von Frauen geführt und hinsichtlich Tätigkeitsbereich sind EPU häufiger im Bereich der wissensbasierten, kreativen und technischen Dienstleistungen zu finden.

Bei der Bildung stellen die Akademiker mit einem Drittel (35 Prozent) die größte Gruppe dar. Dahinter folgen Personen mit Lehrabschluss, die vor ein paar Jahren noch an erster Stelle standen. Und warum machen sie sich selbstständig? An vorderster Stelle bei den Gründungsmotiven stehen Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung. Diese beiden Faktoren gewinnen stetig an Bedeutung. Im Gegensatz zu jenen Motiven, die aus einem gewissen Druck entstehen. So zum Beispiel die Unzufriedenheit am derzeitigen Arbeitsplatz oder das Fehlen weiterer beruflicher Aufstiegsmöglichkeiten. Das habe vor allem, so Rauch-Zehetner, mit der guten konjunkturellen Lage in Vorarlberg zu tun.

Diese wiederum spielt auch den Ein-Personen-Unternehmen in die Karten. Denn sie konnten zuletzt aufgrund der positiven wirtschaftlichen Lage höhere Umsätze lukrieren. Ein Viertel der EPU erwirtschaftete laut KMU-Forschung Austria im Jahr 2018 mehr als 100.000 Euro und damit deutlich mehr als in den Jahren zuvor.

Froh ist Susanne Rauch-Zehetner darüber, dass die Steuerreform Erleichterungen und Anreize für die kleinen Unternehmen bringen wird. Durch die geplante Ausweitung des Gewinnfreibetrags auf 100.000 Euro hätten sie die Möglichkeit, Eigenkapital aufzubauen und dadurch das Unternehmen weiterzuentwickeln. Zudem bedeutet die vereinfachte Betriebsausgabenpauschalierung und neue Kleinunternehmergrenze (Umsatz 35.000 Euro statt bisher 30.000 Euro) deutlich weniger Aufwand in der Administration.

Auch österreichweit ist die Zahl der Ein-Personen-Unternehmen im Steigen begriffen. 315.900 Menschen (+8000) waren 2018 Chef und Mitarbeiter in einer Person. Insgesamt bestehen knapp 60 Prozent der heimischen Betriebe aus nur einer Person. Bei der Präsentation der Zahlen in Wien fühlte man sich übrigens bemüßigt, gegen Vorurteile anzutreten. „EPU sind kein Modephänomen, sondern als vollwertige Unternehmer ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor.“ VN-reh

„Ein-Personen-Unternehmen zeichnen sich durch einen hohen Grad an Spezialisierung aus.“

Zahlen und Fakten

12.512 Unternehmen in Vorarlberg (+381) wurden 2018 als Ein-Personen-Unternehmen geführt

 

56 Prozent aller Unternehmen im Land sind damit Ein-Personen-Unternehmen. Österreichweit bestehen knapp 60 Prozent der heimischen Unternehmen aus nur einer Person

 

55,4 Prozent aller Ein-Personen-Unternehmen in Vorarlberg waren 2018 von Frauen geführt.